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Test: Browning X-Bolt Pro Hunter

Fr., 14.06.2019 - 13:35
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Mit der X-Bolt brachte Browning einen modernen Repetierer, der in Japan bei Miroku gefertigt wird und in der unteren Preisklasse angesiedelt ist. Die neue Pro-Serie ist für höhere Ansprüche gedacht und hat optisch wie technisch eine Menge zu bieten. Norbert Klups hat die Hunter Grade 5 getestet.

Die X-Bolt Pro Serie umfasst drei Modelle, die sich hauptsächlich beim Schaft unterscheiden – die Jagdpraxis-Testwaffe Hunter Grade 5 kam mit edlem Holzschaft (Klasse 5/6), die Pro Carbon kommt mit einem Schaft aus leichter Kohlefaser, das Long Range Modell ist mit einem vielfältig verstellbaren GRS-Schaft ausgestattet.

Die Kaliber-Palette ist übersichtlich – die Carbon ist in .243, .308, 6,5 CM, .270, .30-06 und 7 mm RM zu haben, die Long Range nur in .308 und 6,5 CM und die Hunter in .243, .308, .30-06 und .300 WM.

X-Bolt Pro Hunter Grade 5
Die Pro Hunter ist eine auffällige Erscheinung – die schlanke Büchse besticht durch edles Schaftholz, auffällige Kannelierung an Lauf und Kammer und die graue Wolfram Cerakote-Beschichtung der Metallteile, eine interessante Mischung aus Klassik und Moderne.

Doch auch im Innern finden sich interessante Details wie ein handgeläppter Lauf und eine aufwändige Systembettung. Das System selbst entspricht technisch der normalen Serie.

Die X-Bolt ist ein klassischer Kammerverschluss-Repetierer, der über drei große Warzen am Kammerkopf verriegelt, gefederte Auszieherkralle und Ausstoßer sind ebenfalls im Kammerkopf angeordnet.

Die Kammer wird über eine mittig angeordnete Führungswarze im Verschluss geführt und läuft sehr sauber und verkantungsfrei. Der Öffnungswinkel beträgt nur 60 Grad, was sehr flache Montagen erlaubt.

Browning X-Bolt Pro Hunter Schiebesicherung
Schiebesicherung auf dem Kolbenhals – die Kammer lässt sich über die Taste am Fuß des Stengels auch im gesichertem Zustand öffnen.

 

Das gespannte Schloss ist an der nach hinten herausragenden, roten Schlag­bolzenmutter gut zu erkennen. Der Sicherungsschieber liegt griffgünstig auf dem Kolbenhals und sperrt im gesicherten Zustand auch die Kammer.

Um eine Patrone aus dem Lauf zu repetieren, ist ein Entsichern nicht nötig, mit einer Drucktaste auf der Oberseite des Kammer­stengels lässt sich die Kammer auch im gesicherten Zustand öffnen. Die Kammer ist spiralförmig geflutet, was zwar etwas Gewicht spart, aber hauptsächlich optische Bedeutung hat.

Auch der tonnenförmige Kammerknopf ist so geflutet. Das System läuft leicht und geschmeidig, es lässt sich leicht repetieren.

Im flachen Kunststoff-Einsteckmagazin sind vier Patronen (Magnum: 3) halbkreisförmig gelagert. Die Funktion ist sehr sicher – die Zuführung erfolgt mittig, die oberste Patrone liegt stets hinterm Lager und wird gerade hineingeschoben. Das flache Magazin macht eine geringe Bauhöhe in der Büchsenmitte möglich.

Montage im Lieferumfang
Der trocken stehende Flintenabzug (Super Feather-Trigger) hat keinen spürbaren Weg und löst sehr sauber und gleich­mäßig aus, Über- oder Totweg gibt es nicht. Das verstellbare Abzugsgewicht war bei unserer Testwaffe auf 800 g justiert – ein Abzug mit Matchqualität.

Die flach gehaltenen Hülsenbrücken sind bereits mit Gewindelöchern für die Zielfernrohrmontage versehen. Bei den Pro Modellen ist die Montage im Lieferumfang enthalten – ebenfalls mit grauer Wolfram Cerakote-Beschichtung.

An der Talley-Festmontage gibt es nichts zu verstellen oder justieren: Unterteile und untere Halbringe sind aus einem Stück gefertigt, die obere Hälfte der 30er Ringe wird mit zwei Schrauben befestigt – eine extrem robuste Montage, mit der es kaum Probleme geben wird.

Allerdings ist ein schneller Wechsel von Ansitzglas zu Drückjagd-Optik nicht möglich. Dazu müsste man alles auseinander bauen, denn die Schrauben der Montagesockel liegen unterm Mittelrohr des Zielfernrohres. Man muss also zunächst das Zielfernrohr aus den Ringen nehmen, um die Montage wechseln zu können.

Alternativ bleiben natürlich Montagen anderer Hersteller, die einen schnellen Wechsel der Zieloptik erlauben. Die sind aber nicht grau mit Wolfram-Cerakote beschichtet. Farblich passend zu Waffe und Montage fertigt Brownings Haus-Zielfernrohrmarke Kite Sondermodelle, die Jagdpraxis-Testwaffe von Importeur Manfred Alberts wirkte mit einem Kite 2 - 12 x 50 mit Leuchtabsehen wie aus einem Guss.

Browning X-Bolt Pro Hunter Mündungsgewinde
Kannelierter Lauf mit Mündungsgewinde für Schalldämpfer – eine Abdeckkappe gehört natürlich auch dazu.

 

Handgeläppter Lauf
Läppen nennt sich ein Verfahren, das man sonst nur bei teuren Matchwaffen findet – nach dem Ziehen/Hämmern verbleiben im Lauf Bearbeitungsspuren, die sich durch aufwändiges Polieren entfernen lassen.

Der Lauf wird dadurch geglättet, was neben einer besseren Präzision vor allem den Vorteil hat, dass sich deutlich weniger Geschossmaterial im Inneren ablagert. Die Reinigungsintervalle sind größer, abgelagertes Kupfer oder Tombak lässt sich leichter entfernen – praktisch für Putzmuffel.

Wir gaben aus der Testwaffe (.30-06) 60 Schuss der neuen Winchester Laborierung Extreme Copper Impact mit bleifreiem Kupfergeschoss ab. Danach fanden sich im Lauf nur minimale Rückstände, die sich mit zwei Reinigungsdurchgängen (Robla Solo Mil) leicht entfernen ließen.

Auch die Präzision war beeindruckend: fünf Schuss ergaben auf 100 m aus dem Schießgestell einen Streukreis von 21 mm – sehr gut für eine Jagdbüchse, die an der Mündung gerade mal 15,5 mm dick ist.

Der 56 cm-Lauf (Magnum: 61 cm) ist mit sechs eingefrästen Rillen kanneliert und verfügt über ein Mündungsgewinde M 14 x 1. Das metrische Gewinde zeigt, dass Browning diese Modelle gezielt für den europäischen Markt konzipiert hat. Eine Abdeckkappe ist installiert.

Gelungene Schäftung
Der Schaft ist aus sehr gutem, rötlich wirkendem und auffällig gemasertem amerikanischem Nussbaumholz. Die Ober­fläche ist ölgeschliffen, sorgfältig poliert und zeigt einen leichten Glanz – weder hochglänzend noch matt. Der Rücken verläuft gerade und der Pistolengriff ist handfüllend rechtsseitig verdickt.

Abgeschlossen wird der Schaft nicht mit einer einfachen Gummikappe – durch die sog. Inflex Technologie soll der Schaft beim Schuss vom Gesicht nach unten geführt werden.

Dieser Effekt konnte bei einem Standardkaliber wie .30-06 nicht sehr ausgeprägt festgestellt werden, bei rückstoßstarken Magnums mag das anders sein. Auf jeden Fall ist die Kappe schön weich und dämpft sehr gut.

Der schlanke Vorderschaft endet in einer Rosenholz-Nase, die durch eine silberne Metallzwischenlage optisch vom Nussbaumschaft getrennt wird. Auch das Pistolengriffkäppchen besteht aus Rosenholz. Vorderschaft und Pistolengriff sind mit Fischhaut verschnitten – griffig, aber nicht wirklich scharf.

Dafür wurde bei der Systembettung hoher Aufwand betrieben. Unter der vorderen und hinteren Hülsenbrücke ist ein Kunststoffbett in den Schaft eingebracht, das als genaues Negativabbild der System­unterseite dafür sorgt, dass dieses spannungsfrei im Schaft liegt.

Browning X-Bolt Pro Hunter Schaftbettung
Der Schaft ist mit einem Systembett aus Kunstharz versehen – ein Ausstattungs-Detail, das man sonst nur bei Premium-Waffen findet.

 

Einen solchen Feinschliff kann man nur in Handarbeit machen, was zeigt, dass Browning eine Menge Aufwand treibt, um diese Büchsen zu perfektionieren. Weniger praktisch ist die Platzierung des vorderen Riemenbügels hinter der Schaft­nase im Vorderschaft – viel zu weit hinten für ein bequemes Tragen am Riemen über der Schulter.

Resümee
Brownings X-Bolt Pro Hunter Grade 5 ist ein sehr führiger und hochpräziser Jagd-Repetierer, dazu optisch ein Leckerbissen. Man bekommt eine schlanke, elegante Büchse mit weichem Schlossgang, Einsteckmagazin, Schiebesicherung auf dem Kolbenhals, manueller Kammerentriegelung im gesicherten Zustand, wetterfester Cerakote-Beschich­tung und einen erstklassigen Abzug.

Die farblich passende Zielfernrohrmontage wird gleich mitgeliefert. Dafür sind 1.999 € in Anbetracht des guten Holzes, des handgeläppten, kannelierten Laufes und der aufwendigen Systembettung durchaus angemessen.

Auch das Modell mit Carbon-Schaft ist mit 2.290 € erstaunlich günstig – ver­glichen mit einer Sako 85 Carbonlight (3.400 €) oder der neuen Steyr Carbon CL 2 (4.800 €).