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Test: Sig Sauer 938 Rosewood

Mi., 29.05.2019 - 06:43
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Jagdpraxis hat bereits einige sehr kompakte 9 mm Luger Pistolen getestet. Dass es noch zierlicher geht, zeigt Sig Sauer mit der P 938. Aus Jagdpraxis 3-2013.

Von subcompakt, wie diese Waffenart, die noch kleiner als eine Compact ist, kann man bei der P 938 eigentlich nicht mehr sprechen – microcompakt trifft es wohl besser. Der Winzling ist ganze 150 mm lang, 99 mm hoch und mit 28 mm Breite sehr flach.

Die Minipistole verschwindet hinter einer Männerhand und ist deutlich kleiner als Walthers legendäre deutsche Taschenpistole PPK. Das Gewicht beträgt ganze 454 g – und ist damit im Vergleich zu unseren Testwaffen aus Jagdpraxis 1/13 noch um gut 100 g leichter als unser damaliger Testsieger Walther PPS (549 g).

Doch die Walther hat ein Polymergriffstück und die SIG Sauer einen Schlitten aus Stahl mit Aluminium­griffstück – unter diesem Gesichtspunkt ist ihr Gewicht sensationell.
Das Jagdpraxis-Testteam war sehr gespannt, wie sich so eine Micropistole händeln und schießen lässt.

Technische Daten Sig Sauer P 938

 

Schaut man sich die kleine SIG Sauer an, drängt sich unweigerlich die Frage auf, wie klein eine Pistole überhaupt sein kann, um auch noch vernünftig eingesetzt werden zu können – denn Hauptzweck einer Pistole bleibt nun mal Schießen und Treffen …

Made in USA
Wer SIG Sauer hört, denkt unweigerlich an Eckernförde. Dort entsteht auch ein Großteil der Selbst­ladepistolen dieser Marke. Aber die P 938 wird, wie einige andere Gebrauchspistolenmodelle von Sig Sauer auch, in den USA gefertigt.

Der US-Ableger von Sig Sauer sitzt in Exeter (New Hampshire). So ist die Testwaffe auch beschriftet, beim Kaliber wird die US-Bezeichnung (9 mm Para) wie die euro­päische Bezeichnung 9 mm Luger angegeben.

Hinter dem Fertigungsstandort stehen ganz praktische Erwägungen – einerseits besteht in den USA eine riesige Nachfrage nach handlichen, feuer­starken Pistolen, andererseits gibts genau für diese Waffenart jenseits des Atlantiks recht restriktive Importvorschriften. Da ist es wesentlich günstiger, direkt in Amerika zu fertigen.

Geschrumpfte 1911er Optik
US-Boys dürfte beim Anblick der P 938 das Herz aufgehen, denn die SIG-Pistole ist optisch eine im Maßstab 1:2 verkleinerte Colt 1911 A1 – die legendäre alte Dienstwaffe der US-Armee.

Eine ähnliche Pistole gabs auch schon mal von Colt selbst (Mustang Kaliber 9 mm kurz), die aber heute so nicht mehr gebaut wird. Colts neuer Mustang hat ein Polymergriffstück und kommt immer noch im schwächeren Kaliber 9 mm kurz. Dafür ist dieses kleine Pferdchen mit gut 300 g aber noch leichter.

Sig Sauer P 938 zerlegt
Die P 938 zerlegt in die Hauptteile. Das System arbeitet mit einer geschlossenen Steuerkurve.

 

Als Fangschusspistole spielt die P 938 im leistungsstarken Kaliber 9 mm Luger aber in einer ganz anderen Liga. Die Bedienelemente sind ebenfalls von der 1911 übernommen, wobei die Sicherung hinten am Griffstück beidseitig vorhanden ist – bei modernen Pistolen heute unumgänglich.

Der Magazinauslöser, ein runder Drücker ganz im alten Stil, liegt wie gewohnt am Griff­rahmen gleich hinterm Abzug – der Daumen liegt beim kleinen Griff der Pistole schon direkt auf diesem Drücker …

Sig Sauer P 938 Hammer und Beavertail
Der Sicherungshebel ist beidseitig vorhanden. Der Hammer ist im Commander-Stil gerundet.

 

Die P 938 ist eine klassische Single-Action-Pistole mit außen liegendem Hahn, abgerundet im Commander-Stil – für Taschenpistolen sinnvoll. Er lässt sich zwar nicht so einfach und mühelos spannen wie in der geschweiften und weiter abstehenden Form, dafür ist aber auch die Gefahr, damit in der Tasche hängen zu bleiben, deutlich geringer.

Denn Taschenpistolen werden, wie ihr Name schon sagt, sehr oft einfach in die Jackentasche gesteckt und nicht im Holster geführt. Klassische Single-Action-Pistolen lassen sich auf drei Arten führen (bezogen auf den Ladezustand):
■ ohne Patrone im Lauf
muss man nach dem Ziehen durchladen,
■ mit Patrone im Lauf und entspanntem Hahn muss man vor dem ersten Schuss
den Hahn von Hand zurückziehen,
■ mit Patrone im Lauf, gespanntem Hahn und eingelegter manueller Sicherung muss nur noch entsichert werden.

Die letzte Variante ist sicher die gefährlichste –  und wirklich nur ratsam, wenn es darauf ankommt, im Notfall sehr schnell feuern zu können – bei Jägern, die Pistolen hauptsächlich zum Fangschuss führen, kaum vorstellbar.

Die P 938 ist zusätzlich mit einer automatischen Schlagbolzensicherung ausgestattet, die die nötige Fallsicherheit garantiert, wenn sich eine Patrone im Lauf befindet. Der Schlittenfanghebel, ebenfalls im typischen 1911-Stil, ist lediglich links vorhanden, Links­händer haben damit das Nachsehen.

Bei der Verschlusstechnik verlässt Sauer ausgetretene Technikpfade der 1911 und nutzt eine Verriegelung im Auswurffenster mit modifiziertem Browning-System mit kurzem Laufrücklauf.

Die Oberkante des hinteren Laufendes über dem Patronenlager stützt sich im Auswurffenster am Schlitten ab. Der Lauf entriegelt beim Schlittenrücklauf erst, wenn er nach unten weggezogen wird.

Lauf und Schlitten gehen nach dem Schuss nur wenige Millimeter gemeinsam im verriegelten Zustand zurück, dann schwenkt der Lauf nach unten, wird angehalten und entriegelt, während der Schlitten weiter zurückläuft. Beim Vorgehen führt er eine neue Patrone aus dem Magazin zu und spannt den Hahn. Das Absenken des Laufes wird nicht von einem Kettenglied, sondern einer angefrästen Steuerkurve erzwungen.

Sig Sauer P 938 Schlitten und Lauf
Schlitten mit eingesetztem Lauf – die Verschlussfeder wird auf einer Stange geführt.

 

Dieses modifizierte Browning-System ist bedeutend leichter zu fertigen als das alte 1911er mit seinen aufwendigen Ausfräsungen an der Schlitten­innenseite und Verriegelungswarzen am Laufteil.

Für den Schlittenrücklauf sorgt eine unterm Lauf angebrachte Schraubenfeder, verkantungsfrei geführt auf einer Stahlstange. Das Zerlegen funktioniert im Prinzip wie bei der 1911, nur muss man vorn im Schlitten keine Laufbuchse entfernen, um den Lauf aus dem Schlitten zu nehmen.

Man zieht den Schlitten etwas nach hinten in die „Zerlege­stellung“, bis die runde Ausfräsung an der linken Seite über der Achse des Schlittenfanghebels liegt. Dann kann dieser von der gegenüberliegenden Seite herausgedrückt werden – was einfacher klingt, als es in der Praxis ist.

So einfach herausdrücken ließ sich der Schlittenfanghebel unserer Testwaffe nämlich nicht, eher gaben die Fingernägel unserer Tester nach, als dass sich die Achse des Hebels bewegte … Erst mit einem passenden Dorn ließ sich der Hebel herausdrücken.

Danach geht es dafür einfach weiter – der Schlitten lässt sich jetzt einfach samt innen liegendem Lauf und Schließfeder nach vorn vom Griffstück ziehen. Nach Entnahme der Schließfeder mit Führungsstange lässt sich der Lauf aus dem Schlitten nehmen.

Beim Zusammenbau muss man darauf achten, dass sich der Sicherungshebel in der unteren Stellung befindet. Das Einsetzen des Zerlegehebels geht wesentlich leichter als sein Ausbau – mag sein, dass sich das nach einigen Hundert Schuss ändert.

Das Jagdpraxis-Testteam war sich jedenfalls einig, dass diese Sig Sauer im Bewertungskriterium „Zerlegbarkeit zum Reinigen“ nicht mehr als 6 von 10 möglichen Punkten verdient hat.

Visier und Abzug
Wirklich gute Visiere sind bei Taschenpistolen eher die Ausnahme – die P 938 ist eine solche. Ihre massive Rechteckkimme und das Balkenkorn sind mattschwarz gehalten und mit weißen Dämmerungspunkten ausgestattet. Kimme und Korn lassen sich seitlich im Schwalbenschwanz verschieben, für Höhenkorrekturen lässt sich das Korn wechseln.

Sig Sauer P 938 Kimme
Auf der Kimme finden sich Dämmerungspunkte, sie ist seitlich verschiebbar.

 

Die Visierteile sind angenehm abgerundet – ein Dreipunktvisier, das für eine Taschenpistole schon fast luxuriös zu nennen ist. Dafür gibt es 9 von 10 Punkten. Der kleine Punktabzug für die fehlende Höhenverstellung lässt sich nicht vermeiden. Da das Korn austauschbar ist, gibt es nur einen Punkt Abzug, die Bewertungskriterien von Jagdpraxis sind da eindeutig.

Der Abzug dagegen ist alles andere als luxuriös – seine Charakteristik kann man nur als schwammig bezeichnen. Nach kurzem Vorzug hat er einen deutlichen Weg und das Abzugsgewicht steigt kurz vor der Schussauslösung noch mal fühlbar an.

Insgesamt sind 3 300 g zu bewältigen, bevor ein Schuss bricht. Nun sind Taschenpistolen keine Sportwaffen und sicher spielen auch die US-Produkthaftungsgesetze eine Rolle, doch etwas besser darf die Justierung schon sein – gerade Single-Action-Abzüge lassen sich trocken einstellen.

Von den 10 Maximalpunkten bekommt die Testwaffe lediglich 5 – was schon großzügig ist, wenn man bedenkt, dass in unserem großen Taschenpistolen-Vergleichstest die Safe-Action Abzüge von Walther und Glock bei 2,6 und 2,8 kg lagen und der Double-Action-Abzug der Heckler & Koch vorgespannt bei 1,8 kg auslöste.

Das einreihige Stahlblechmagazin der P 938 nimmt sechs Patronen auf. Es ist sauber gefertigt und springt nach Druck auf den Auslöser selbsttätig aus dem Griffstück. Auch das Befüllen bis zur letzten Patrone geht ohne übermäßigen Kraftaufwand. Leider wird kein Reservemagazin mitgeliefert.

Ausführung Rosewood
Den Modellnamen verdankt unsere P 938 ihren Griffschalen aus Rosenholz, die mit scharfer Fischhaut versehen sind und in einem Medaillon beidseitig den Herstellernamen tragen – optisch sehr gelungen und dazu noch griffig.

Sig Sauer bietet die P 938 in vier Varianten an, je nach Griffschale und Oberflächenbeschichtung: Die Rosewood hat eine mattschwarze Oberflächenbeschichtung des Schlittens und des Griffstückes. Der Schlitten hat einen Black Nitron-Überzug – eine hochmoderne PVD-Beschichtung (Physical Vapour Deposition, physik. Gasphasen-Abscheidung).

Dafür wird Metall verdampft – Objekte, die diesem Dampf ausgesetzt sind, werden beschichtet, indem sich das verdampfte Material darauf ablagert. PVD-Schichten sind nur wenige Mikrometer dick, besitzen dabei allerdings eine sehr hohe Oberflächenhärte.

Daraus ergibt sich ein hoher Verschleißschutz. Damit keine unerwünschten Reaktionen mit der Luft entstehen, findet der Beschichtungsprozess in einer Vakuumkammer statt. Weiterer Vorteil der Black Nitron-Beschichtung ist die Verhinderung von Reflexionen durch Kunst- oder Sonnenlicht.

Das Leichtmetallgriffstück ist matt harteloxiert. Damit hat die P 938 einen sehr guten Oberflächenschutz gegenüber Korrosion und ist wenig empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung – Kratzer gibts da so schnell keine.

Bei der Verarbeitung der kleinen Pistole gibt es nichts zu bemängeln, auch der US-Ableger liefert eine sehr hohe Qualität. Schlittenspiel ist kaum fühlbar, der Lauf ist innen spiegelblank und das Patronenlager sehr gut poliert.

Für Oberflächenschutz und Verarbeitungsqualität bekommt die P 938 damit volle 10 Punkte.

Gretchenfrage: Wie schießt das kleine Ding?
Nach Jagdpraxis-Testkriterien wurden zunächst 100 Patronen zur Überprüfung der Funktions­sicherheit verschossen – in diesem Fall 40 Geco Vollmantel, 40 Fiocchi Vollmantel und 20 Speer Gold Dot. Die Speer als Sieger des Vergleichs Fangschusspatronen 9 mm Luger (JP 2) diente uns als Referenzpatrone in diesem Kalibersegment.

Die P 938 leistete sich keine einzige Störung und funktionierte mit allen drei Sorten problemlos. Offenbar wurde bei der Konstruktion sehr gute Arbeit geleistet. Das breite Auswurffenster und der fast horizontale Zuführungswinkel aus dem Magazin gewährleisten einen weichen und reibungsarmen Durchlauf. Dafür erhält die Testwaffe volle 10 Punkte.

Gemäß unseren Testkriterien wurde die Präzision auf 15 m von der Sandsackauflage mit drei Patronensorten ermittelt und mit jeder Sorte zwei 5 Schussbilder geschossen. Für den Präzisionstest wurden ausschließlich leistungsstarke Hohlspitzpatronen verwendet, wie sie auch zum Fangschuss zum Einsatz kommen. Wir haben die gleichen Patronen verwendet wie im Vergleichstest im Heft 2.

Bestes Ergebnis war ein 5-Schuss-Streukreis von 31 mm mit Remingtons Golden Saber 124 grs, das reicht nach den Testkriterien für 9 von 10 Punkten. Die Pistole schoss auf 15 m genau Fleck, was für eine sehr gute Justierung ab Werk spricht.

Dabei spielt natürlich auch die verwendete Patrone eine Rolle, aber in etwa sollte es schon stimmen. Im Rahmen der Funktions- und Präzisionsprüfung wurden auch die Gestaltung des Griffstückes und die Auslegung der Bedienelemente untersucht und bewertet.

Wie anhand der mikrokompakten Abmessungen nicht anders zu erwarten, gehts dabei ziemlich eng zu – der kleine Finger passt nicht mehr ans Griffstück und muss unter den Magazinboden.

Sig Sauer P 938 Magazin im Griff
Das Magazin schließt bündig mit dem Griffstück ab.

 

Der Abstand zum Abzug ist gut und der ausgeprägte Griffsporn in Beavertailform sorgt für eine erstaunlich gute Handlage. Er verhindert auch, dass man die Pistole versehentlich zu hoch fasst und der zurückgleitende Schlitten die Hand verletzt.

Bei allem sollte nicht vergessen werden, dass bei der P 938 als „Back-up“-Waffe Unauffälligkeit statt perfekter Ergonomie gefragt ist. Der Schlitten hat gut greifbare Fräsungen, die den Durchladevorgang der unterladenen Pistole sehr einfach machen. Auch der Abzug ist vertikal gerillt.

Das erhöht den Grip mit schweißnassen Fingern. Der Sicherungsflügel ist praxisgerecht justiert. Die Bedienung erfordert ausreichend Kraft, um nicht versehentlich zu entsichern, es geht aber trotzdem schnell und flüssig.

Die Sicherung rastet sauber ein. Zum Auslösen des Verschlusses über den Schlittenfanghebel braucht man allerdings wirklich kräftige Finger, den Schlitten etwas zurückzuziehen und dann die Verschlussfeder wirken zu lassen, ist wesentlich angenehmer.

Im Schuss verhält sich die kleine Pistole sehr gutmütig – sie ruckt mit starken Patronen zwar ordentlich nach oben, doch schnelle Dubletten sind rückstoßmäßig kein Problem. Stattdessen verhindert der überharte Abzug gute Treffer wesentlich deutlicher.

Sig Sauer P 938 Griffschalen
Den schönen Griffschalen aus Rosenholz verdankt die  P 938 ihren Modellnamen
„Rosewood“.

 

Das Griffstück ist auch gut abgerundet und „beißt“ nicht in die Hand. Was fehlt, ist die Möglichkeit, das Griffstück an die eigene Handgröße anzupassen – etwa durch austauschbare Griffrücken. Die Tester gaben der P 938 daher 12 von 15 möglichen Punkten für das Griffstück.

Obwohl die Leistung mit der Testmunition nicht mit Punkten bewertet wird, haben wir auch bei diesem Test ermittelt, wie der Lauf die Munition umsetzt. Die Mündungsgeschwindigkeit des 76-mmLaufs wurde gemessen – und daraus die Mündungsenergie errechnet.

Die P 938 hat einen noch kürzeren Lauf als die kompakten Pistolen aus JP 1 (kürzeste Lauflänge 81 mm/Walther PPS). Die noch mal 5 mm geringere Lauflänge der P 938 wirkt sich kaum aus, es bleibt noch reichlich Leistung übrig.

Sauer P 938 Lauf
Der Lauf ist nur 76 mm lang. Zieht man die Patronenlänge ab, bleibt nicht mehr viel Führung übrig.

 

Endabrechnung
Die Hauptkriterien wurden bereits bewertet. Die volle Punktzahl bekommt die Sig Sauer für Verarbeitung und Korrosionsschutz sowie die Funktionssicherheit. Bei Präzision und Visierung wurden jeweils 9 Punkte erreicht. Das Griffstück ist für eine so kleine Waffe nicht schlecht und konnte 12 Punkte einfahren.

Der Abzug dagegen konnte nicht begeistern und erhielt lediglich 5 Punkte. Auch die Zerlegbarkeit zum Reinigen ist für eine moderne Pistole nicht mehr zeitgemäß und erhielt nur 6 Punkte.

Die Bedienelemente sind gut platziert und mit normal großen Händen leicht erreichbar. Schlittenfang und Magazinauslöser sind aber nur einseitig vorhanden. Das gibt jeweils einen Punkt Abzug, sodass hier noch 8 Punkte auf dem Zettel stehen.

Preis-Leistungs-Verhältnis
Die kleine Sig Sauer kostet 999 € – nicht gerade wenig, auch wenn die Verarbeitung erstklassig ist und ihr Design 1911-Liebhaber begeistern wird. Dazu ist das Zubehör ziemlich dürftig: Kunststoffkoffer, Bedienanleitung (nur in Englisch) und ein Schloss – abschließende Aufzählung. Zumindest ein Reservemagazin wäre schon schön gewesen bei dem Preis.

Mehr als 6 Punkte sind da nicht drin, damit kommen wird auf folgendes Endergebnis
Mit 80 von 100 Punkten bekommt Sig Sauers P 938 die Gesamtbewertung gut (zwei Lupen). Dass es nicht mehr wurden, liegt auch daran, dass die ultra-kompakte Taschenpistole ein Klassiker für Liebhaber ist – bei einem Griffstück im 1911-Stil wären austauschbare Rücken ein Stilbruch, nach unseren einheitlichen Bewertungskriterien müssen wir dafür aber Punkte abziehen.

Auf der Habenseite dieser kleinen Pistole stehen da­gegen hervor­ragende Präzision, erstklassige Funk­tionssicherheit und tolle Verarbeitung. Das lässt sich Sig Sauer aber auch gut bezahlen.

Fazit: Sauers P 938 ist eine optisch gelungene Taschenpistole in einem wirkungsvollen Kaliber, deren Mini-Abmessungen die Kompaktpistolen aus Jagdpraxis 1/2013 locker schlagen.

Selbstladepistolen Kompakt-Klasse - So haben wir gewertet
Die Waffen durchlaufen ein festgeschriebenes Test­programm, maximal sind 100 Punkte erreichbar, die sich aus folgenden Einzelprüfungen addieren:

Funktions- und Handhabungs­sicherheit (max. 15 Punkte) Die sichere Funktion und Handhabung ist für Fang­schusswaffen von ausschlaggebender Bedeutung und wird mit einem hohen Stellenwert bedacht. Hier sind maximal 15 Punkte erreichbar, 10 davon entfallen auf die störungsfreie Schussfolge.

Dazu werden aus jeder Waffe 100 Patronen verschossen, jeweils die maximale Magazinkapazität im Schnellfeuermodus. Für jede Zuführungs- oder Auswurfstörung wird ein Punkt abgezogen, bei ungewöhnlich vielen Störungen wird die Munition gewechselt, darauf wird im Testbericht aber gesondert hingewiesen.

5 Punkte werden für die Handhabungssicherheit vergeben, dabei kommt es darauf an, ob die Möglichkeit einer ungewollten Schussauslösung besteht und die Sicherungseinrichtung ihre Funktion erfüllt. Einen Punktabzug kann es aber auch geben, wenn die Waffe „übersichert“ ist, also bis zum Schuss zu viele Handgriffe notwendig sind.

Sig Sauer P 938 Zuführung
Die Patronenzuführung erfolgt sehr geradlinig,  was zur guten Funktionssicherheit der Pistole beiträgt.

 

Präzision (max. 10 Punkte) Bei Kompaktpistolen wird die Präzisionsprüfung nur mit maximal 10 Punkten gewichtet, denn diese Waffen sind für die kurze Distanz gedacht und nicht zum präzisen Schießen auf weitere Entfernungen.

Geschossen wird auf 15 m, da sich Modelle mit Polymergriffstück in der Ransom-Rest nicht einspannen lassen, wird zur Vergleichbarkeit aller Waffen von der Sandsackauflage getestet.

Gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schusslöcher einer Fünfergruppe. Die volle Punktzahl ist abhängig vom Kaliber und ermittelt sich bei Kompaktpistolen aus dem dreifachen Kaliberwert. Kaliber 9 mm somit bis 27 mm, .40 bis 30 mm und .45 bis 36 mm.

Jeweils 5 mm mehr Streukreisdurchmesser kosten 1 Punkt Abzug. Die Präzision wird mit drei verschiedenen Patronensorten ermittelt, mit jeder Sorte werden zwei Schussbilder geschossen. Gewertet wird das beste der sechs Schussbilder.

Sig Sauer P 938 Schussleistung

 

Abzugs-Charakteristik (max. 10 Punkte) Dabei spielt nicht nur das gemessene Abzugs­gewicht eine Rolle, sondern auch die gefühlte Wahrnehmung beim Abziehen – steht der Abzug trocken, hat er Vorzug, hakelt er, oder fällt er nach dem Schuss durch?

Die Bewertung erfolgt je nach Abzugssystem. Beim Gewicht ist ein Single- nicht mit einem Safe-Action-Abzug vergleichbar. Daher wird ein geringes Abzugsgewicht beim Safe-Action-Abzug oder einem DAO-Abzug höher bewertet. Der Abzug ist bei Pistolen ausschlaggebend, um die Präzision auch umzusetzen. Ihm wird daher entsprechende Bedeutung zugemessen.

Zerlegbarkeit zum Reinigen (max. 10 Punkte) Die Bewertung spiegelt den Komfort wider, den eine Waffe nach dem Einsatz bietet. Lässt sie sich leicht und ohne Werkzeug zerlegen, ist der Zusammenbau einfach und ohne „Fingerübungen“ möglich, fallen Kleinteile an, die man verlieren kann, wie lange dauert das Zerlegen?

Die volle Punktzahl erreicht eine Pistole, die sich ohne Kraftaufwand und ohne Werkzeug schnell und einfach zerlegen und zusammenbauen lässt.

Visierung (max. 10 Punkte) Erlauben Kimme und Korn eine schnelle Zielauffassung, bieten sie ein kontrastreiches Visierbild, ist die Visierung höhen- und seitenverstellbar, wie robust ist es, erlaubt es eine schnelle Zielauffassung, bietet es ein kontrastreiches Visierbild?

Ein kontrastreiches, voll verstellbares Visier, das unempfindlich gegen Schläge und Stöße ist, erhält die vollen 10 Punkte. Je 2 Punkte Abzug bringen mangelnder Kontrast, keine Seiten- oder Höhenverstellung (bei austauschbarem Korn nur 1 Punkt), zu enge oder zu weite Kimme, bei mangelnder Robustheit werden 3 Punkte abgezogen.

Gestaltung des Griffstücks (max. 15 Punkte) Bei Fangschusswaffen messen wir dem Griffstück große Bedeutung bei. Nur bei richtiger Handlage kann mit einer Pistole schnell und treffsicher geschossen werden.

Volle Punktzahl bekommt eine Pistole, deren Griffstück an verschiedene Hand­größen anpassbar ist, über eine rutschsichere Oberfläche verfügt, so ausgebildet ist, dass sich die Waffe im Schuss weder dreht noch vorstehende Kanten oder Ecken hat, die beim Schießen schmerzhafte Druckstellen verursachen – für jedes Negativmerkmal werden 3 Punkte abgezogen.

Bedienelemente (max. 10 Punkte) Alle Hebel wie Abzug, Sicherung, Entspannhebel, Schlittenfanghebel und Magazinauslöser müssen mit normal großen Händen bequem erreichbar sein und sich leicht, aber nicht zu leicht bedienen lassen.

Dazu sollten sie so platziert sein, dass eine ergo­nomische Bedienung möglich ist. Bei modernen Pistolen sollten zumindest die wichtigsten Bedien­elemente (Sicherung, Schlittenfang, Magazinauslöser) beidseitig vorhanden sein.

Für jedes Bedienelement, das nicht optimal und leicht bedienbar ist, werden 2 Punkte abgezogen. Ist ein Bedienhebel (Ausnahme: Demontagehebel) nur einseitig vorhanden, wird dafür 1 Punkt abgezogen.

Verarbeitung (max. 10 Punkte) Diese Bewertung geht auf die Qualität der verwendeten Materialien, die Passung der Bauteile und das Finish ein. Außerdem fließt der Schutz gegen Korrosion in die Bewertung ein.

Preis-Leistungs-Verhältnis (max. 10 Punkte) Hier wird beurteilt, ob Verarbeitung, Ausstattung und Leistung dem Preis entsprechen. Auch mitgeliefertes Zubehör wie Werkzeug, Reservemagazine oder Putzzeug spielt hier eine Rolle.

Sig Sauer P 938 Urteil