Lesezeit
2 minutes
Bisher gelesen

Test: Mauser M18

Fr., 12.07.2019 - 14:49
Erstellt in
Kommentare

US-Hersteller wie Remington, Ruger, Savage oder Winchester bieten brauchbare Repetierer ab 600 € mit Einsteckmagazin und Direktabzug. Mit solchen Kampfpreisen tun sich deutsche Hersteller naturgemäß schwer – Mausers M 12 oder Sauers 101 lagen in preisgünstigster Ausführung immer noch über 1.600 €. Aus Isny kam mit der M 18 ein Modell für 895 €. Norbert Klups hat den deutschen Volks-Repetierer für uns getestet.

Bei der Ausstattung sind Sonderwünsche so gut wie nicht möglich. Die M 18 gibt's ausschließlich mit schwarzem Kunststoffschaft, ohne Visier oder Linkssystem, lediglich ein Mündungs­gewinde ist gegen Aufpreis verfügbar. Die Kaliber­auswahl ist dagegen erfreulich groß.

Das Stahlsystem verriegelt über drei große Warzen, der Öffnungswinkel von 60 Grad erlaubt flache Zielfernrohrmontagen. Die Systemoberseite passt für preis­günstige Montagen (Remington 700), die Jagdpraxis-Testwaffe war mit der hauseigenen HexaLock Montage ausgestattet.

Die Kammer läuft erstaunlich weich und hat nur geringes Spiel. Die M 18 lässt sich dadurch im Anschlag sehr schnell repetieren, zumal der Kammerstengel griffgünstig in Abzugshöhe endet.

Mauser M18 Sicherung
Die Dreistellungs-Sicherung wirkt auf den Abzugs­stollen, auf dem System die Sockel der HexaLock-Montage.

 

Ausgelöst wird über einen verstellbaren Direktabzug, der sich zwischen 1.000 und 2.000 g justieren lässt. Bei unserer Testwaffe stand er auf knapp 1.100 g und löste ohne spürbaren Weg trocken aus – für diese Preisklasse ein Top-Abzug, wenn man bedenkt, dass ein Nachrüstabzug für 98er in dieser Qualität allein schon rund 250 € kostet.

Sicherung nicht optimal
Die Sicherung rechts neben dem Schlöss­chen hat drei Stellungen – hinten ist der Abzugsstollen blockiert und die Kammer gesperrt, in Mittelstellung lässt sich die Kammer bei gesichertem Abzug öffnen, ganz vorn ist Feuer frei.

Eine Abzugs­stollen-Sicherung gilt zwar nicht gerade als besonders sicher, doch in dieser Preisklasse bekommt man selten Besseres. Für Ansitzjäger sicher kein Problem, bei der Pirsch in schwierigem Gelände ist allerdings Vorsicht angesagt, zumal die Sicherung unserer Testwaffe sehr leichtgängig war – etwas nach vorn gedrückt, schnappte sie mit deutlichem Klacken in die Entsichert-Stellung.

Vor dem Schuss ist Fingerspitzen­gefühl nötig, um keine lauten Geräusche zu verursachen – führt man den kleinen Schieber mit aufgelegtem Finger nach vorn, geht's auch lautlos. Eine Spannanzeige informiert über den Zustand der Kammer.

Das Kunststoff-Magazin nimmt fünf Standard- oder vier Magnum-Patronen auf. Die Entriegelungstaste liegt in einer Vertiefung vor dem Magazin, unbeabsichtigtes Auslösen ist damit nahe­zu unmöglich.

Mauser M18 Magazin
Das Kunststoff-Einsteckmagazin fasst 5 Patronen.

 

Kunststoffschaft mit rutschsicheren Einlagen
Der schwarze Polymerschaft hat an Pistolengriff und Vorderschaft Gummi-Einlagen, die für Rutschsicherheit sorgen. Er ist rustikal verarbeitet, die Gussnähte sind noch gut zu sehen. Der Hinterschaft ohne Backe passt zur Not auch Linkshändern, die sich mit dem Rechtssystem anfreunden können.

Einen kleinen Gimmick hat man sich trotz aller Sparzwänge aber doch erlaubt – drückt man auf die Mausertonnen im Hinterschaft, lässt sich die Gummikappe abziehen, dahinter liegt ein kleines Stau­fach für Reservepatronen oder Putzzeug.

Mauser M18 Schaftkappe
Hinter der abnehmbaren Schaftkappe verbirgt sich ein kleines Zubehörfach.

 

Auf dem Schießstand
Unsere Testwaffe im Kaliber .30-06 kam mit 56 cm-Standardlauf und 17 mm Mündungsdurchmesser, darauf war ein Zeiss Conquest V 6 2,5 - 15 x 56 montiert. Interessant ist Mausers Präzisions-Garan­tie: 5 Schuss auf 100 m unter 3 cm, natür­lich nicht mit jeder Laborierung, man muss schon etwas probieren.

Wir haben mit sechs Patronen verschiedener Hersteller geschossen, mit zwei Laborierungen schoss unsere Testwaffe die garantierten Streukreise: Hornadys Precision Hunter (178 grs. ELD-X) lag bei 2,6 cm, RWS leichte EVO Green (136 grs.) war mit 2,8 cm nur unwesentlich schlechter.

Die anderen Laborierungen lagen zwischen 3 und 4 cm – jagdlich völlig ausreichend. Die M 18 zeigt eine sehr gute Munitionsverträglichkeit, mit passenden Laborierungen sogar erstklassige Präzision.

Mauser M18 Mündung
Optional ist ein Mündungsgewinde erhältlich.

 

Resümee
Trotz Stahlbauweise wiegt die M 18 unter drei Kilo und ist mit 106 cm Gesamtlänge auch sehr handlich – für 895 € ein robuster, sehr präziser und funktions­sicherer Repetierer zum erstaunlich günstigen Preis.

Der Abzug ist sehr gut, auch der Schloss­gang kann sich sehen lassen. Die Abzugsstollen-Sicherung muss man mit Bedacht bedienen, wenn es lautlos gehen soll. Damit muss man in dieser Preisklasse genauso leben wie mit dem Kunststoffmagazin und fehlenden Ausstattungsoptionen.

Mauser hat einen schnörkellosen, puristischen Repetierer konstruiert und alles weggelassen, was nicht unbedingt gebraucht wird und den Preis in die Höhe treibt. Damit ist die M 18 das genaue Gegenteil einer Herrenwaffe – eben ein Volks-Repetierer.

Mauser M18 Technische Daten