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DNA-Test: Wölfe reißen Pferde

Di., 30.06.2020 - 11:15
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Nun ist amtlich, was Experten bereits befürchtet hatten: Die getöteten Hannoveraner Pferde sind von Wölfen aus dem Rodewalder Rudel gerissen worden.

Anfang vergangener Woche wurden im Landkreis Nienburg zwei Hannoveraner Pferde gerissen, die mit acht weiteren Tieren auf einer Weide standen. Von diesen wurde ein weiteres Pferd verletzt, sodass noch unklar ist, ob es eingeschläfert werden muss.

DNA-Test liegt vor
Nach Auswertung einer DNA-Analyse steht jetzt fest: Das Rodewalder Rudel hat seine Jagd auf große Huftiere wieder aufgenommen. In allen Speichelproben waren je mindestens zwei Individuen des Rudels nachweisbar.

Ein direkter Nachweis einzelner Individuen, wie zum Beispiel des Rodewalder Rüden (GW717m), war dagegen nicht möglich. Für GW717m galt bis Ende März dieses Jahres eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Entnahme, nachdem ihm eine Vielzahl von Weidetieren, darunter auch Rinder, zum Opfer gefallen war.

Die Genehmigung lief aus, nachdem es in den vergangenen Monaten nicht mehr zu gemeldeten Rissen auf ausreichend geschützte Weidetiere durch GW717m kam.

Befürchtung wahr geworden
„Dennoch ist nun eingetreten, was wir immer befürchtet haben: Der Rodewalder Rüde hat sein problematisches Jagdverhalten nicht eingestellt, sondern übt offenkundig seine Techniken zur Tötung großer Huftiere mit seinen Nachkommen weiter ein“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Besondere Fähigkeiten vererbt
Das bedeutet also, dass der bereits mehrfach aufgefallene Wolf (GW717m) seine Kentnisse bereits an seine Nachkommen im Rudel weitergegeben hat. Eine Situation, die eigentlich verhindert werden sollte.

Kritik an Wolfsfreunden
„Nicht zuletzt durch die vielfältigen Behinderungen der Entnahme durch falsch verstandene Wolfsfreunde im letzten Jahr konnte der Problemwolf nicht getötet werden“, so der Minister.

Lage, Rissbild und daraus abgeleitet die angewandte Jagdtechnik beim letzten Vorfall sind mit den bisherigen Rissaktivitäten von GW717m identisch. Da es sich bei dem Rodewalder Rudel um eine genetisch ähnliche Fortpflanzungsgemeinschaft handelt, konnten keine spezifischen Individuen nachgewiesen werden.

Es ist lediglich klar, dass in allen Proben zumindest ein Tier auch männlich war. Die Frage, ob zudem noch weibliche DNA vorhanden ist, lässt sich nicht sicher beantworten.

Minister will jetzt Wölfe töten lassen
„Wir werden jetzt schnellstmöglich prüfen, ob und wie viele Ausnahmegenehmigungen zu erteilen sind“, so Minister Lies, „um Tiere aus dem Rudel zu töten.

Der Minister befürchtet, dass die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung rapide sinkt, wenn Angriffe auf Weidetiere nicht unterbunden werden. Zumindest können nach der Anpassug des Bundesnaturschutzgesetzes auch mehrere Tiere eines Rudels getötet werden – nacheinander und bis zum Ausbleiben von Schäden für die Weidetierhaltung.

Rechtssicherheit gewährleistet
Auch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat bestätigt, dass Wölfe, die Herdenschutzzäune überwinden, nicht geduldet werden müssen. Weidetierhalter müssen ihre Tiere schützen, aber nicht in einen Rüstungswettlauf mit immer höheren und aufwendigeren Zäunen eintreten.

Auch die Anschaffung von Herdenschutzhunden wird vom Gericht nicht als geeignete Alternative zum Abschuss betrachtet.

„Durch den Beschluss können wir jetzt mit der bereits angeschobenen Maßnahme weitermachen und bleiben handlungsfähig, wenn es um die Tötung einzelner Problemwölfe geht“, so Umweltminister Lies.

Da die Ausnahmegenehmigung bis Ende des Monats Juni befristet ist und aktuell keine weiteren Rissvorfälle gemeldet wurden, ist von einem Abschuss bis zum Fristende jedoch kaum mehr auszugehen. Sollte es zu weiteren Vorfällen kommen, würde unverzüglich eine neue Ausnahme geprüft und auf den Weg gebracht.