Hochsitz-Check: Sicherheit zuerst!
Der März ist der Moment, in dem sich die Natur sortiert – und wir idealerweise gleich mit. Er ist der perfekte Monat, um Hochsitze zu bauen, zu kontrollieren und alles im Revier UVV-konform auf Vordermann zu bringen.
Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) macht in ihren Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz (VSG), vor allem in VSG 4.4 „Jagd“, klar: Jagdliche Einrichtungen wie Hochsitze sind „Arbeitsplätze in der Höhe“ und fallen voll unter die Unfallverhütungsvorschriften. Und genau deshalb ist der März – mit meist stabilem Wetter, guter Sicht auf die Struktur des Waldes und noch wenig Vegetation – ideal, um sicherheitsrelevante Arbeiten nicht nur „so nebenbei“, sondern konzentriert und planvoll zu erledigen.
Warum gerade jetzt der Hochsitzbau Sinn macht
Im März sind die Böden oft nicht mehr gefroren, aber auch noch nicht tief aufgeweicht wie im Aprilregen. Das ist perfekt, um Fundamente zu setzen, Holme zu stellen und Erdanker zu setzen, ohne dass alles sofort wieder einsackt. Die SVLFG fordert, dass Hochsitze standsicher sein müssen, bei ortsveränderlichen Sitzen ist das besonders wichtig.
Beim Holz lohnt jetzt der kritische Blick. Das Material für Neubauten kann frisch ausgewählt werden: Es sollte gesund, entrindet und kräftig sein. Angefaulte oder rissige Stücke werden konsequent aussortiert. Hölzer, die in den Boden kommen, werden gleich von Anfang an gegen Fäulnis geschützt – etwa durch Kesseldruckimprägnierung oder passende Konstruktionen, bei denen die Holme auf Stein- oder Betonplatten stehen und mit Erdankern gesichert werden. Der März bietet Ihnen den Luxus, diese Entscheidungen in Ruhe und bei Tageslicht zu treffen, statt in der Hochsaison im Halbdunkel „irgendwas irgendwie aufzustellen“.
Die Kanzelkonstruktion profitiert in dieser Jahreszeit ebenfalls: Man sieht genau, wo Wasser im Winter hingelaufen ist, welche Stellen am alten Sitz nass waren und wo man beim Neubau besser plant. Die SVLFG empfiehlt, Dach und Übergänge so zu konstruieren, dass Regenwasser nicht auf tragende Teile tropft und Bodenbretter im Außenbereich mit etwa einem Zentimeter Abstand zu verlegen, damit Feuchtigkeit abziehen kann. Im März ist dieses Feuchtebild noch frisch sichtbar – die beste Lernvorlage für neue, haltbare Konstruktionen.

Leitern und Sprossen: Nach dem Winter kritisch hinschauen
Die kalten Monate setzen Leitern und Sprossen besonders zu. Frost, Nässe und wechselnde Temperaturen fördern Rissbildung und Fäulnis – genau hier passieren später die Absturzunfälle. Die UVV ist eindeutig: Aufgenagelte oder angeschraubte Sprossen sind nur an geneigt stehenden Leitern zulässig, niemals an senkrechten, und sie müssen fest mit den Holmen verbunden und nach unten abgestützt sein.
Im März, wenn die Leitern trocken abtauen und noch nicht von Blättern oder hohem Gras verdeckt sind, erkennst du Risse, Fäulnisnester und lockere Sprossen deutlich besser. Die SVLFG empfiehlt für Leitern eine Neigung von etwa 65–75 Grad, eine Holmweite von ungefähr 40 Zentimetern und einen Sprossenabstand von etwa 28 Zentimetern. Wer jetzt feststellt, dass eine Leiter eigentlich eher eine Steigwand ist oder einzelne Sprossen bereits „weich treten“, hat im März die perfekte Gelegenheit, sie in Ruhe zu erneuern – statt später im Sommer schnell noch „irgendwie hochzukommen“.
Hochsitzkontrolle: März als jährlicher Pflichttermin
Die SVLFG verlangt, dass Hochsitze vor jeder Benutzung, mindestens aber einmal jährlich, geprüft werden. Viele Reviere machen deshalb aus dem März ganz bewusst den Hochsitz-Kontrollmonat. Die Jahreskontrolle beginnt sinnvollerweise mit einem Blick aus der Distanz: Steht der Hochsitz noch so, wie wir es uns vorstellen, oder zeigt er jetzt nach dem Winter eine deutliche Schieflage? Besonders bei weichen Standorten, am Waldrand oder in Senken können Frosthebungen und Staunässe für Veränderungen sorgen, die man im dichten Sommergrün kaum noch erkennen würde.
Anschließend geht es ans Holz. Die SVLFG weist darauf hin, dass auch „zerstörende“ Prüfmethoden – also der Einsatz von Messer, Schraubendreher oder Beil – sinnvoll sind, um Fäulnis zu entdecken. Im März ist das Holz meist noch nicht stark aufgeheizt und relativ trocken, weiche oder schwammige Stellen fallen besonders auf. Fußpunkte von Stützen, Verbindungen von Stützen zu Querhölzern, Geländer, Sprossen und der Kanzelboden werden systematisch geprüft. Wer jetzt durchweichtes Holz entdeckt, kann den Sitz rechtzeitig sperren, sanieren oder gleich abbauen, bevor die Hauptjagdzeit naht.

Auch alle Metallverbindungen – Schrauben, Nägel, Winkel, Erdanker – profitieren von einer Frühjahrsinspektion: Rost, lose Verbindungen oder verbogene Teile sind nach dem Wintereinfluss gut erkennbar. Ein Hochsitz, der bei der März-Kontrolle schon beim Anlehnen „mitarbeitet“, gehört dringend ins Sanierungsprogramm – nicht in den Ansitzplan.
Mit den ersten wärmeren Tagen steigt nicht nur unser Tatendrang, sondern auch die Neugier im Wald: Spaziergänger, Pilzsucher in den ersten Morchelgebieten, Kinder in den Ferien. Jagdliche Einrichtungen unterliegen der Verkehrssicherungspflicht – auch unbefugte Dritte dürfen übrigens nicht durch marode Sitze gefährdet werden. Das Frühjahr ist deshalb ein idealer Zeitpunkt, um Altlasten abzuarbeiten. Nicht mehr benötigte Einrichtungen müssen abgebaut werden. Alte Leitern mit halben Sprossen, vergammelte Kanzeln aus früheren Pachtzeiten oder halb eingestürzte Bodensitze sollten jetzt schnellstmöglich und konsequent eingesammelt und entsorgt werden. Besser jetzt beherzt mit Motorsäge zulangen, als lästige Arbeiten auf die lange Bank schieben.

SVLFG-Empfehlungen verankern
Die SVLFG stellt mit der „Broschüre B12 Sichere Hochsitzkonstruktion“ eine sehr konkrete Grundlage für den Bau und die Instandhaltung von Ansitzeinrichtungen zur Verfügung. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um diese Vorgaben dauerhaft ins Revierleben zu integrieren: etwa, indem man für alle gängigen Hochsitztypen Standardmaße und -konstruktionen übernimmt, eine feste „Hochsitzwoche“ im März etabliert und die jährliche Kontrolle schriftlich dokumentiert.
Ein Revier, das systematisch seine Sitze kontrolliert, saniert oder neu baut, startet nicht nur sicher, sondern auch entspannt in die neue Saison. Und ganz nebenbei ist es im aufklarenden Frühlingslicht einfach ein gutes Gefühl, auf einen Hochsitz zu steigen, von dem man weiß: Der ist nicht „irgendwie alt, aber noch ganz gut“, sondern nach den Vorgaben der SVLFG gebaut, geprüft – und bereit für viele sichere Stunden im Revier. RWJ
