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Wolf überwindet Elektrozaun

Mi., 05.08.2020 - 12:23
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In Bottrop-Kirchhellen (NRW) wurden zwei Schafe getötet und drei weitere verletzt. Ob ein Wolf verantwortlich ist, wird geprüft. Fakt ist, dass der Angreifer einen 1,50 Meter hohen Elektrozaun überwunden hat.

In der Region am Nordrand des Ruhrgebietes hatte es immer wieder Nutztierrisse gegeben. Die von einzelnen Medien "Gloria" genannte Wölfin ist dort standorttreu und bereits in der Nähe menschlicher Siedlungen gesichtet worden.

Zaun behördlich geprüft
Daraufhin hatte Schäfer Georg Jansen seine Tiere mit einem über 1,50 Meter hohen Elektro-Weidezaun geschützt, der unter 7000 Volt Spannung steht. Erst im Februar war er von der Bezirksregierung Münster als tauglicher Herdenschutz abgenommen worden.

Nun wurde der Zaun überwunden und zwei Tiere getötet sowie drei weitere verletzt. Ob sie überleben werden, ist aufgrund der schweren Bissverletzungen unklar. Schäfer Jansen geht von einem Wolf als Angreifer aus.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) untersucht den Fall und verweist auch auf die Möglichkeit freilaufender Hunde.

Rheinische Landwirte besorgt
Unterdessen zeigt sich der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) angesichts zunehmender Nutztierrisse besorgt. „Es geht nicht darum, dass wir Landwirte pauschal etwas gegen den Wolf haben – doch es ist schwer zu ertragen, dass das Wohl eines einzelnen Tieres über das vieler Weidetiere gestellt wird. Der Wolf ist kein Kuscheltier“, betonte RLV-Präsident Bernhard Conzen.

Wiederholte Nutztierrisse
Seit im Oktober vorletzten Jahres am Niederrhein das erste Wolfsgebiet in NRW ausgewiesen wurde, kam es immer wieder zu Nutztierrissen durch die zugewanderte Wölfin, bei einigen Schafhaltern sogar wiederholt.

Unweit der deutsch-belgischen Landesgrenze wurde zudem jüngst ein Wolfsangriff auf Schafe von den belgischen Behörden bestätigt, im benachbarten Eifelkreis Bitburg-Prüm (Rheinland-Pfalz) wiesen die Ergebnisse einer DNA-Probe nun sogar den Riss von zwei Kälbern nach.

Da aus Niedersachsen auch schon Risse von Rindern und Pferde berichtet wurden, besteht die Sorge, dass auch die Wölfe im Rheinland immer wieder Elektro-Zäune überwinden oder in Pferde- oder Rinderherden eindringen und diese in Panik versetzen. "Wer möchte schon gerne einen Zusammenstoß mit einem Rind oder einem Pferd erleben?", fragt Conzen auch angesichts der hohen Verkehrsdichte in NRW.

Keinen Rüstungswettlauf
„Herdenschutz ist eine Sache, ein Rüstungswettlauf mit immer höheren Zäunen kann aber nicht die Lösung sein. Zumal wir damit auch die Landschaft für Rehe und andere Wildtiere durchschneiden“, erklärt Conzen.

Erfahrungen wie aus Niedersachsen zeigen vielmehr, dass Problemwölfe konsequent entnommen werden müssen. Hier sollten auch Lösungsansätze anderer Mitgliedstaaten mit in den Blick genommen werden.

Vorbild Frankreich
So könnte etwa wie in Frankreich eine jährliche Entnahmequote festgelegt werden. Perspektivisch gefragt ist zudem eine aktive Regulierung des Wolfsbestandes. "Mit der Weidetierhaltung steht viel auf dem Spiel", warnt der RLV-Präsident.

Kulturlandschaft steht auf dem Spiel
„Für den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft wie etwa der Eifel oder dem Bergischen Land mit all ihren positiven Effekten für Naturschutz, Naherholung und Tourismus ist sie unverzichtbar.“