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Vergleichstest: Mittelklasse-Flinten

Sa, 01.09.2018 - 06:38
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Bockflinten im Kaliber 12/70 – besser 12/76 – sind heute die meistgebrauchten Jagd- und Sportwaffen. Darunter gibt es eine riesige Auswahl mit sehr breitem Preisspektrum – vom Billigprügel für 250 € bis zur Edelflinte für fünfstellige Beträge ist alles zu haben. Für die Jagd und gelegentliche Schießstandbesuche ist wohl die Mittelklasse die beste Wahl, wer zwischen 1.300 und 2.200 € anlegt, bekommt technisch anspruchsvolle und optisch ansprechende Waffen – JAGDPRAXIS hat fünf davon getestet. Aus Jagdpraxis 2/2013.

JAGDPRAXIS hat aus dem riesigen Angebot fünf Modelle ausgewählt und auf Herz und Nieren geprüft. Die praktische Prüfung auf dem Jagdparcours führten wir gemeinsam mit zwei Schießlehrern durch, die praktisch täglich Flinten in der Hand haben und genau wissen, worauf es ankommt. Bei guter Pflege halten Bockflinten der Mittelklasse ein Jägerleben lang – zum Wurftaubenschießen werden sie fast ausschließlich eingesetzt und auch bei Niederwildjagden haben Gebockte die Querflinten schon stark verdrängt.

Meist die erste Anschaffung
Solche Doppelläufigen sind nicht nur die meistgebrauchten Jagdwaffen, sondern auch oft das erste Gewehr, das man als Jäger erwirbt. Häufig wird diese Waffe bereits im Jägerkurs gekauft, um bessere Chancen bei der Prüfung auf Tontaube oder Kipphase zu haben. Doch bei kaum einer anderen Waffenart ist das Angebot so umfangreich wie bei den Bockflinten.

Vergleichstest Flinten Technische Daten und Preise

 

Antonio Zoli GC Expert
Bockflinten des italienischen Herstellers Antonio Zoli genießen einen guten Ruf, denn sie sind bei guter Verarbeitung und modernster Technik nicht zu teuer. Das ausgesuchte Modell GC Expert kostet 1.899 €.

GC steht für Game und Competition, also ein Modell, das für Jagd und Wettkampf geeignet sein soll. Anders ausgedrückt – eine Parcoursflinte. Die äußere Aufmachung ist eher schlicht, die gut polierte Stahlbasküle ist schwarz brüniert und verleiht der Flinte einen etwas düsteren Eindruck. Sicher aber optisch besser als eine schlecht gemachte Jagdgravur.

Antonio Zoli GC Expert
Antonio Zoli GC Expert in 12/76

 

Auch bei der GC Expert findet sich der bewährte Flankenverschluss – wie bei den meisten Zoli-Modellen. Das Laufbündel liegt sehr tief im Kasten und die Abkippkräfte sind dementsprechend gering. Die bei geschlossener Waffe aus dem Basküle vortretenden Verriegelungsnasen legen sich über die am Monoblock angefrästen Lappen und verriegeln das Laufbündel sicher. Der Schütze hat freien Zugriff auf die Patronenlager, denn hier stören keine Verlängerungen neben den Lagern (wie beim Kersten-Verschluss).
Bedient wird der Verschluss wie gewohnt über den Oberhebel. Das modifizierte Blitzschloss mit Schraubenfedern ist ein ausgereiftes Schlosswerk, das Zoli schon seit vielen Jahren im Flintenbau einsetzt.

Der Einabzug löste die Schlosse bei 1,5 und 1,9 kg aus – trocken und ohne spürbaren Vorweg. Das Abzugszüngel ist angenehm breit. Die Umschaltung erfolgt nicht durch den Rückstoß, sondern mechanisch. Die Umstellung für den Einabzug ist im Sicherungsschieber integriert – als kleiner Querschieber in der eigentlichen Sicherung.

Die Zoli hat 71-cm-Läufe, ihre Patronenlager sind für die 76er-Hülsenlänge eingerichtet. Die Oberfläche der 10 mm breiten Visierschiene ist fein guillochiert und die Schiene ist ventiliert, als Zielhilfe dient ein rotes 3-mm-Leuchtkorn. Die Läufe sind wie üblich mit Reifen und Stegen zusammengelegt und werden in den Monoblock eingeschoben. Die Zoli wird mit Wechselchokes geliefert, zum Lieferumfang gehören fünf Chokeeinsätze mit Zylinder-, ¼-, ½-, ¾- und Vollchoke. Der Wechsel ist mit dem beiliegenden Schlüssel kein Problem. Die Einsätze sind auf der oberen Stirnseite markiert.

Zoli liefert fünf Wechselchokes mit.
Zoli liefert fünf Wechselchokes mit.

 

Die Flinte hat einen Stahlschrotbeschuss. Das Laufbündel ist gut poliert und tiefschwarz brüniert. Mit 3 402 g war die Zoli die schwerste Flinte im Testfeld. Die GC Expert besitzt einen Schraubenfederejektor – also kein komplettes Ejektorschloss im Vorderschaft, das auslöst und auf den Patronenauszieher wirkt, sondern die Patronenauswerfer selbst stehen bei gespannter Waffe ständig unter Federdruck. Die Schraubenfedern sind hinter den Auswerfern links und rechts am Laufbündel angeordnet. Wird die Waffe abgefeuert, werden sie freigegeben, wenn das Laufbündel beim Abkippen einen bestimmten Punkt erreicht hat, dann beschleunigen die Federn den jeweiligen Patronenauszieher nach hinten.

Der Hinterschaft mit Pistolengriff und ohne Backe besteht aus sehr gut gemasertem Nussbaumholz, er ist sorgfältig geschliffen und geölt. Am Pistolengriff ist eine griffige, scharfe Fischhaut angebracht. Abgeschlossen wird der Schaft durch eine glatte Gummikappe. Der handfüllende Vorderschaft wird mittels Patentschnäpper befestigt und trägt ebenfalls eine gut geschnittene Fischhaut.

Die Flinte hat zwar einen Riemenbügel am Lauf, aber nicht am Hinterschaft. Der liegt bei und kann bei Bedarf angebracht werden. Das wird Schützen gerecht, die Flinten lieber ohne Riemen führen. Modernste Technik und Komplettausstattung verbindet Zoli zwar mit schlichter Aufmachung, aber dafür ist der Preis auch angemessen – für 1.899 € ein Allrounder für Schießstand und Revier.

Beretta 686 Black Onyx
Aus der reichhaltigen Palette der Beretta-Jagdflinten haben wir das Modell Black Onyx ausgesucht. Sie gehört zur 686er-Baureihe und ist liegt mit 2 195 € am oberen Ende unserer Preisvorgabe. Die Aufmachung der Flinte wirkt edel. Gutes Holz in feinem Ölschliff und eine fein geschnittene Fischhaut erfreuen das Auge. Die Passung von Holz- und Metallteilen ist einwandfrei.

Der Stahlsystemkasten hat ein schwarzes Nickel-Finish mit einer Zirko-Politur im vorderen Bereich. Logo und Schriftzug von Beretta sind seitlich und unten am Kasten goldfarben eingelegt. Das sieht alles sehr gediegen aus. Der Vorderschaft endet in einem eleganten Schnabel, und der Hinterschaft ist mit einer 10 mm dicken und sehr gut gleitenden Gummischaftkappe bestückt. Die Holzqualität liegt schon im gehobenen Bereich.

Beretta 686 Black Onyx
Beretta 686 Black Onyx in 12/76

 

Technisch bewegt sich Beretta auf eigenen Bahnen. Verriegelt wird mit einem hakenlosen Flankenverschluss, der einen niedrigen Systemkasten erlaubt. Den Verschluss benutzt Beretta in dieser Form schon seit vielen Jahren, er hat sich sehr gut bewährt. Auch die mit hohen Schusszahlen belasteten Beretta Sportflinten verriegeln mit dem gleichen System.

Das 71 cm lange Laufbündel hat 76er-Patronenlager, die Läufe sind innen hartverchromt. Als Visierung dient eine 6 mm-Schiene mit 3 mm-Silberperlkorn. Die Schiene ist fein guillochiert. Auch die Beretta hat Wechselchokes, fünf Stück liegen jeder Flinte bei. Sicherung und Laufumschalter liegen wie bei allen anderen Modellen des Tests auf dem Kolbenhals. Der Umschalter ist als Querschieber in den Sicherungsschieber integriert.

Chokes Beretta
Der große, griffige Chokeschlüssel der Beretta ist sehr bedienfreundlich.

 

Mit 1,7 und 1,9 kg hat die Beretta gut justierte Abzüge, die auch trockenstanden. Die Schlagenergie wird aus Schraubenfedern bezogen. Mit 3.365 g ist die Beretta zwar deutlich schwerer als die Franchi, aber für eine 12er-Bockflinte immer noch leicht – alles in allem eine Flinte, die einen Jäger ein Leben lang begleiten kann und mit der er überall eine gute Figur macht.

Browning B 525 Game
Als John Moses Browning 1925 eine Bockflinte konstruierte, nannte er diese einfach B 25 (für Browning 1925) – und schrieb damit Waffengeschichte. Aus diesem ersten Modell entstand eine ganze Palette von Jagd- und Sportflinten. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als FN diese Flinte auf den Markt brachte, gab es sowohl in den USA als auch in Europa wohl kaum ein Wurftaubenschießen, an dem nicht eine FN B 25 beteiligt war.

Browning B 525 Game
Browning B 525 Game in 12/76

 

Die B 25 erlangte infolge ihrer Robustheit und guten Schussleistung schnell Weltruhm und wurde in ihrer ursprünglichen Form bis Anfang der 80er-Jahre gefertigt. Dann folgte 1985 die B 125, 1991 die B 325, 1995 die B 425 und in fünfter Generation schließlich ab 2003 die B 525. Gefertigt werden Browning-Serienmodelle bei Miroku in Japan.

Browning verwendet ein modifiziertes Anson & Deeley Schlosswerk, das in einer Art Rahmen eingesetzt ist, bestehend aus dem Kasten an sich, dem Kreuzstück, der verlängerten Scheibe und der Abzugsplatte.

Unten im Kasten sitzt ein Hebel, der beim Abkippen des Laufbündels die Schlaghähne spannt. Die Stangen sind oben gelagert. Bei diesem Schloss ist der Winkel aus Hahnachse, Raste und Stangenraste größer als 90 Grad. Das hat den Effekt, dass die Stangen in die Rasten hineingezogen werden. Zusätzlich haben die Schlagstücke eine Sicherheitsrast. Sollte wirklich mal durch einen derben Stoß die Stange aus der Rast springen, wird das Schlagstück in dieser Sicherheitsrast gefangen, bevor es den Schlagbolzen erreichen kann.

Die Schiebesicherung auf dem Kolbenhals trennt Abzug und Stange. Erst nach dem Entsichern greift das Abzugsblatt unter die für den ersten Schuss vorgewählte Abzugsstange. Als zusätzliche Sicherung ist eine Auslösesperre installiert, die verhindert, dass bei geöffnetem System die Schlosse ausgelöst werden können. Der Sicherungsschieber sitzt auf dem Kolbenhals und ist gleichzeitig für die Laufvorwahl zuständig. Der breite Schieber wird zur Laufwahl komplett nach links oder rechts bewegt.
Der Einabzug funktioniert über eine Rückstoßumschaltung, also nicht mechanisch wie bei den beiden vorherigen Modellen. Er löst trocken, ohne fühlbaren Weg aus und war auf 1,5 und 1,6 kg justiert.

Sicherung Browning B 525
Die Sicherung liegt auf der Scheibe, zum Umschalten der Schlosse wird der gesamte Schieber seitlich bewegt.

 

Außen ist der aus einem geschmiedeten Stahlstück gefräste Kasten mit robustem Silbernitrit-Finish ver­sehen und trägt eine dezente Arabeskengravur. Die Laufhaken sind am unteren Lauf angeschmiedet und die Läufe sind mit Hartlot verbunden. Der vordere Laufhaken stützt sich am acht Millimeter starken Scharnierbolzen ab, wobei der Scharnierdrehpunkt unterhalb des Laufes liegt. Die Verriegelungsarbeit übernehmen die beiden parallel angeordneten hinteren Laufhaken. Sie werden durch einen 27 mm breiten Keil, der über die gesamte Breite in die Haken eingreift, bei geschlossener Waffe festgelegt. Betätigt wird der Keil wie gewohnt über den oben auf der Scheibe liegenden Verschlusshebel. Durch die seitlich hochgezogenen Kastenbanden hat das Laufbündel eine fast spielfreie Führung im Basküle.

Das 76 cm lange Laufbündel im Kaliber 12/76 ist mit einer 6 mm breiten ventilierten Visierschiene ausgestattet, die ein 3,8 mm dickes Perlkorn trägt. Die Oberseite ist fein guillochiert. Die Browning bringt 3 367 g auf die Waage, hat aber auch zusammen mit der Winchester die längsten Läufe unter den Testwaffen. Alle anderen Modelle haben nur 71 cm lange Läufe.

Die Ejektoren arbeiten nach dem System Holland & Holland. Die Schlaghähne sind im Vorderschaft installiert, arbeiten aber nicht wie beim Original mit Schenkel-, sondern mit modernen Schraubenfedern. Auch die B 525 Game hat die bei Browning seit einigen Jahren üblichen Back-Bored Läufe. Durch diese spezielle Art der Laufgestaltung soll die Schrotgeschwindigkeit erhöht, der Rückstoß reduziert und die Deckung verbessert werden.

Die Läufe sind mit Wechselchokes ausgestattet, der Waffe liegen vier Choke-Einsätze bei. Neben der Kennung durch die Aufschrift auf der Seite sind an der Mündung Kerben vorhanden, die den eingelegten Choke zusätzlich kennzeichnen. Mit dem beiliegenden Chokeschlüssel geht das Wechseln sehr schnell und bequem.

Die B 525 Game hat einen ansprechenden Jagdschaft aus gutem Nussbaumholz mit griffiger Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff. Der Vorderschaft endet in einem eleganten Schnabel, der gesamte Schaft ist gut poliert und geölt. Die einfache, glatte Kunststoffschaftkappe gleitet sehr gut.

Die B 525 Game ist eine durchaus gelungene Mischung für Liebhaber moderner Jagdflinten. Mit einem Verkaufspreis von 1.495 € liegt sie am unteren Ende des JP-Testfeldes.

Franchi Falconet 2010
Seit 1868 baut dieser italienische Hersteller bereits Waffen. Wer den Namen Franchi hört, denkt zuerst an Selbstladeflinten, doch Franchi (seit 1993 Mitglied der Beretta-Firmengruppe) baut auch Bock­flinten. Die Falconet ist eine ausgesprochen leichte Flinte und wiegt nur 2 860 g. Möglich wird das durch die Basküle aus Aluminium mit eingesetztem Titan-Stoßboden.

Der silbergraue Kasten ist mit einer Jagdgravur versehen, die für eine Flinte dieser Preisklasse ganz ordentlich ausfällt, auch wenn sie einen etwas flachen Eindruck macht – Schnepfe und Fasan, umrahmt mit Blattarabesken, zieren den Kasten.

Franchi Falconet 2010
Franchi Falconet 2010 in 12/76

 

In den  Kasten sind links und rechts Gegenlager für den vorderen Laufhaken eingesetzt. Das vordere Hakenpaar hat aber keinen Keileintritt, der Verriegelungskeil wird nur vom hinteren Laufhaken aufgenommen. Beide Haken sind Teil des mit den Läufen verlöteten Monoblocks. Diese Verschlusstechnik wird heute bei vielen Bockflinten angewandt und hat sich bestens bewährt.

Die Kastenschlosse der Franchi sind eine Mischung aus Anson & Deeley Schlossen und dem Blitz-System. Die im Rahmen gelagerten Schlagstücke beziehen ihre Energie aus Spiralfedern, die auf Federstangen geführt werden. Die beiden Stangen sind in der Abzugsblechpartie des Rahmens gelagert, wo auch der Auslöser, bzw. das Umschaltgewicht angeordnet ist. Die Umschaltung funktioniert rein mechanisch. Durch die Betätigung des Abzugs hebt der Auslöser die rechte Stange aus und schwenkt dann zwangs­gesteuert unter die linke Stange. Eine mechanische Umschaltung ist sicherer als eine rückstoßabhängige, da auch bei einem Versagen der ersten Patrone sofort der zweite Lauf abgefeuert werden kann.

Der Schieber für die Wahl der Läufe ist in der Sicherung, die auf der verlängerten Scheibe liegt. Sie arbeitet als kombinierte Abzugs- und Stangensicherung. Wie heute üblich, besitzt die Falconet einen Einabzug. Hier ist etwas fühlbarer Weg vorhanden, justiert war der Abzug der Testwaffe auf 1,8 und 2,2 kg.

Die 71 cm-Läufe sind traditionell mit Stegen und Reifen verbunden. Die 7 mm breite Visierschiene ist ventiliert und fein guillochiert. Das silberne Perlkorn hat einen Durchmesser von 3,5 mm. Die Patronenlager sind für 76 mm lange Magnumhülsen ausgelegt, die Waffe wurde dem verstärkten Beschuss mit 1.370 bar unterworfen und ist stahlschrottauglich. Zum Lieferumfang gehören fünf Chokeeinsätze mit Zylinder- ¼-, ½-, ¾- und Vollchoke.

Der Wechsel ist mit dem beiliegenden Chokeschlüssel kein Problem. Die Einsätze sind auf der oberen Stirnseite markiert. Damit ist auf einen Blick feststellbar, welcher Choke gerade verwendet wird.

Sicherung Franchi Falconet
Bei der Franchi vermissten die Tester eine Kennzeichnung, auf welchen Lauf der Abzug geschaltet ist.

 

Abgefeuerte Hülsen werden durch Ejektoren sicher ausgeworfen. Die Ejektorschlagstücke sind bei geschlossener Waffe ständig gespannt und werden beim Abschlagen eines Schlosses freigegeben, sodass die geteilten Patronenauswerfer beim Öffnen der Flinte die abgeschossenen Hülsen herauskatapultieren. Bei nicht abgeschlagenem Schloss tritt der Ejektor also nicht in Funktion – alles in allem solide Technik, die auch ordentlich verarbeitet und ansprechend verpackt ist.

Die JP-Testwaffe hatte einen Pistolengriffschaft und als Abschluss für den Hinterschaft diente eine 8 mm starke Gummikappe, die sich etwas stumpf anfühlt. Die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft ist offensichtlich handgeschnitten und fühlt sich scharf an. Der Vorderschaft endet in einem leichten Schnabel und wird mit einem Patentschnäpper befestigt. Franchi benutzt eine patentierte Vorderschaftbefestigung, die es erlaubt, einen Wechsellauf ohne aufwendige Nacharbeiten einzulegen.

Der Flinte lagen Riemenbügel bei, die bei Bedarf leicht montiert werden können. Die Basen sind bereits angebracht. Mit einem Verkaufspreis von 1.395 € ist die Franchi die günstigste Flinte im Testfeld und kann ausstattungsmäßig für diesen Preis eine Menge bieten.

Winchester Select English Field
Winchesters Select Serie wird bei FN in Belgien gebaut und umfasst ein halbes Dutzend Modelle von Sport- und Jagdflinten. Das von uns gewählte Modell ist eine jagdliche Ausführung mit traditioneller Gravur im englischen Stil.

Der graue Stahlsystemkasten ist elegant mit feinen Scrolls verziert und macht einen edlen Eindruck. Für 1 459 € macht die Waffe optisch eine Menge her. Der von Winchester seit mehreren Jahren benutzte hakenlose Flankenverschluss hat sich in der Praxis bewährt und ist kostengünstig zu fertigen.

Winchester Select English Field
Winchester Select English Field in 12/76

 

Die vom Basküle in den Monoblock greifenden Verschluss­stücke sind leicht konisch und stellen sich selbst nach. Die Schlagstücke des Kastenschlosses beziehen ihre Energie von auf Stangen geführten Schraubenfedern. Der Einabzug arbeitet mit Rückstoßumschaltung und der Umschalter für die Laufvorwahl wird über den Sicherungsschieber auf dem Kolbenhals vorgenommen.

Das Abzugszüngel ist breit und glatt gehalten. Der Abzugswiderstand wurde mit 2,1 kg für beide Schlosse gemessen. Das 76 cm-Laufbündel ist glänzend schwarz brüniert. Die ventilierte Visierschiene ist 6 mm breit und trägt ein weißes Kunststoffperlkorn von 3,8 mm Durchmesser. Die Oberseite der Schiene ist fein guillochiert. Unter dem Vorderschaft liegen die Läufe im hinteren Bereich frei, um eine bessere Wärmeableitung zu erreichen.

Die Schraubenfederejektoren sind im Monoblock untergebracht. Auch die Select English Field hat die bei Winchester üblichen Back-Bored Läufe. Durch diese spezielle Art der Laufgestaltung soll die Schrotgeschwindigkeit erhöht, der Rückstoß reduziert und die Deckung verbessert werden.

Sicherung Winchester Select English Field
Die Sicherung der Winchester ist sehr laut. Der Schieber ist griffig und die Stellung eindeutig gekennzeichnet.

 

Das Laufbündel ist mit dem Invector-Plus Chokewechselsystem ausgerüstet, es werden fünf Choke­einsätze in den Abstufungen Zylinder-, ¼-, ½-, ¾- und Vollchoke mitgeliefert. Der Wechsel funktioniert mit dem beiliegenden Schlüssel problemlos. Die Chokeeinsätze sind an den Stirnflächen mit Kerben gekennzeichnet, sodass sich die eingesetzte Bohrungs­verengung auch eingebaut gut erkennen lässt.

Der Pistolengriffschaft aus geöltem Nussbaumholz schließt mit einer einfachen Kunststoffkappe. Die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft ist sauber ausgeführt und genügend scharf. Der mit Patentschnäpper befestigte Vorderschaft endet in einem kleinen Schnabel und ist genügend lang, um auch das Schießen mit ausgestrecktem Führarm zu erlauben. Bei einer Gesamtlänge von 120,5 cm wiegt die Winchester 3.350 g – alles in allem eine moderne Bockflinte in gefälliger Aufmachung zum akzeptablen Preis.

Auf die Technik kommt es an
Zwar spielt auch die Optik beim Flintenkauf sicher eine Rolle, doch entscheidend sind die „inneren Werte“ und die Schussleistung der Waffe. Eine wunderschön gravierte und mit Luxusholz ausgestattete Flinte, die „um die Ecke schießt“, mit einem Abzugsgewicht von fünf Kilogramm, taugt nur für den Waffenschrank und hat im Revier nichts zu suchen. Vergleichen wir zunächst die Technik der Flinten miteinander.

Schloss-Systeme
Hier finden sich viele Gemeinsamkeiten. Die Franchi benutzt eine Mischung aus Blitz- und Kastenschloss, alle anderen Modelle mehr oder minder modifizierte Blitzschlosse.
Alle Flinten haben moderne Schraubenfedern. Die Schlosse werden von den Herstellern schon längere Zeit in dieser Form gebaut und haben sich bewährt. Besondere Vor- oder Nachteile hat kein Modell.

Sicherung, Laufvorwahl und Ejektoren
Die Ejektorsysteme funktionierten bei allen Flinten über den gesamten Testzeitraum problemlos und es gab keine Störungen. Der Sicherungsschieber befindet sich ausnahmslos auf dem Kolbenhals und ist bei allen Modellen mit der Laufumschaltung kombiniert. Das hat sich in der Praxis bewährt und ist bequem zu handhaben.

Unterschiede gibt es jedoch in der Ausführung der Laufumschaltung: Franchi, Browning und Winchester benutzen den ganzen Sicherungsschieber als Umschalter. Er lässt sich nach links und rechts bewegen und damit lässt sich der entsprechende Lauf vorwählen. Bei der Franchi bemängelten die Tester, dass keine Kennzeichnung auf der Flinte angebracht ist, an der man erkennen könnte, welcher Lauf in welcher Stellung des Sicherungsschiebers abgefeuert wird. Bei den anderen Modellen ist ein o oder u (für oben und unten) sichtbar.

Wirklich leicht und weich bewegen ließ sich der Sicherungsschieber nur bei der Browning. Der Franchi-Schieber kratzte und knirschte und bei der Winchester war Kraft bei der seitlichen Bewegung erforderlich, ein lautes Klacken war auch bei vorsichtiger Handhabung nicht zu vermeiden … Bei Zoli und Beretta findet sich im Sicherungsschieber ein kleiner, quer zu betätigender Umschalter zur Laufvorwahl – etwas fummelig und kaum ohne Hinsehen zu betätigen.

Den ganzen Sicherungs­schieber zur Seite zu drücken, geht wesentlich schneller und einfacher als einen kleinen Schieber in der Sicherung zu bedienen. Bei der Jagd muss es in der Regel sehr schnell gehen, wenn man den Lauf wechseln will.

Browning bekam für die weich zu bedienende Sicherung und die praktische Laufvorwahl volle 10 Punkte. Zoli und Beretta haben auch gut zu bedienende Sicherungen, aber die kleinen Querschieber für die Laufvorwahl gefielen dem JAGDPRAXIS-Testteam nicht so gut – so gab es für beide Flinten 8 Punkte. Auch die Winchester bekommt 8 Punkte, ihre Laufvor­wahl liegt zwar auf dem Niveau der Winchester, aber dafür geht die Sicherung deutlich schwerer und beim Entsichern entsteht ein lautes Geräusch. Die Sicherung der Franchi mit kleinem Querschieber ist zwar vergleichbar mit Zoli und Beretta, aber für die fehlende Kennzeichnung gab es noch einen zusätz­lichen Punktabzug, sodass am Ende 7 Punkte auf dem Papier standen.

Abzüge
Ein Bauteil, dem besondere Aufmerksamkeit gebührt, ist es doch für die Schussabgabe und das anschließende Treffen in hohem Maße verantwortlich. Alle Testwaffen hatten Einabzüge, die völlig problemlos funktionierten. Von der Charakteristik her machten die Beretta, die Zoli und die Browning den besten Eindruck. Sie standen wirklich trocken. Bei der Winchester war beim zweiten Schuss ein leichter, aber fühlbarer Weg vorhanden und die Franchi stand nicht trocken, sondern hatte deutlichen Abzugsweg. Den besten gemessenen Abzug hat die Browning mit 1,5 und 1,6 kg.

Nach den Jagdpraxis-Kriterien erhalten Flinten der getesteten mittleren Preisklasse die volle Punktzahl, deren Abzugsgewicht für den ersten Lauf nicht mehr als 1,8 kg und für den zweiten Lauf nicht mehr als 2,0 kg aufweist. Je 200 Gramm mehr kosten einen Punkt Abzug. Browning, Zoli und Beretta erhalten volle 10 Punkte, die Franchi bekommt noch 9 und lediglich die Winchester muss sich mit 7 Punkten zufriedengeben.

Vergleichstest Flinten Abzugsgewichte

Verschluss-Systeme
Bei der Verriegelung gehen die Philosophien der Hersteller deutlich auseinander:
Franchi und Browning verwenden herkömmliche Lauf­haken, während Beretta, Zoli und Winchester hakenlose Flankenverschlüsse benutzen. Entriegelt werden alle Flinten mit auf der verlängerten Scheibe platzierten Verschlusshebeln. Von der Haltbarkeit her sind alle Verschlüsse bewährte Konstruktionen mit langer Lebensdauer, zumal die Verarbeitung bei allen Modellen sehr gut ist.

Wichtig ist, dass keine der Testwaffen nach hinten ragende Verschlussteile hat, die beim Laden der Läufe stören. Bei der Handhabung zeigte keine Flinte in dieser Hinsicht Schwächen.

Läufe und Chokebohrungen
Über den Laufstahl schweigen sich die Hersteller weit­gehend aus – Angaben wie Spezial-Gewehrlaufstahl oder zähharter Spezialstahl sagen wenig aus. Alle Waffen sind mit Wechselchokes ausgestattet, deren Wechsel war bei keinem Modell ein Problem. Auch die Anzahl der beiliegenden Chokes ist fast identisch – bis auf die Browning (4 Chokes) hatten alle anderen Waffen fünf Einsätze.

Balance
Sehr wichtig zum flüssigen Schießen mit einer Flinte ist ihre richtige Balance – sie sollte so ausbalanciert sein, dass ihr Gewicht zwischen den Händen liegt und die Waffe weder kopf- noch hecklastig ist. Ideal ist es, wenn Hinterschaft mit System und Laufbündel samt Vorderschaft etwa gleich viel wiegen.

Sieger dieses Vergleichs sind klar Zoli und Winchester mit fast perfekter Balance. Die Differenz der o. g. Waffengruppen bei beiden beträgt lediglich 140 g, das gibt 9 von 10 Punkten. Auch Browning und Beretta bekommen noch 9 Punkte, denn ihre Gewichtsunterschiede liegen mit 195 g und 165 g immer noch unter 200 g. Erst über 200 Gramm würde es einen weiteren Punkt Abzug für jeweils 100 g geben.

Die Franchi ist in dieser Wertung klarer Verlierer, bei ihr beträgt der Gewichtsunterschied 532 g. Die deutliche Kopflastigkeit macht sich beim Schießen spürbar bemerkbar. Sie bekommt von den maximal 10 Punkten für die Balance nur noch 6 Punkte. Kleine Unterschiede lassen sich durch Ausbohren des Hinterschaftes oder durch Bleieinlagen ausgleichen. Bei über 200 Gramm ist das aber schon sehr schwierig.

Vergleichstest Flinten Balance

Treffpunktlage und Deckung
Auf dem Schießstand wurden die Testwaffen mit 2,5 mm Schrotpatronen geschossen. Geschossen wurde auf 35 m auf die 16-Felder-Anschussscheibe. Getestet wurde mit der Rottweil Tiger, einer klassischen Jagdschrotpatrone aus dem mittleren Preisbereich mit einer Vorlage von 32 g. Alle Waffen wurden mit ¼- und ¾-Chokeeinsätzen ausgestattet. Visiert wurde mit auf dem Kasten aufsitzenden Korn in die Mitte der Scheibe. Bei richtiger Laufgarnierung muss eine Waffe so Fleck schießen oder einen leichten Tiefschuss aufweisen. Wird mit etwas sichtbarer Schiene geschossen (jagdlich üblich), stellt sich der gewünschte leichte Hochschuss von selbst ein.

Die Treffpunktlage aller Testflinten liegt innerhalb der tolerierbaren Grenze von 10 cm Abweichung. Die Beretta hat einen ziemlichen Tiefschuss und muss mit sehr viel Schiene geschossen werden. Das Zusammenschießen der Läufe war bei allen Testwaffen gut. Bei einem Durchmesser der Schrotgarbe von etwa 75 cm auf 35 m kann alles Wild sicher mit dem Zentrum der Garbe getroffen werden.

Vergleichstest Flinten Treffpunktlage

Mit Flintenlaufgeschosspatronen von Remington, RWS und Brenneke wurden auf 35 m mit jeder Flinte und Patronensorte zwei Schusspaare geschossen. Das beste Schussbild wurde jeweils gewertet. Bei allen Flinten ist die Schussleistung mit Flintenlaufgeschossen in Ordnung, die Treffpunktlage stimmt und die Streukreise bei vier Schuss liegen nicht über 10 cm – jagdlich gut brauchbar, auch wenn die Präzision bei keiner Waffe wirklich toll ist. Wir haben drei Sorten probiert, es kann durchaus sein, dass mit einer anderen Marke eine bessere Präzision erzielt wird. Dass sich Probieren lohnt, zeigt etwa die Browning B 525, die mit Remington- und Brenneke-Slugs eine Streuung von 16 und 19 cm hinlegte – und mit den Rottweil Exact auf brauchbare 9 cm kam.

Vergleichstest Flinten Leistung FLG

Streuleistung
Die Auswertung der 16-Felder-Anschussscheibe gibt nicht nur Auskunft über die Deckung und gleichmäßige Verteilung der Schrotgarbe, sondern erlaubt durch die Unterteilung von Innen- und Außenkreis sowie dem Verhältnis der in der Schrotpatrone enthaltenen Körnern zu den auf der Scheibe gezählten Einschlägen auch Aufschlüsse auf die Verdichtung und das Streuverhalten des Laufes.

Die nachfolgende Tabelle enthält daher neben den Aussagen zur Deckung, auch die Zahl der auf die Scheibe gebrachten Schrotkörner, unterteilt nach Innen- und Außenkreis. Die Testpatrone Rottweil Tiger enthält 348 Schrotkörner.

Alle Flinten zeigen damit eine gute Deckung, auch die Regelmäßigkeit gibt keinen großen Anlass zur Kritik. Fast alle bekommen die Bewertung gut oder hervorragend, lediglich der untere Lauf der Franchi bekam bei Deckung und Regelmäßigkeit lediglich genügend.

Die Flinten zeigen ein, gemäß den Chokeeinsätzen abgestuftes Streuverhalten, allerdings durch die Bank mit relativ engen Schrotgarben – besonders die Browning und die Beretta. Bei diesen Modellen wird man in der Praxis die Chokes besser eine Nummer weiter wählen, bei Wechselchokes ja kein Problem. Auch bei den Schrotpatronen lohnt es sich, verschiedene Sorten zu probieren, um die Marke zu finden, mit der die eigene Flinte die beste Deckung zeigt.

Bei unserem Testschießen kamen alle Flinten mit der Rottweil Tiger gut zurecht und zeigten keine Auffälligkeiten. Was die Schrotschussleistung angeht, konnte kein Modell besondere Vorteile für sich verbuchen. Lediglich die Franchi fällt mit ihrem 2 x genügend bei Deckung und Regelmäßigkeit bei einem Lauf minimal aus dem Rahmen. Die anderen Modelle liegen auf einem Level und bekommen 14 von 15 möglichen Punkten, die Franchi einen Punkt weniger.

Auf dem Parcoursstand
Schrote auf einer Papierscheibe auszuzählen und danach die Leistung einer Flinte zu beurteilen, ist eine Sache – auf dem Jagdparcours damit dann auch Wurfscheiben sicher zu treffen, eine ganz andere. Jagdpraxis hat beides gemacht und die „gefühlsmäßige“ Beurteilung der Testflinten in die Hand von zwei Schießlehrern gelegt. Sie verbrachten einen ganzen Tag mit den fünf Testflinten und einigen Munitions­kisten auf dem Parcoursstand in Coesfeld-Flamschen und schossen abwechselnd mit allen Flinten unterschiedliche Tauben und Rollhasen. Anschließend schilderten sie ihre Eindrücke von den Testwaffen.

Der Schaft
Nach dem Testschießen auf dem Parcours ging es an die Bewertung der Schäfte. Die Qualität der Schäfte und der Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff ist für Flinten dieser Preisklasse überraschend gut.

Browning und Beretta haben die beste Fischhaut, liegen aber auch nur knapp über den anderen drei Modellen. Alle Schäfte sind gut poliert und geben keinen Anlass zur Kritik.
Anders sieht es bei den Schaftkappen aus – Flintenschützen brauchen eine glatte, rutschige Schaftkappe, die beim schnellen Anschlag nicht an der Kleidung hängen bleibt.

Manches Stück Wild ist schon unbeschossen davongekommen, weil man mit einer stumpfen Gummikappe nicht schnell genug in Anschlag kam. Meist bleiben die Dinger am unteren Schulterrand hängen – um korrekt über die Schiene zu blicken, fehlen noch einige Zentimeter. Da Gummikappen nicht rutschen und nicht einfach hochgezogen werden können, müssen solche Waffen noch einmal aus der Schulter genommen werden, um den Anschlag zu korrigieren.

Für Waffen, die man schnell in Anschlag bringen will, ist also ein glatter Schaftabschluss erforderlich. Viele Flinten haben daher überhaupt keine Schaftkappe. Ist der Schaft lang genug, ist das sehr zu empfehlen, denn Holz rutscht hervorragend.

Die beste Lösung ist eine sog. Belederung – dazu bekommt die vorhandene Gummikappe einen Überzug aus glattem, sehr dünnem Leder. Das ist bei Mittelklasseflinten allerdings serienmäßig nicht zu erwarten. Browning und Winchester montieren einfache, glatte Kunststoffkappen, die hervorragend gleiten – ein sehr guter Schaftabschluss. Bei beiden Flinten ist der Hinter­schaft zudem 37,5 cm lang, sodass noch ausreichend Möglichkeit für eine Schaftverlängerung gegeben ist, falls die Größe des Schützen dies erfordert.

Auch Zoli und Beretta haben ausreichend lange Schäfte von über 37 cm, sind allerdings mit Gummischaftkappen ausgestattet. Die Kappe der Beretta ist wesentlich gleit­freudiger als die der Zoli, die einen eher stumpfen Eindruck macht. Der Franchi-Hinterschaft ist einen Zentimeter kürzer und schließt mit einer schlecht gleitenden 8 mm-Gummikappe. Dieser erste Eindruck bestätigte sich auch später beim Schießen.

Winchester, Browning und Beretta ließen sich problem­los und bequem anschlagen, nichts hemmte den schnellen Anschlag. Die Zoli war in diesem Punkt etwas schlechter und die Franchi musste relativ oft korrigiert werden, weil die Gummikappe hängen blieb. Unseren Testern gefiel der Schaft der Browning und der Beretta am besten. Hier passte alles sehr gut und die Flinten glitten auch mühelos in die Schulter. Sie bekamen 9 von 10 möglichen Punkten. Die Winchester erhielt 8, Zoli und Franchi je 7 Punkte (Abzüge für schlecht gleitende Schaftkappen).

Vergleichstest Flinten Schäfte
Ein Flintenschaft muss eine glatte, gut gleitende Kappe haben. Sind Gummikappen montiert, dürfen die nicht weich und stumpf sein.

 

Verhalten im Schuss
Bei diesem Prüfkriterium wird bewertet, wie die Flinte schwingt, wie die Rückstoßübertragung auf den Schützen ausfällt und wie schnell sich die Flinte nach dem ersten Schuss wieder ausrichten lässt. Dabei hat sich Jagdpraxis voll auf das Urteilsvermögen der beiden Schießlehrer verlassen, die mit den Testwaffen ein umfangreiches Prüfprogramm auf Luft- und Bodenziele absolvierten.

Die schlechteste Bewertung erhielt die Franchi – die leichte und sehr kopflastige Flinte schwingt nicht gut, ist rückstoßstark und der zweite Schuss erfolgt deutlich später als bei den anderen Testflinten. Dafür vergaben die Tester nur 8 von 15 möglichen Punkten. Eine Überraschung war die Zoli, die sich sehr einfach schießen ließ und sehr ruhig im Schuss lag, dafür gabs 13 von 15 Punkten.

Noch einen Tick besser war nur die Beretta, die sehr ausgeglichen ist und hervorragend schwingt. Sie bekam 14 Punkte. Die Browning liegt mit der Zoli gleichauf und erhielt ebenfalls 13 Punkte. Bei der Winchester gab es einen Punkt weniger und damit 12 Punkte. Sie schwingt gut und erlaubt auch einen schnellen zweiten Schuss, im Rückstoß liegt sie aber nicht ganz so ruhig wie die Browning und Zoli.

Verarbeitung
Bei der Beurteilung der Verarbeitung liegt die Beretta vorn, sie ist aber auch die teuerste der Kandidaten. Der Franchi gaben unsere Tester das schlechteste Zeugnis, was nicht heißt, dass sie schlecht verarbeitet ist, sondern dass die anderen Modelle besser sind. Echte Mängel wies keine der Testflinten auf.

Die Beretta erhielt von den Testern 8 von 10 Punkten, dann folgen Browning, Zoli und Winchester mit jeweils 7 und die Franchi mit 6 Punkten.

Ausstattung und Zubehör
Alle Flinten werden mit mindestens vier Chokeeinsätzen ausgeliefert, der passende Schlüssel ist dabei, Riemenbügel sind montiert oder beigefügt. 4 der 5 Flinten kommen in einem robusten Kunststoffkoffer, lediglich die Zoli wird in einem Pappkarton ausgeliefert, für einen Koffer oder ein Futteral fallen  also zusätzliche Kosten an. Dafür zogen die Tester der Zoli einen der 5 möglichen Punkte ab. Die anderen Flinten bekommen die volle Punktzahl.

Preis-Leistungs-Verhältnis
Gute Flinten für teures Geld zu bauen, ist keine große Kunst. Bei der Beurteilung des Preis-Leistungsverhältnisses setzen wir die beurteilte Verarbeitungsqualität in Relation zum Kaufpreis.

Vergleichstest Flinten Preise

 

Den besten Gegenwert für sein Geld bekommt man bei den Modellen von Browning und Winchester. Für weniger als 1.500 € sind dies gut verarbeitete Flinten, die für alle Gelegenheiten einsetzbar sind – das gibt 9 von 10 Punkten. Die Zoli kann bei der Verarbeitung mithalten, ist aber teurer und bekommt daher einen Punkt weniger.

Auch die Beretta bekommt 8 Punkte, sie ist zwar die teuerste Flinte, aber auch die am besten verarbeitete. Die Franchi hat den günstigsten Kaufpreis, ist aber auch bei der Verarbeitung auf dem letzten Platz, beim Preis-Leistungs-Verhältnis gabs dafür 7 Punkte.

Gesamtwertung
Gesamtsieger des JAGDPRAXIS-Vergleichstests für Mittelklasseflinten ist Brownings B 525 Game – mit einem einzigen Punkt Vorsprung hauchdünn vor Berettas Black Onyx. Beide Modelle (sehr gut, drei Lupen) liegen in der Bewertung der meisten Kategorien ganz dicht beieinander. Den Ausschlag für die Browning gab das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis (deutlich günstiger) und die Tatsache, dass ihr Umschalter zur Lauf­vorwahl unseren Testern besser gefiel.

Auf Platz 3 liegt die Zoli GC, die auch noch gute 85 Punkte bekam. Damit liegt sie noch vor der Winchester Select Field; beide Flinten erhalten die Bewertung gut (zwei Lupen).
Etwas abgeschlagen liegt die Franchi auf dem letzten Platz. Ihre schlechte Balance und das daraus resultierende ungünstige Schussverhalten kosteten diese an sich technisch überzeugende Flinte viele Punkte.

Beim Flintenkauf spielen aber auch persönlicher Geschmack und das Anschlagsverhalten eine große Rolle. Rein nach einer Punktewertung sollte man eine Flinte auf keinen Fall auswählen. Sie dient nur als Richtlinie und gibt Aufschluss über Gesamtkonzeption und technische Details. Die Entscheidung für das eine oder andere Modell sollte auf dem Schießstand beim Testschießen fallen, am besten mithilfe eines Schießlehrers oder erfahrenen Schrotschützen.

Bewertung Mittelklasse-Flinten

Stimmen der Tester

Vergleichstest Flinten Experten
Unsere beiden Schießlehrer Detlef Riechert (l.) und Marvin Fridriszik beim Testen und Fachsimpeln über die Mittelklasse-Flinten.

 

Detlef Riechert: „Wollte ich eine der Flinten kaufen und sieht man die Testwaffen nebeneinander, würde ich mich auf den ersten Blick für die Beretta entscheiden. Unser Testschießen hat diesen ersten Eindruck auch bestätigt. Die Beretta sieht nicht nur gut aus, sie liegt gut in der Hand, hat gefühlt das „richtige“ Gewicht, ist ausgewogen und führig, der Abzug kommt sauber und die Flinte liegt im Schuss ruhig.

Die Browning ist ihr im Prinzip fast ebenbürtig, optisch fällt sie jedoch gegenüber der Beretta ab. Die Umschaltung unterer/oberer Lauf ist von Browning am besten gelöst.
Die Zoli ist die Überraschung – auf den ersten Blick sticht sie nicht hervor, aber im Test punktet sie in allen Bereichen, ganz besonders mit dem Abzug. Die Franchi fällt gegenüber allen anderen Testwaffen stark ab, sie ist extrem kopflastig, der hintere Teil der Waffe ist deutlich zu leicht.

Die Winchester ist eine gefällige Flinte, die gut in der Hand liegt. Ich würde sie allerdings deutlich hinter der Beretta und Browning einstufen, vielleicht auf Augenhöhe mit der Zoli.“

Detlef Riechert (63), widmete sich in jahrzehntelanger Tätigkeit im Waffen- und Munitionsgroßhandel besonders dem Vertrieb von Flinten. In England, dem Mutterland des Flintenschießens, ließ er sich zum Trainer ausbilden. Als von der Clay Pigeon Shooting Association (engl. Wurfscheibenverband) zertifizierter CPSA-Instructor setzt er persönliche Schwerpunkte in Flintenseminaren, Vortrags­reisen, Veranstaltungen, spezielle Firmen­events und seine Tätigkeit als Marketing-Berater.

Marvin Fridriszik: „Die Browning wirkt solide verarbeitet. Die Flinte zeigt sich optisch in typischer Manier, der Pistolengriff eignet sich hervorragend auch für große Schützen. Leider ist die Fischhaut anfangs noch sehr scharfkantig, vermutlich da sie relativ tief gestochen ist. Die Waffe wirkt sehr ausgewogen, natürlich bedingt durch die 76er-Läufe. Die Browning wird den Erwartungen in diesem Preissegment gerecht, denn sie eignet sich sowohl jagdlich als auch für Jäger mit gelegentlichen Ambitionen zum sportlichen Schießen.

Auch die Beretta weist eine gute Haptik auf. Die Verarbeitung wirkt zufriedenstellend, die Waffe wirkt gut ausgewogen. Einen klaren Minuspunkt erzielt sie durch ihre schlanke und zierliche Bauweise, da sie m. E. nicht für Jäger über 1,90 m Körpergröße geeignet ist. Ab dieser Größe schwebt der kleine Finger der Hand am Pistolengriff nämlich in der Luft. Auch die Führhand am Vorderschaft wirkt teilweise „verloren“. Ansonsten steht die Beretta der Browning in nichts nach. Die Entscheidung, welche der beiden Flinten man letztendlich kauft, sollte eine rein persönliche Entscheidung sein, die Unterschiede sind marginal. Die Flinte weist jagdliche wie sportliche Ambitionen auf.
Die Winchester wirkt optisch sehr gefällig, ihre Gravur ist sehr schön, die Fischhaut wirkt ergonomisch geschnitten. Die Waffe sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut an. Nach zwei bis drei Probe­anschlägen liegt die Winchester gut an der Backe. Jedoch siedelt sie sich deutlich hinter der Browning und Beretta an – ihre Abzugs-
Charakteristik wirkt sehr schwerfällig, der Abzug steht sehr fest, man muss schon feste daran „reißen“, bevor der Schuss bricht. Mein Fazit: für Gelegenheits­jäger empfehlens­wert.

Leider ist der erste Eindruck der Antonio Zoli nicht sehr gut, denn die Lieferung erfolgt in einem Pappkarton, den man eher bei einem Luftgewehr für seinen kleinen Sohn erwarten würde. Beim Zusammenbau wirkt die Basküle sehr kräftig und solide, was auf Langlebigkeit hoffen lässt. Gleichermaßen sticht die breite Schiene ins Auge, wodurch die Flinte eine sportliche Anmutung bekommt, ein Eindruck, der durch das Leuchtkorn noch unterstrichen wird. Die äußere Betrachtung ist ernüchternd, der Verschlusshebel wirkt wie selbst gegossen, es sind noch Spuren des Herstellungsprozesses zu sehen. Außerdem wirkt er proportional zur Flinte sehr klein.

Diese Italienerin erinnert optisch eher an ein osteuro­päisches Fabrikat. Das Umschalten der Läufe erfolgt an der Sicherung auf dem Kolbenhals, leider ist auch diese sehr klein geraten und man muss sich sehr aufs Umschalten konzentrieren, sonst rutscht man drüber weg, bei der Jagd wird dies schwierig. Ihre Abzugs-Charakteristik ist dagegen hervorragend, da muss die Zoli keinen Vergleich mit höherprei­sigen Flinten scheuen. Der Hinterschaft ist leider etwas leicht, wobei die Flinte angebackt dennoch ausgewogen wirkt.
Mit der Lieferung der Franchi erhält man einen Waffenkoffer, aber dies ist schon der einzig positive Aspekt. Die Waffe wirkt durch die „strahlende“ Alu-Basküle minderwertig – dieser Eindruck verstärkt sich, sobald man sie zur Hand nimmt. Die Waffe ist alles andere als ausgewogen, der Schaft wirkt extrem leicht und die Flinte fällt einem im Anschlag förmlich nach vorn aus den Händen. Möchte man bei der ersten Schussabgabe den Lauf ändern, muss man dazu die Sicherung schon direkt in der Mitte treffen – sonst stellt sie sich quer und verkantet.

Zur Abzugs-Charakteristik bedarf es nicht vieler Worte – wer mal eine Cola Dose in der Hand zerdrückt hat, weiß wie sich der Abzug der Franchi anfühlt. Nach dem Betätigen des ersten Schusses dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Abzug in die Ausgangsposition rutscht und man den zweiten Schuss lösen kann.
Meines Erachtens ist die Franchi in diesem Preissegment völlig deplatziert, sie dürfte nicht mehr als 600 Euro kosten, um ihre Mängel und Schwächen rechtfertigen zu können. Mein Statement: nicht kaufen!“

Marvin Fridriszik (24), Jagdschein mit 15 Jahren, aufgewachsen in einer Jägerfamilie, Jagdaufsicht seit 2006, Wettkampfschütze jagdsportliches Schießen, Flinten-Coach.