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ASP in Deutschland ausgebrochen

Mi., 09.09.2020 - 20:00
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Es war nur eine Frage der Zeit, eine Frage nach wann und wo. Jetzt steht fest: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Deutschland angekommen. Mittlerweile gibt es sechs bestätigte Fälle.

Im Landkreis Spree-Neiße im östlichen Brandenburg wurde das Virus am 10. September bei einem verendet aufgefundenen Wildschwein festgestellt. Der Fundort befindet sich beim ort Sembten (Gemeinde Schenkendöbern), der zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus liegt.

Infektion bestätigt
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die Infektion mit der ASP bestätigt.

Der Fundort ist nur wenige Kilometer von der Lausitzer Neiße entfernt, die dort Grenzfluß zu Polen ist. Es wird vermutet, dass das Virus durch Wildschweine eingeschleppt wurde, die die aktuell nur wenig Wasser führende Neiße überwunden haben.

In diesem Zusammenhang wurde auch Kritik an den örtlichen Behörden geübt. Ihnen wurde vorgeworfen, dass der Elektro-Zaun am Flußufer nicht zuverlässig gewesen sein soll.

Fundort des ersten an der ASP verendeten Wildschweins in Brandenburg. (Quelle: Landkreis Spree-Neiße)
Unweit der Grenze zu Polen wurde das erste an der ASP verendete Wildschwein aufgefunden. (Quelle: Landkreis Spree-Neiße)

 

Fünf weitere Fälle bestätigt
Am 15. September bestätigte das Land Brandenburg, dass fünf weitere mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infizierte Wildschweine aufgefunden wurden. Das berichtet das Fachmagazin SUS. Vier Sauen seien demnach bereits verendet gewesen, ein Wildschwein sei vor Ort getötet worden.

Die Sauen wurden innerhalb des gefährdeten Gebietes rund um die erste Fundstelle aufgefunden.

Kadaver weitgehend verwest
Problematisch ist, dass das zuerst aufgefundene Wildschwein laut FLI bereits weitgehend verwest gewesen ist. Damit steigt das Risiko, dass sich weitere Sauen an dem Stück infiziert haben.

Kadaversuche wird ausgeweitet
Nun gilt es, möglichst schnell alle weiteren Kadaver verendeter Sauen zu finden und aus dem Gebiet zu bringen, damit sich daran keine weiteren Tiere infizieren. Das Virus bleibt sehr lange im Fleisch, Körpersekreten und auch Knochen virulent.

Zur Kadaversuche werden auch Schweißhundführer eingesetzt, die dabei ihre Waffen tragen dürfen. Die Jagdausübungsberechtigten - also Pächter oder Eigenjagdbesitzer - müssen diese Kadaversuchen dulden und sollen sie unterstützen. Das geht aus einer Pressemeldung des Landkreises Spree-Neiße hervor.

Schutzzaun steht
Seit dem 12. September ist ein rund 12 Kilometer langer Elektro-Zaun in einem Radius von drei Kilometern um den ersten Fundort in Betrieb. Der Zaun soll verhindern, dass infizierte Sauen den Bereich verlassen und weitere Tiere anstecken.

Erste Maßnahmen
Als erste Maßnahme wird jetzt ein Zaun im Umkreis von drei Kilometern um den Fundort gezogen (Kerngebiet). Diese Abgrenzung wird mit einem elektrischen Zaun abgesichert sowie mit gewissen Betretungs- und Ernteverboten belegt. Das Material für den Zaun liegt nach Angaben der Behörden schon seit Monaten für den Ernstfall bereit.

Bei der zweiten Zone mit einem Radius von 15 Kilometern handelt es sich um das sogenannte gefährdete Gebiet, dem der dritte Radius mit einer Weite von 30 Kilometern folgt.

Im gefährdeten Gebiet und im Kerngebiet, das durch einen Elektrozaun  gilt ein Jagdverbot für alle Tierarten. Eine verstärkte Fallwildsuche ist dort durchzuführen. Die Suche durch andere Personen und geeignete Hilfsmittel ist zu dulden.

Die Kadaversuche erfolgt auch durch Einsatz von Hunden und Hundeführern mit Schusswaffen und ist von den Jagdausübungsberechtigten zu unterstützen und zu dulden. Jedes verendet aufgefundene Wildschwein ist unverzüglich unter Angabe des Fundortes (GPS-Daten) dem zuständigen Veterinäramt anzuzeigen.

Landestierarzt Stephan Nickisch erklärte dem RBB zufolge, dass für das eingezäunte Gebiet ein Betretungsverbot erlassen worden sei .

Jagdverbot erlassen
Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte, dass in dem Gebiet ein striktes Jagdverbot für alle Tierarten erlassen wurde. Schwarzwild soll in der Region nicht aufgescheucht werden.

Die Organisation von Fallwildmeldungen, die Überprüfung von Schweinehaltungen und die Beseitigung von Kadavern laufe nun an. Es sei eine Sammelstelle eingerichtet worden. Zudem erklärte Nonnemacher, dass man möglicherweise ein Ernteverbot für Maisfelder erteilen müsse.

DJV fordert Unterstützung der Jäger
Angesichts des ASP-Ausbruchs stellt der DJV weitreichende Forderungen an Politik und Behörden. Hier geht's zum Artikel.