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Vergleichstest: Selbstladebüchsen

Fr., 17.05.2019 - 18:04
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Jagdpraxis hat sechs jagdliche Selbstladebüchsen auf den Prüfstand gestellt und auf Praxistauglichkeit untersucht. Besonders einige preiswerte Modelle konnten dabei überraschen. Aus Jagdpraxis 3/2013.

Selbstladebüchsen bzw. halbautomatische Repetierer führen unter Jägern immer noch zu Diskussionen – für die einen sind sie „nicht waidgerecht“, andere nutzen ihre unbestreitbaren Vorteile, vor allem bei Drückjagden.

Die Kritiker-Fraktion meint, dass die mögliche schnelle Schussfolge zu übereilten Nachschüssen verführt, während Befürworter gerade diese schnelle Schussfolge als besonders waidgerecht einstufen, weil bei krankem Wild ein sofortiger zweiter oder dritter Schuss möglich ist.

Dieser Konflikt wird uns sicher noch eine Zeit lang beschäftigen. Der technische Vorteil von Selbstladebüchsen gerade bei Drückjagden ist unbestreitbar – nach dem ersten Schuss kann ohne jede Manipulation an der Waffe unmittelbar weiter gejagt werden.

Das geht bei Doppelbüchsen zwar auch (die niemand je „unwaidgerecht“ nannte), aber dann ist Schluss, während Halbautomaten noch einen dritten Schuss in Reserve haben. Dazu kommt die Tatsache, dass sich Selbstladebüchsen rückstoßärmer schießen, weil sie einen Teil der Pulvergase für den automatischen Ladevorgang verwenden.

Das ermöglicht sichere schnelle Folgeschüsse, weil die Büchse nicht so weit aus der Ziellinie geworfen wird. Das letzte Argument für Selbstladebüchsen ist ihr Preisvorteil – verglichen mit Doppelbüchsen sind sie geradezu billig und selbst gegenüber modernen Geradezugrepetierern wie Blasers R 8, Heyms SR 30 oder Merkels Helix sind die meisten Halbautomaten immer noch günstiger.

Diese Vorteile haben viele Drückjagdschützen erkannt, denn in den letzten Jahren steigen die Verkaufszahlen jagdlicher halbautomatischer Büchsen stetig. Das hat viele Hersteller dazu gebracht, neue Modelle zu entwickeln oder bestehende zu verbessern.

Sicher haben auch die wachsenden Probleme mit dem Schwarzwild dazu beigetragen, dadurch werden mehr Drückjagden abgehalten, und die Pächter sind an guten Strecken interessiert.

Unbestreitbar ist aber, dass hauptsächlich die Quali­tät des Schützen dazu beiträgt, was später auf dem Streckenplatz verblasen wird. Die Kategorie der Waffe ist zweitrangig – hilft aber guten Schützen sehr, ihre Fähigkeiten umzusetzen.

Selbstlader Testteam
Das Jagdpraxis-Testteam prüfte die Kandidaten im Schießkino auf Herz und Nieren (v. l.) – Revierjagdmeister Thorsten Heitmann, Revierjagdmeister Guido Schürhoff, Schweißhundführer Guido Erben und Jagdpraxis-Chefredakteur Matthias Kruse.

 

Funktion und Technik
Grundsätzlich arbeiten halbautomatische Gewehre wie Selbstladepistolen – nach dem Schuss wird die leere Hülse vom zurückgleitenden Verschluss aus dem Patronenlager gezogen, der Auswerfer wirft sie aus und die Verschlussfeder drückt den Verschluss wieder nach vorn.

Auf seinem Vorwärtsweg nimmt der Verschluss eine neue Patrone aus dem Magazin mit und drückt sie ins Patronenlager. Die Waffe ist nun wieder schussbereit. Ein Unterbrecher im Abzug sorgt dafür, dass dieser erst wieder in seine vordere Position gelangen muss, bevor man erneut auslösen kann, um zu verhindern, dass die Waffe Dauerfeuer schießt.

Selbstladebüchsen liegen zwei Funktionsprinzipien zugrunde:
■ Rückstoßlader nutzen die direkt vom Boden der Patronenhülse auf den Verschluss übertragene Energie. So sind etwa die Feder-Masseverschlüsse von Kleinkaliber-Selbstladebüchsen aufgebaut.
Bei Büchsen, die Jagdmunition für Schalenwild verschießen, ist dagegen ein verriegelter Verschluss notwendig. Wird dabei das Rückstoßladerprinzip eingesetzt, muss sichergestellt sein, dass ein Teil der Energie zunächst zum Öffnen der Verriegelung eingesetzt wird, bevor der eigentliche Verschlussrücklauf einsetzt. Bekannteste großkalibrige Rückstoßlader sind die Heckler & Koch Modelle 770 und 940 mit dem millionenfach bewährten Rollenverschluss des Militärgewehres G 3.
■ Heutige moderne halbautomatische Jagdbüchsen arbeiten aber fast ausschließlich nach dem zweiten Funktionsprinzip – dem Gasdrucklader.
In deren Lauf findet man meist im vorderen Teil eine kleine Bohrung, durch die ein Teil der Pulvergase abgezapft wird. Über eine Düse werden sie auf einen Kolben geleitet, der über ein Gestänge den Verschluss nach hinten drückt, wobei er automatisch entriegelt wird. Bei der Verriegelung der Gasdrucklader gibt es zwei Varianten:
■ Beim Drehriegelverschluss greifen wie bei
Repetierern Warzen am sich drehenden Verschlussteil in entsprechende Gegenlager am Systemgehäuse oder Lauf. Für die Drehung sorgt die Steuerkurve am Verschlussträger, schiebt die Feder den Verschluss wieder nach vorn, läuft die gesamte Drehbewegung zwangsgesteuert in umgekehrter Reihenfolge ab.
■ Beim Kippblockverschluss liegt der Verschluss mit seiner Verriegelungsfläche in einer entsprechenden Aussparung am Magazinschacht. Wird der Verschlussträger durch den Gasdruck zurückgedrückt, hebt die Steuerkurve über Führungsnocken den Verschluss an, und er kann nach hinten gleiten.
Zu Beginn des eigentlichen Tests zunächst die technischen Besonderheiten unserer sechs Kandidaten.

Die getesteten Selbstladebüchsen
Diese sechs Selbstladebüchsen haben wir miteinander verglichen.

 

Selbstladebüchsen Technik und Preise

 

Remington 750 Woodsmaster
Der amerikanische Waffenhersteller Remington kann auf eine lange Tradition bei der Herstellung jagdlicher Selbstladebüchsen zurückblicken. Die erste, das Modell 8 gelangte bereits 1906 in die Hände von Jägern und wurde bis 1936 gefertigt.

Remington 750
Die Remington 750 ist eine einfache und robuste Waffe.

 

Waren Selbstlader unter europäischen Jägern zu dieser Zeit erst recht verpönt, erkannten einige Waidmänner aber auch damals schon die Vorteile. So führte der Thronfolger des Hauses Habsburg, Erzherzog Franz Ferdinand, eine mit Gold- und Silbergravuren geschmückte Remington und machte damit reichlich Strecke – zumindest in der kurzen Zeit, die ihm damit vergönnt war, denn seine Ermor­dung am 28. Juni 1914 in Sarajevo löste vier Wochen später den Ersten Weltkrieg aus.

Dann folgte das Modell 81, das erstmals den Zusatz-Namen Woodsmaster bekam, der Remington Selbstladebüchsen bis heute begleitet und bis 1950 in Produktion blieb.
1955 folgte das Modell M 740, das nach weiteren Modifikationen und Verbesserungen zur 7 400 wurde und bis 2004 in Produktion blieb.

Das aktuelle Modell 750 Woodsmaster ist im Prinzip eine modifizierte 7400er – das Gasdrucksystem wurde verbessert, die Büchse erhielt ein modernes Design. Neben der Büchsenausführung mit 56-cm-Lauf gibts auch eine Carbine-Version mit nur 47 cm kurzem Lauf.

Die 750 ist eine sehr solide Waffe mit massivem Stahlsystemkasten. Für US-Büchsen ist sie sogar sehr ansprechend verarbeitet, ihr Kasten ist poliert und hochglänzend brüniert, die Passungen von Holz und Metall fallen toleranzarm aus.

Der Systemkasten ist mit Gewindelöchern zur Zielfernrohrmontage versehen. Kam das Vorgänger­modell 7400 noch mit schlichtem Schaft ohne Backe, hat Remington die 750 mit einem Monte-Carlo-Hinterschaft und großer Schaftbacke ausgestattet, der über einen Pistolengriff (sog. Wundhammer-Form) mit rechtsseitiger Verdickung verfügt.

Auch der Vorderschaft ist ergonomisch sehr gelungen, der untere Bereich ist breit und füllt die Hand gut aus, während sich der obere Teil griffig verjüngt und festen Zugriff bietet. Die maschinengeschnittene Fischhaut ist ausreichend griffig.

Der typisch amerikanische Lacküberzug der Holzteile macht den Schaft pflegeleicht und schützt ihn zudem gut. Bei der 750 ist er aber nicht hochglänzend, sondern seidenmatt, was optisch ansprechend ist. Der Schaftrücken ist zum Schuss über eine optische Visierung geschäftet.

Ein Handicap kann die Schaftlänge sein – Jäger über 1,75 werden mit den gerade einmal 34 cm kaum gut zurechtkommen. Die Remington 750 arbeitet als Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss. Hinter der in der Mitte des Laufes angeordneten Gasdüse liegt der Kolben, der seine Energie auf zwei Schubstangen überträgt, die den Verschluss bewegen. Der Drehwarzenverschluss verriegelt direkt im Lauf.

Remington 750 Gassystem
Bei der Remington wird Gas in der Laufmitte abgezapft und damit über Schubstangen der Verschluss bewegt.

 

Die typisch amerikanische Druckknopfsicherung im Abzugsbügel wirkt nur auf den Abzug und fungiert zugleich als „Kindersicherung“ – mit einem bei­liegenden Spezialschlüssel lässt sich der Knopf verdrehen und die Waffe kann nicht mehr entsichert werden. Der Magazindrücker für das zweischüssige Stahlblechmagazin liegt rechts vor dem Abzug.

Ein Verschlussauslöser am System ist nicht vorhanden, dafür wurde eine eher simple Lösung gewählt. Das Einsteckmagazin hat links einen Schieber, der als Verschlussfang fungiert. Drückt man ihn gegen den Druck der Magazinfeder nach unten, wird der Verschluss freigegeben und schnellt vor.

Beim Visier dachten die Remington-Konstrukteure ganz offensichtlich nicht an typisch deutsche Drückjagdsituationen und verbauten eine enge U-Kimme mit filigranem weißen Perlkorn – typisch für den Punktschuss, und sogar in Höhe und Seite verstellbar.

Mit dem 56-cm-Lauf kommt die 750 auf eine Gesamtlänge von 107,5 cm und wiegt 3 550 g. Für dieses ansehnliche Gewicht ist der Stahlkasten verantwortlich. Remington richtet das Modell 750 in den Kalibern .243 Winchester, .270 Winchester, .308 Winchester, .30-06 und .35 Whelen ein.

In puncto Technik und Ausstattung ist Remingtons 750 eine einfache und robuste Waffe, die einen sehr soliden Eindruck macht. Ihr Preis von 1.299 € ist zwar günstig – aber damit ist die Remington noch nicht die preiswerteste Büchse im Testfeld.

Browning BAR II Wood
Das Ur-Modell BAR I kam 1967 auf den Markt, seit­dem hat Browning seine BAR (Browning Automatic Rifle) stetig verbessert. Die BAR II wird heute in verschiedenen Varianten angeboten, die sich durch Schaftausführung, Lauflänge oder Visierung unterscheiden.

Browning BAR
Browning hat seine BAR (Browning Automatic Rifle) seit 1967 stetig verbessert.

 

Die aktuelle Version verfügt jetzt endlich auch über ein von Praktikern seit langem gefordertes Einsteckmagazin. Bei den Vorgängermodellen war lediglich ein Klappdeckel vorhanden, auf dem das Magazin befestigt war. Den konnte man zwar abnehmen, aber ein schneller Magazinwechsel bei der Drückjagd war so kaum möglich. Die Form des Systemkastens erinnert stark an  Brownings berühmte Selbstladeflinte Auto 5.

Die BAR wird mit Systemkästen aus Aluminium oder Stahl angeboten. Browning Deutschland-Importeur AKAH schickte die brandneue BAR Zenith Wood ins Rennen, die sogar über eine Handspannung verfügt: Über einen Schieber auf dem Kolbenhals wird das Schloss erst unmittelbar vor dem Schuss gespannt. Danach wird automatisch beim Repetiervorgang gespannt, und das Schloss bleibt im gespannten Zustand, bis man den Schieber manuell zurücknimmt. Zum Entspannen muss man den Knopf auf dem Spannschieber drücken.

Auch die BAR ist ein Gasdrucklader mit Dreh­warzenverschluss. Dabei wird die Verriegelung von sieben Warzen übernommen. Das Gassystem ist einstellbar und lässt sich an die Patrone anpassen.

Browning bietet verschiedene Schäftungen an, die Jagdpraxis-Testwaffe hatte einen ausgesproche­nen Jagdschaft aus gut gemasertem, geöltem Nussbaumholz mit leichtem Schweinsrücken und bayerischer Kantbacke, der mit 36 cm auch ausreichend lang ausfällt.

Der schlanke Vorderschaft ist wie bei der Winchester Vulcan unten breiter und verjüngt sich nach oben, die Fischhaut ist fehlerfrei geschnitten. Dabei wurde sorgfältig gearbeitet.

Die Schaftkappe ist schnell austauschbar – Browning bietet zur einfachen, schnellen Anpassung der Schaftlänge Wechselkappen in unterschiedlicher Stärke an. Der Alu-Systemkasten der Version Wood ist mit Holzzierplatten an den Seiten ausgestattet.

Nächste Besonderheit ist die Kannelierung des 51-cm-Laufes, der bei FN in Belgien kalt gehämmert wird – sieht schick aus und fördert die Wärme­ableitung. Das zweischüssige Einsteckmagazin lässt sich durch Duck auf den vor dem Abzugsbügel liegenden Magazinauslöser entnehmen.

Der Verschlussauslöser liegt rechts am unteren Kastenende in Höhe des Spannhebels. Als offenes Visier war eine kurze Drückjagdschiene mit rotem Kunststoff-Leuchtkorn montiert.

Das Modell Wood HC ist in den Kalibern 7 x 64, .270 Win. .30-06, .300 Win. Mag. und 9,3 x 62 erhältlich. Bei 3,3 kg Gesamtgewicht ist die Büchse 105 cm lang. Der Preis der Testwaffe lag bei 2.125 €.

Merkel SR 1 Basic
Merkels Selbstladebüchse SR 1 entspricht technisch dem Heckler & Koch Modell 2000, das nach dem Zusammenschluss der beiden Traditionshersteller (einer jagdlich, der andere eher militärisch) 2003 entstand. Die SR 1 folgte 2006.

Merkel SR 1
Die Merkel-Selbstladebüchse schnitt im Test sehr gut ab.

 

Aus diesem Grund haben wir nicht auch noch  Heckler & Kochs SLB 2 000 in unser Testfeld aufgenommen. Gleiches gilt für die Haenel SLB 2 000 + – ebenfalls ein technischer Ableger der Heckler & Koch. Optisch gefiel dem Jagdpraxis-Testteam unter diesen drei Modellen die Merkel am besten.

Mit der 2000 verabschiedete sich Heckler & Koch vom Rückstoßlader-Rollenverschluss und wechselte zum Gasdrucksystem mit Drehwarzenverschluss. Die in drei Zweierreihen angeordneten sechs Verschlusswarzen verriegeln auch hier direkt im Lauf.

Der Vorderschaft ist am Gasentnahmesystem befestigt und lässt sich per Knopfdruck einfach abnehmen. Der 50 cm lange frei schwingende Lauf hat keinen Kontakt zum Vorderschaft und kann sich sogar im Gasentnahmesystem frei ausdehnen.

Die SR 1 lässt sich sogar relativ schnell noch weiter zerlegen. Nach Abnahme des Vorderschaftes reicht es, einen Bolzen im Gasabnahmesystem herauszutreiben, dann zerfällt die Büchse in zwei fast gleich lange Teile und lässt sich einfach verstauen – Lauf mit Gassystem und Verschluss sowie Hinterschaft mit Systemkasten.

Bei unserer Testwaffe ging das allerdings nicht, denn dabei handelte es sich um die besonders preis­günstige Ausführung Basic mit einteiligem Systemkasten und angeschraubtem Vorderschaft, die sich nicht zerlegen lässt. Um den Vorderschaft zu entfernen, muss man zwei Schrauben lösen.

Merkel SR1 Gassystem
An der Stange unter dem Gasdruckgestänge wird der Vorderschaft befestigt, der so keinen Laufkontakt hat.

 

Der kantenlose Systemkasten mit Bohrungen zur ZF-Montage ist matt-schwarz eloxiert. Auch wenn Merkel die komplette Technik von der HK übernahm, trifft das leider nicht für die Sicherung zu – deren gefällige Schiebesicherung auf dem Kolbenhals musste einer Druckknopfsicherung im Abzugsbügel nach US-Vorbild weichen, die nur den Abzug sperrt, wogegen die HK-Sicherung Abzug und Schlagstück festlegte.

Der Magazinauslöser für das zweischüssige Einsteckmagazin ist im Abzugsbügel integriert und leicht erreichbar. Wie bei Browning findet sich auch bei der Merkel eine kurze Drückjagdschiene mit rotem Kunststoff-Leuchtkorn.

Der Schaft aus geöltem Nussbaumholz hat einen geraden Schaftrücken mit steil stehendem Pistolengriff. Der Vorderschaft ist im vorderen Teil abgesetzt und wird nach oben schmaler. Pistolengriff und Vorderschaft sind mit Fischhaut verschnitten – wobei dieser Begriff nicht ganz zutrifft, denn es handelt sich um eine gelaserte Fischhaut, sauber ausgeführt, aber nicht wirklich scharf.

Senkung und Schränkung des Hinterschaftes lassen sich ab der Standardversion durch Zwischenstücke verstellen. Bei der Basic wurde auch das eingespart. Merkel richtet die SR 1 Basic für die Kaliber .308 Win., .30 - 06 und 8 x 57 IS ein. Mit dem 50-cm-Lauf ist die Büchse 107 cm lang und wiegt 3 235g. Der Preis für diese einfache Version beträgt 1.199 €

Winchester SXR Vulcan
Auch Winchester hat eine uralte Tradition, was Selbstladebüchsen für den Zivilmarkt angeht. Ein erster Halbautomat für Zentralfeuerpatronen wurde bereits 1905 entwickelt. Im Gegensatz zu Remington legte man aber eine kleine Pause ein (33 Jahre), ehe man 2006 mit der Vulcan wieder ein neues Modell auf den Markt brachte. Die Produktion des letzten Selbstlademodells 100 wurde 1983 eingestellt.

Winchester Vulcan
Winchester baut seit 1905 Selbstladebüchsen. Die Vulcan kam 2006 auf den Markt.

 

Konstruiert und gefertigt wird die SXR Vulcan bei FN Browning. Ihr Design ist sehr modern und fast schon futuristisch zu nennen – ein roter Zierstreifen in der klassischen Winchester-Farbe zieht sich über den schwarz eloxierten Systemkasten aus Leichtmetall, am Vorderschaft prangt ein dickes, schwarzes W für Winchester.

Die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft ist eine Mischung aus Schuppen- und Flechtmuster, moderne Maschinen lassen eine Menge Gestaltungs­möglichkeiten zu … Die ganze Waffe mit ihren ausgesprochen fließenden Formen sieht schnittig aus.

Herzstück ist ein Gasdruckladesystem mit 90-Grad-Drehwarzenverschluss und sieben Warzen im Kammerkopf. Die Verriegelung erfolgt direkt im Lauf. In den zurückversetzten Stoßboden sind Auszieher und Ausstoßerbolzen eingesetzt. Die etwa in Laufmitte abgezapften Pulvergase wirken auf ein Piston, das die beiden Übertragungsschienen und damit den mit den Schienen verbundenen Verschluss zurückdrückt.

Vorgedrückt wird er durch eine Tellerfeder, geführt auf einer Federstange. Das Gasdruckventil ist justierbar und lässt sich so der Patrone exakt anpassen. Auch die Vulcan hat die typische US-Druckknopfsicherung im Abzugsbügel und sperrt lediglich den Abzug. Praxisgerecht lässt sich diese Sicherung allerdings für Linkshänder einfach umbauen.

Der Magazinkasten verfügt oben über die üblichen vier Bohrungen zum Anbringen von Zielfernrohrmontagesockeln. Der Magazinlösehebel sitzt auf der Vorderseite des Abzugsbügels – eine etwas exponierte Stelle, die bei aufgelegtem Schießen Probleme bereiten kann.

Winchester Vulcan
Der Magazinknopf sitzt an sehr exponierter Stelle vor dem Abzugsbügel.

 

Das Magazin fällt frei aus dem Schacht, wenn der Hebel gedrückt wird. Nach deutscher Gesetzeslage fasst das Stahlblech-Einsteckmagazin zwei Patronen. Ein Verschlussauslöser fehlt völlig – um den offenen Verschluss vorschnellen zu lassen, muss man den Verschlusshebel ein Stück zurückziehen. Eine rote Markierung hinterm Spannhebel zeigt an, ob der Verschluss korrekt verriegelt ist.

Der Schaftkolben weist einen geraden Rücken auf. Hinter der Kolbenkappe findet sich eine tiefe Bohrung für einen optional erhältlichen Rückschlagdämpfer. Mit 36 cm Hinterschaftlänge entspricht der Kolben der Vulcan dem üblichen Standardmaß.

Gut gelöst ist die Befestigung des Vorderschaftes. Er ist von vorn an die Aufhängung des Gasdrucksystems geschraubt und hat keine Anlagestellen mit dem Lauf. Die Befestigungsschraube dient gleichzeitig als vordere Riemenbügelöse. Der Riemenbügel für den Hinterschaft wird mitgeliefert und muss selbst montiert werden, wenn man dies wünscht. Die aus amerikanischem Nussbaum gefertigten Holzteile sind matt lackiert.

Die Vulcan ist in den Kalibern .270 Win., .308 Win., .30-06 und .300 Win. Mag. erhältlich. Die Lauflänge beträgt bei allen Kalibern 53 cm. Daraus ergibt sich eine Gesamtlänge von 107 cm bei 3.060 g Gewicht, was die Vulcan zu einer kompakten und leichten Büchse macht. Das Kaliber .300 Win. Mag. ist dafür sicher nicht zu empfehlen.

Mit 1.029 € ist die Winchester SXR Vulvan die günstigste Büchse unserer Testwaffen.

Benelli Argo
Der italienische Waffenhersteller Benelli gehört zum Beretta Konzern und ist Spezialist für halbauto­matische Jagdwaffen. Die Argo ist seit 2002 in verschiedenen Varianten auf dem Markt und gehört zu den meistverkauften Selbstladebüchsen weltweit.

Benelli Argo
Benelli ist in der Beretta-Familie der Spezialist für Selbstladewaffen.

 

ARGO steht für Auto Regulating Gas Operated, das System wurde für die bei den US-Marines eingesetzte Selbstladeflinte Benelli M4 entwickelt und zeichnet sich durch eine geringe Anzahl von Funktionsteilen aus.

Die Argo hat einen zweiteiligen Systemkasten, in das Oberteil aus Stahl sind Lauf und Verschluss gesetzt, das Aluminium-Unterteil nimmt Abzugsmechanik und Magazinschacht auf. Der Systemkasten hat Bohrungen für Zielfernrohrmontagen.

Auch Benelli setzt auf Gasdruckladetechnik und Drehwarzenverschluss, kommt dazu aber mit drei Verschlusswarzen aus, die direkt im Lauf verriegeln. Ausstoßer und Auszieher sind im Verschluss inte­griert. Im Gegensatz zu den anderen Modellen entnimmt die Benelli das Gas nahe am Patronenlager – damit sind die Gase sehr heiß und der Druck sehr hoch.

Es wird auch kein Schubgestänge benutzt, um den Verschlussträger zu bewegen. Die Pulvergase wirken direkt auf ein Piston aus Edelstahl, das mit einem Zwischenstück mit dem Verschluss verbunden ist. Der Verschluss wird per Steuerkurve zwangsgesteuert.

Die Schließfeder, die den Verschluss wieder nach vorn treibt, ist im Hinterschaft untergebracht. Bei der Benelli ist unterm Vorderschaft nur sehr wenig Mechanik zu sehen. Der vordere Riemen­bügel ist in die Stirnseite des Vorderschaftes geschraubt und dient gleichzeitig als Halteschraube für den Vorderschaft – ein paar Drehungen und er  lässt sich nach vorn abziehen.

Die Bedienelemente finden sich auf engstem Raum vorn am Abzugsbügel:
■ Die Druckknopfsicherung sitzt vorn im Abzugs­bügel,
■ der Magazinauslöser (als große Druckplatte) an der Frontseite und
■ der Verschlussauslöser rechts am Abzugsbügel.

Auch die Benelli-Sicherung blockiert lediglich den Abzug. Das Einsteckmagazin nimmt gesetzeskonform nur zwei Patronen auf. Es muss zunächst vorn eingehängt und dann mit einer Drehbewegung in den Magazinschacht geschwenkt werden – einfach gerade einstecken funktioniert nicht.

Systemkasten, Magazinboden und Abzugsbügel gehen harmonisch gerundet ineinander über und verleihen der Benelli ein sehr modernes, elegantes Design – unterstrichen noch durch die Visierschiene aus dem Hightechmaterial Carbon.

Benelli Argo Wechselschaftkappen
Die Schaftkappe lässt  sich leicht wechseln. Benelli bietet dazu Kappen in drei verschiedenen Stärken an.

 

Das Korn besteht aus rotem Fiberglas, der Nussbaumschaft hat einen etwas erhöhten Rücken in Monte-Carlo-Form. Die geschwungene Schaftkappe ist leicht austauschbar, Benelli bietet sie in 12, 18, oder 25 mm Stärke an. Der Vorderschaft mit Griffmulden sorgt für sehr sicheren Halt der Führhand.

Schränkung und Senkung sind durch austausch­bare Zwischenstücke verstellbar. Mit 51-cm-Lauf für Standardkaliber ist die Benelli 107 cm lang und wiegt 3.330 g, eingerichtet wird der italienische Halbautomat für die Kaliber .308 Win., .30 - 06, .300 Win. Mag. und 9,3 x 62.

Benelli-Importeur Manfred Alberts schickte die Luxusversion mit Gravur auf dem Systemkasten und ansprechend gemasertem Schaftholz ins Rennen. Dieser Luxus spiegelt sich auch im Preis wider – die Jagdpraxis-Testwaffe kostet 2.455 €, während die Standard bereits für 1.639 € zu haben ist.

Sauer 303
Die sechste Testwaffe ist das jüngste Modell am Markt – 2006 kam der traditionsreiche deutsche Waffenbauer Sauer & Sohn mit einer halbautomatischen Jagdbüchse auf den Markt.

Sauer 303
Die Sauer 303 wirkt "ziviler" als die anderen Büchsen.

Beim Design orientierte sich Sauer am Repetierer 202, optisch fiel die 303 dadurch sehr jagdlich und zivil aus. Verschlusstechnisch versuchte man nicht, etwas völlig Neues zu entwickeln, sondern benutzt einen zwangsgesteuerten Drehkopf, der über vier Warzen direkt im Lauf verriegelt.

Auch sonst findet sich unter dem geräumigen Vorderschaft konventionelle Technik. Die benötigte Gasmenge für die Selbstladefunktion wird in der  Laufmitte abgezapft, die Verschlussbewegung erfolgt über zwei Schubstangen.

Innovativ ist aber, dass die Mechanik nicht direkt am Lauf befestigt wird, sondern mit dem aus einem massiven Alublock gefrästen Systemkasten verbunden ist und der vordere Laufteil völlig frei schwingen kann. Sauer beschichtet die Stahlteile mit einer Plasmanitrierung (Nitro-Bond). Plasmanitrierungen sind nicht nur ein guter Korrosionsschutz, sondern auch sehr kratzfest.

Die standardmäßig montierte offene Visierung aus gelb hinterlegter Dreieckskimme mit rotem Leuchtkorn lässt sich in Höhe und Seite verstellen. Die leicht abnehmbare Kimme lässt sich gegen eine optional erhältliche Drückjagdschiene tauschen.

Mit der S 303 stellte Sauer auch eine neue Zielfernrohrmontage vor, die ohne separat zu montierende Unterteile auskommt. Das Systemgehäuse hat werks­mäßig vorn oben drei und hinten zwei eingefräste Quernuten. Dort greift die isi-mount-Montage (individual, selectiv, integrated) ein und verriegelt über zwei Klemmhebel – vom Prinzip eine modi­fizierte Weaver-Montage.

Praktisch ist, dass man das Zielfernrohr einfach eine Nut vor oder zurück montieren kann, um den Augenabstand seiner Kleidung anzupassen. Das Schloss der S 303 wird über einen auf dem Kolbenhals liegenden Schieber gespannt.

Sauer 303 Handspannung
Der rote Punkt der Handspannung, der den feuerbereiten Zustand des Schlosses anzeigt, ist kaum übersehbar.

 

Dieser wird erst direkt vor dem Schuss bedient und lässt sich durch Drücken des Sperrknopfes auf der Oberseite wieder in seine Ausgangsposition bringen. Einmal gespannt, spannt das Schloss automatisch bei jedem Schuss, bis man den Schieber manuell wieder zurücknimmt.

Das Einsteckmagazin aus Stahlblech fasst die obligatorischen zwei Patronen und steht unter Federspannung. Wird der versenkt davor liegende Magazinauslöser betätigt, gleitet es aus dem Schacht. Um den nach dem letzten Schuss offen stehenden Verschluss wieder zu schließen, muss nur der Verschlussauslöser an der rechten Systemkastenseite betätigt werden.

Sauer fertigt die S 303 in verschiedenen Varianten, die sich durch Schäftung, Ausstattung, Lauflänge und Visierung unterscheiden – unsere Testwaffe war eine Synchro XT mit Kunststoffschaft und 51-cm-Lauf in .30 - 06. Besonderheit dieses Modells ist sein höhenverstellbarer Schaftrücken.

Der Kunststoffschaft hat weiche griffige Gummi­einlagen an Vorderschaft, Schaftrücken und Pistolengriff. Der Schaftrücken ist gerade gehalten, wenn sich der verstellbare Rücken in Grundstellung befindet, und der Vorderschaft ist mit einer etwas verbreiterten Grundfläche ausgestattet.

Angeboten werden die Kaliber 7 x 64, .308 Win., .30 - 06, 8 x 57 IS, .300 Win. Mag. und 9,3 x 62. Die S 303 kommt auf eine Gesamtlänge von 108 cm und wiegt 3,5 kg.

Mit 2.945 € führt sie das Testfeld preislich an, die einfache Classic XT ist mit 2.236 € deutlich günstiger.

Bewertung von Abzug, Magazin und offener Visierung
Zur Bewertung haben wir nicht nur reine Mess-Ergebnisse berücksichtigt, unser Testteam aus Berufsjägern und Nachsuchenführern überprüfte die sechs Kandidaten ausgiebig im Schießkino und gab anschließend seine Beurteilung dazu ab.

Um gleiche Voraussetzungen zu haben, wenn nicht über Kimme und Korn geschossen wurde, haben wir alle sechs Waffen mit Rotpunktvisieren (Zeiss Compact Point, Burris FastFire II) ausgestattet. Zunächst der gemessene Abzugswiderstand, der angegebene Wert ist das Mittel aus je fünf Messungen mit einer digitalen Abzugswaage.

Abzugswiderstand der Testwaffen

Mit diesen Werten räumen unsere Testwaffen mit dem alten Vorurteil auf, Selbstladebüchsen bräuchten 3-kg-Abzüge, sonst schössen sie Dauerfeuer – wirklich schlecht oder jagdlich unbrauchbar war kein Abzug, obwohl sich spür- und messbare Unterschiede feststellen lassen.

Das reine Abzugsgewicht sagt nicht immer alles, die Charakteristik spielt auch eine große Rolle. Die Sauer S 303 hat klar den besten Abzug, doch auch die Browning BAR II gefiel den Testern ausgezeichnet, und die Benelli wurde auf dem Schießstand durchweg leichter eingeschätzt, als es die Abzugswaage später zeigte.

Nach den Jagdpraxis-Bewertungskriterien bekommt die Sauer S 303 die vollen 10 Punkte. Browning und Winchester sind mit 9 Punkten nicht viel schlechter, was bei der Vulcan (billigste Waffe) zeigt, dass auch günstige Büchsen durchaus gute Abzüge haben können.

7 Punkte bleiben für die Merkel, Benelli und Remington müssen sich mit 5 Punkten begnügen.

Alle Testwaffen haben herausnehmbare Magazine für zwei Patronen. Bei Sauer und Remington liegen die Patronen übereinander, bei den anderen Modellen im Zickzack. Das bringt bei zwei Patronen zwar nicht viel, aber die Waffen sind ja eigentlich für eine höhere Kapazität konzipiert, aber nach dem Jagd­gesetz auf zwei Patronen im Magazin beschränkt.

Bei fünf Patronen lässt sich durch Zickzacklagerung die Bauhöhe deutlich reduzieren. Schulterstopp ist bei allen Modellen vorhanden. Am besten gefielen den Testern die Magazine von Sauer und Browning. Sie ließen sich leicht laden und leicht wechseln.

Nach dem Druck auf den Magazinauslöser fallen sie in die Hand und lassen sich einfach in den Magazinschacht stecken. Diese beiden Waffen bekommen die vollen 10 Punkte.

Die Magazine von Merkel und Winchester bekommen einen Punkt weniger, der Wechsel geht damit nicht ganz so flüssig. Das Magazin der Benelli ARGO ist an sich gut gemacht und lässt sich einfach befüllen. Nicht optimal ist, dass man es zunächst vorn einhängen muss, um es dann mit einer Drehbewegung in den Schacht zu befördern – einfach reinstecken ist bequemer und gerade bei Stress schneller. Dafür vergaben die Tester 8 Punkte.

Die Remington fand wenig Beifall, um ihr Magazin zu entfernen, muss der Verschluss etwas zurückgezo­gen werden, sonst lässt es sich nicht aus dem Schacht ziehen. Das ist umständlich, der Wechsel dauert deutlich länger – dafür gabs nur noch 4 Punkte.

Alle Waffen wurden im Schießkino auch über Kimme und Korn geschossen. Vier Modelle (Benelli, Browning, Winchester, Merkel) haben keine herkömmliche Kimme, sondern eine ansteigende Drück­jagdschiene.

Alle Schienen haben eine Kontrast­linie und sind mit einem passenden roten Kunststoffkorn ausgestattet – ideale Visiere für den schnellen Schuss auf Drückjagdentfernung. Im Schießkino ließ sich mit diesen vier Waffen ausgezeichnet schießen und sie erhalten die vollen 10 Punkte für ihr Visier.

Ebenfalls 10 Punkte erhält die Sauer S 303, deren schräg gestellte Kimme mit gelbem Dreieck und rotem Leuchtkorn den Drückjagdschienen in Schnelligkeit und Kontrast nicht nachsteht.

Das Visier der Remington 750 ist dagegen für schnelle Schüsse wenig brauchbar – die Kimme ist zu eng, sitzt zu weit hinten und hat keinen Kontrast. Das war den Testern nur 4 Punkte wert.

Selbstlader Anschlag
Jedes Mitglied des Testteams schoss die Waffen ausgiebig und beurteilte die verschiedenen Kriterien.

 

Sicherung und Handspannung
Sauer S 303 und Browning BAR II HC verfügen über eine Handspannung, die bei beiden Modellen einwandfrei funktionierte und ein leichtes Spannen und Entspannen des Schlosses erlaubt. Diese vorbildliche Ausstattung wird mit 10 Punkten belohnt.

Funktionssicherheit und Handhabung werden zusammen bewertet und finden sich in der Tabelle gemeinsam, maximal können 20 Punkte erreicht werden.
Die sechs Testwaffen wurden im Schießkino Klett (Borken) vom Jagdpraxis-Testteam ausgiebig geschossen. Kaliber aller Waffen war .30-06.

Verwendet wurden Patronen von Remington mit Core-Lokt-Geschoss. Aus jeder Büchse wurden 50 Schuss verfeuert und jede Störung dokumentiert. Viel gabs dabei nicht zu notieren, die Waffen erwiesen sich als sehr funktionssicher. Insgesamt gab es nur vier Störungen:

Die Remington erlaubte sich zwei, beide Male war der Verschluss nach dem ersten Schuss nicht verriegelt. Winchester und Browning hatten je eine Störung. Bei der BAR hatte sich der Verschlussblock über den Rand der zuzuführenden Patrone geschoben und diese verkeilt, bei der Winchester verklemmte sich der Verschluss in halb offener Stellung.

Merkel, Benelli und Sauer schossen störungsfrei. Das ist ein sehr gutes Ergebnis und zeigt, dass Selbstladebüchsen heute sehr zuverlässig sind. Merkel, Sauer und Benelli bekommen die volle Punktzahl, Browning und Winchester einen und Remington zwei Punkte Abzug.

Die Funktionssicherheit wird mit 10 Punkten bewertet, weitere 10 Punkte dieses Abschnittes gehen an die Handhabungssicherheit. Dabei kommt es darauf an, ob Durchladehebel, Magazinknopf und Verschluss­auslöser gut bedienbar sind und der Abzugsbügel groß genug ausfällt.

Drückjagden finden in der kalten Jahreszeit statt und da werden oft Handschuhe getragen. Unsere Tester schossen daher auch einige Durchgänge mit Handschuhen, um zu sehen, ob sich die Büchsen auch damit gut handhaben lassen.

BAR Schuss Handschuhe
Hier wird probiert, wie sich die Büchse mit Handschuhen bedienen lässt.

 

Die beiden US-Modelle waren in puncto Hand­habung den europäischen Büchsen deutlich unterlegen. Die Winchester hat gar keinen Verschlussauslöser, und bei der Remington ist dieser nur sehr schlecht bedienbar – mit Handschuhen fast unmöglich. Auch fällt der Abzugsbügel bei der Remington recht klein aus. Winchester und Remington bekamen für die Handhabung jeweils 7 Punkte.

Browning und Merkel haben gut platzierte Bedienhebel, die auch groß genug sind und sich leicht bedienen lassen. Da gab es nichts zu bemängeln und die volle Punktzahl.
Bei der Benelli liegen die Bedienhebel sehr dicht zusammen – zu dicht, wie unser Testteam fand, besonders mit Handschuhen – dafür gab es 8 Punkte.

9 Punkte kassierte die Sauer S 303, ihre Bedien­hebel sind gut platziert und lassen sich auch gut bedienen – nur der kleine, versenkt angebrachte Magazinknopf fand beim Testteam keine uneingeschränkte Zustimmung. Mit Handschuhen ist es ziemlich fummelig, ihn zu drücken. Dafür wurde ein Punkt abgezogen.

Funktions- und Handhabungssicherheit
Bei den anderen Testwaffen sieht es einheitlich schlecht aus – nur Druckknopfsicherungen vorn oder hinten im Abzugsbügel, die lediglich den Abzug sperren. Alle Sicherungen sind gut erreichbar und lassen sich auch leicht bedienen, daran gibt es nichts auszusetzen.

Nach Jagdpraxis-Bewertungskriterien sind aber für einfache Abzugssicherungen nicht mehr als 5 Punkte möglich – Winchester, Remington, Merkel und Benelli müssen sich bei diesem Bewertungsabschnitt damit begnügen.

Schäftung und Balance
Die Beurteilung von Büchsenschäften für schnelle Schüsse auf sich bewegendes Wild ist sicher nicht ganz objektiv möglich, denn dabei spielen auch Statur und Anschlagsgewohnheit des Schützen eine große Rolle.

Daher löste dieser Punkt wie schon bei früheren Jagdpraxis-Tests wieder längere Diskussionen aus, eine wirklich einheitliche Meinung kam bei einigen Schäften nicht zustande.

Einigkeit herrschte unter unseren Testern nach dem Schießkino zum Remington-Schaft – ihr Hinterschaft ist viel zu kurz für vernünftige Anschläge, wenn man nicht gerade sehr klein ist, vielleicht eine Empfehlung für Frauen.

Der Vorderschaft ist in Ordnung, das Gewicht der Waffe verteilt sich gut zwischen den Händen. Die Remington bekam 5 von 10 Punkten für die Schäftung. Am oberen Ende der Bewertungsskala war man sich auch schnell einig – die besten Schäfte haben Sauer S 303 und Browning BAR II, welcher bevorzugt wird, ist Geschmacksache, beide Waffen bekommen volle 10 Punkte.

Über das Mittelfeld gabs rege Diskussionen – die Winchester ist sehr leicht und so nicht einfach zu schießen. Sie schwingt nicht so gut wie schwerere Büchsen und ihr Schaftrücken könnte etwas höher ausfallen. Mit den flach montierten Rotpunkt­visieren gings gerade noch, als später ein Zielfernrohr zum Einsatz kam, fiel das deutlich auf.

Auch ihre Fischhaut ist nicht ganz so griffig, die Winchester bekam 7 von 10 Punkten. Auf einen Punkt mehr einigte sich das Testteam bei der Merkel, ihr Schaft ist etwas klobig, lässt sich aber gut und sicher halten. Auch der Schaftrücken ist hoch genug.

Der Benelli-Schaft fand großen Anklang. Er ist sehr ergonomisch ausgeführt, damit lässt sich gut und flüssig schießen. Er ist fast so gut wie die Schäfte von Sauer und Browning und bekam 9 Punkte.

Die anfängliche Befürchtung, manche Gummischaftkappe könnte den Anschlag behindern, bewahrheitete sich nicht. Hier gab es überhaupt keine Probleme und damit auch keine Punktabzüge.

Präzisionstest
Zur Ermittlung der Präzision wurden alle Testwaffen mit einem variablen Zielfernrohr Steiner 2 - 10 x 50 ausgestattet. Es wurde einheitlich mit 10facher Vergrößerung auf 100 m aus dem Schießgestell geschossen.

Nach Jagdpraxis-Testkriterien wurden mit jeder Büchse drei Schussbilder mit je fünf Schuss mit drei unterschiedlichen Patronen geschossen. Gewertet wird nur das beste Schussbild, gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schuss­löcher.

Volle 10 Punkte gibt es, wenn der vierfache Kaliberwert nicht überschritten wird. Dabei wird das tatsächliche Kaliber auf volle Millimeter aufgerundet. Beim Kaliber .30 - 06 (7,62 mm) ergäben also 4 x 8 = 32 mm die volle Punktzahl. Je 2 mm mehr wird ein Punkt abgezogen.

Die Ergebnisse des Präzisionstests und die Munition, mit der die Waffe das beste Schussbild schoss, sind der Tabelle links unten zu entnehmen. Bei der Präzision haben moderne Selbstladebüchsen gegenüber Repetierern in der Praxis kaum noch Nachteile, auf Schussentfernungen bis 200 m können sie auch zum Ansitz sehr gut eingesetzt werden.

Vergleichstest Selbstladebüchsen Präzision

 

Bis auf die Remington, die ganz knapp die volle Punktzahl verfehlt, bekommen alle volle 10 Punkte. Bleifreie Büchsengeschosse sind derzeit ein großes Thema, da viele Landes- und Staatsforstverwaltungen schon heute die Verwendung bleifreier Munition vorschreiben.

Jagdpraxis nahm das zum Anlass, aus den sechs Halbautomaten einige Packungen RWS Evolution Green zu verschießen, um zu sehen, ob die Selbstlader auch mit leichten Geschossen (das zinkbefüllte Evo Green wiegt nur 9 g) funktionieren. Störungsfrei schossen nur die Sauer S 303 und die Benelli, bei den anderen Waffen kam es zu Zuführungsstörungen.

Die Gassysteme von Browning und Winchester lassen sich aber einstellen – damit sie auch mit leichten Geschossen repetieren, muss man die Gasdüse weiter öffnen.
Wichtig ist aber, vor der Umstellung auf leichte, blei­freie Geschosse bei Selbstladebüchsen nicht nur die Treffpunktlage im Einzelschuss auf dem Schießstand zu überprüfen, sondern auch die sichere Funktion.

Vorbereitung für Zielfernrohrmontage
Sauers S 303 hat ab Werk die angefräste Schiene zur Isi-Mount-Montage, alle anderen Büchsen verfügen über Gewindebohrungen für Montageunter­teile. Eine Zielfernrohrmontage gehört bei keinem Modell zum Lieferumfang. Die Sauer bekommt 5 Punkte, alle anderen 3 Punkte.

Korrosionsschutz
Bei üblicher Pflege hat keine der Testwaffen besondere Probleme mit Rost. Die Beschichtung von Sauer mag besonders widerstandsfähig sein, doch auch der Korrosionsschutz der anderen Hersteller erfüllt voll seinen Zweck, sodass es bei diesem Bewertungspunkt keine Abzüge für ein Modell gab.

Verarbeitung und Preis-Leistungs-Verhältnis
Bei diesem Kriterium haben wir bewertet, was die Testwaffen für den vom Hersteller geforderten Preis bieten. Um die verschiedenen Modellvarianten einheitlich zu bewerten, beziehen sich die Preise auf die jeweils günstigste Version mit Holzschaft:

Selbstladebüchsen Preis Holzschaft

 

Die Preise der Testwaffen sind stark unterschiedlich, das teuerste Modell ist mehr als doppelt so teuer wie die günstigste Waffe. Die Remington ist handlich, ausreichend präzise und ordentlich verarbeitet – wenn der kurze Schaft passt und die zu feine Visierung nicht stört, eine durchaus brauchbare Drückjagdwaffe, die mit 1.299 € nicht zu teuer ist. Dafür vergeben wir 7 von 10 Punkten.

Die Winchester hat den besseren Schaft, ein wirklich gutes Drückjagdvisier und ist mehr als 250 € billiger. Dafür gabs 9 von 10 Punkten. Die volle Punktzahl bekam Merkels SR 1 Basic – für 1 199 € eine gut verarbeitete, sehr funktionssichere Selbstladebüchse mit erstklassigem Visier.

Brownings BAR II Wood HC gefiel den meisten Testern sehr gut, aber die tolle Handspannung ist auch nur diesem hochpreisigen Modell vorbehalten. Eine günstige Variante mit diesem Sicherheits-Feature gibts noch nicht – dafür gabs 7 Punkte.

Benellis ARGO liegt mit knapp 1.700 € zwar deutlich über den beiden US-Büchsen und der Merkel, ist aber eine schnittige Waffe mit guter Ausstattung und gutem Visier, deren Schaft sich zudem noch einstellen lässt – bei einer Drückjagdwaffe sicher ein Vorteil. Das war dem Testteam 8 Punkte wert.

Sauers S 303 kostet mit normalem Holzschaft über 2.600 € – einheitliches Urteil: zu teuer.

Die Browning hat ebenfalls eine Handspannung und steht in der Ausstattung der 303 nicht nach. Deren Vorteil liegt hauptsächlich im tollen Abzug, der die Sauer vor einem noch größeren Punkt­abzug rettete – mehr als 6 Punkte waren aber nicht drin.

Remington Test
Die Remington liegt im Schuss durch ihr Gewicht sehr ruhig.

 

Endabrechnung
Und so haben sich die sechs halbautomatischen Testwaffen in der Endabrechnung geschlagen:
Die Sauer S 303 ist knapper Sieger nach Punkten, für 85 erzielte Punkte bekommt sie ein Sehr gut (drei Lupen). Auf dem Fuße folgen Browning BAR II HC (83) und Merkel SR 1 Basic (82 Punkte) – und damit ebenfalls in der Kategorie sehr gut (drei Lupen).

Klarer Preis-Leistungs-Sieger ist die Merkel, die weniger als die Hälfte von Browning und Sauer kostet. Wer auf Handspannung, einfaches Zerlegen und ele­gantes Design verzichten kann, sollte hier zugreifen.

Die Winchester Vulcan verfehlt mit 78 Punkten zwar knapp ein Sehr gut, doch für die günstigste Waffe ist gut (zwei Lupen) ein beachtliches Ergebnis. Knapp dahinter mit gleicher Wertung liegt Benellis ARGO, die optisch in einer ganz anderen Klasse spielt, aber auch deutlich mehr kostet – auch sie bekommt die Bewertung gut (zwei Lupen).

Abgeschlagen am Ende die Remington mit nur 57 Punkten und damit nicht empfehlenswert – für eine moderne Drückjagdwaffe fehlt es an Ausstattung, das Handling konnte das Testteam nicht überzeugen und der viel zu kurze Schaft ist für normal gebaute Schützen ein Handicap.

Fazit
Dieser Jagdpraxis-Test konnte zeigen, dass es heute ein hochinteressantes Angebot halbauto­matischer Jagdbüchsen gibt, die sicher funktionieren und dabei auch überraschend präzise sind.

Auch preisgünstige Waffen sind in dieser Hinsicht problemlos. Wird allerdings eine Handspannung gewünscht, klettert der Preis auf über 2.000 €. Hier ist noch Entwicklungspotenzial vorhanden.

Testkriterien für Jagdliche Selbstladebüchsen - So haben wir gewertet
Die Waffen durchlaufen ein festgeschriebenes Testprogramm. Maximal sind 100 Punkte erreichbar, die sich aus folgenden Einzelprüfungen addieren:

Präzision (max. 10 Punkte) Aus einem Schießgestell werden Fünf-Schuss-Gruppen mit mehreren Laborierungen Jagdmunition auf 100 Meter geschossen. Gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schusslöcher. Die volle Punktzahl von 10 Punkten gibt es, wenn der vierfache Kaliberwert nicht überschritten wird. Hierbei wird das tatsächliche Kaliber auf volle Millimeter aufgerundet. Bei einer .308 Winchester (7,62 mm) wären das 4x8 mm= 32 mm für die volle Punktzahl. Je 2 mm mehr wird ein Punkt abgezogen.

Abzug (max. 10 Punkte) Hier werden die Abzugscharakteristik und das Abzugsgewicht im ungestochenen Zustand bei Stecherabzügen bewertet. Bei einer Selbstladebüchse  sollte das Abzugsgewicht nicht über 1200 g liegen. Pro 200 g mehr wird ein Punkt abgezogen. Auch eine schlechte Abzugscharakteristik (Vorzug, Kratzen, Durchfallen) ergibt je nach Bedeutung Punktabzug.

Visierung (max. 10 Punkte) Erlauben Kimme und Korn eine schnelle Zielauffassung, und bieten sie ein kontrastreiches Visierbild? Wie robust ist die Visierung? Eine kontrastreiche verstellbare Visierung, die unempfindlich gegen Schläge und Stöße ist, erhält die vollen 10 Punkte. Jeweils einen Punkt Abschlag bringen mangelnder Kontrast, zu enge oder zu weite Kimme oder eine zu weit hinten angebrachte Kimme. (Leseentfernung) Eine Selbstladebüchse, die ohne offene Visierung geliefert wird, erhält keine Punkte in diesem Bewertungskriterium.

Magazin (max. 10 Punkte) Laden und Entladen ist bei Jagdwaffen wichtig und sicherheitsrelevant. Bei einer Selbstladebüchse, die vorwiegend bei der Drückjagd eingesetzt wird, kommt auch noch ein schneller Magazinwechsel hinzu. Wie schnell kann nachgeladen werden und wie komfortabel sind Laden und Entladen? Ist die Magazinkapazität ausreichend? Ist ein Schulterstopp vorhanden? Die volle Punktzahl erhält eine Waffe, die ein herausnehmbares Kastenmagazin mit Schulterstopp hat, das sich leicht und bequem wechseln lässt.

Schäftung u. Balance (max. 10 Punkte) Beurteilt werden neben der ergonomischen Form von Hinterschaft, Vorderschaft und Pistolengriff auch die Schaftkappe und die Fischhaut. Die Holzqualität dagegen spielt keine Rolle. Kunststoffschäfte haben damit keinen Nachteil. Ein Holzschaft sollte gut gegen Feuchtigkeit geschützt sein. Eine Waffe für den schnellen Schuss sollte auch gut ausballanciert sein.

Sicherung o. Handspannung (max. 10 Punkte) Eine moderne Jagdwaffe sollte über eine leicht zu bedienende und lautlos zu betätigende Handspannung verfügen. Dafür gibt es die volle Punktzahl. Fehlt die Handspannung, ist aber eine Schlagbolzensicherung vorhanden, gibt es 3 Punkte Abzug. Hat die Waffe lediglich eine Abzugssicherung, werden 5 Punkte abgezogen. Schlechte Ergonomie bei Handspannung oder Sicherung bringen zwei Punkte Abzug. Ebenso, wenn Handspannung oder Sicherung zu laute Geräusche verursachen.

Funktions- u. Handhabungssicherheit  (max. 20 Punkte) Die sichere Funktion und Handhabung ist für eine Jagdbüchse von ausschlaggebender Bedeutung und gerade bei Selbstladebüchsen sehr kritisch zu prüfen. 10 Punkte davon entfallen auf den Bereich der störungsfreien Schussfolge. Die Patronen müssen einwandfrei zugeführt und die leeren Hülsen korrekt ausgeworfen werden. Dazu werden aus jeder Waffe 50 Patronen verschossen. Für jede Zuführungs- oder Auswurfstörung wird ein Punkt abgezogen. Sollten sich bei einer Waffe ungewöhnlich viele Störungen einstellen, wird die Patronenmarke gewechselt. Darauf wird beim Testbericht dann aber gesondert hingewiesen.
10 Punkte werden für die Handhabung vergeben. Hier kommt es darauf an, ob Durchladehebel, Magazinknopf und Verschlussauslöser gut bedienbar sind und ob der Abzugsbügel groß genug ausfällt.

Verarbeitung u. Preis-Leistungs-Verhältnis (max. 10 Punkte) Diese Bewertung geht auf die Qualität der verwendeten Materialien, die Passung der Bauteile und das Finish ein. Die Beurteilung erfolgt in Relation zum Preis der Waffe.

Vorbereitung ZF-Montage (max. 5 Punkte) Hier kommt es darauf an, wie einfach sich die Büchse mit einer optischen Zielhilfe ausstatten lässt. Verfügt das System bereits über Montageunterteile, oder sind diese integriert? (Prismenschiene oder hauseigene Montagevorbereitung) Ist das nicht gegeben, gibt es Gewindebohrungen für Montageunterteile?
Wird evtl. eine Zielfernrohrmontage mitgeliefert?

Korrosionsschutz (max. 5 Punkte) Hier wird überprüft, wie anfällig die Metallteile gegen Rost sind. Der Test wird im Revieralltag vorgenommen. Alle Waffen werden mehrere Monate jagdlich eingesetzt und erhalten die normale Pflege. Nach einem Schuss wird der Lauf gereinigt, und die Metallteile werden vor dem Einstellen in den Waffenschrank äußerlich, soweit ohne Zerlegen möglich, von Feuchtigkeit befreit. Nach dem Testzeitraum wird die Büchse zerlegt und auf Korrosion untersucht.

Vergleichstest Selbstladebüchsen Gesamturteil