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Vergleichstest: Mittelklasse-Repetierer

Do., 27.06.2019 - 09:53
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Repetierer aus deutscher Qualitätsfertigung kosten ohne Optik und Montage oft schon knapp 3.000 Euro. Die Mittelklasse-Modelle Sauer 101 und Mauser M12 sind da interessante Alternativen. Jagdpraxis hat sie mit der Tikka T3 und der Haenel Jaeger 10 verglichen. Aus Jagdpraxis 4/2013.

Repetierer sind weltweit die meistverwendeten Jagdwaffen, wenn es um den Kugelschuss geht. Darunter finden Jäger eine Auswahl, die riesig, um nicht zu sagen unübersichtlich ist. Die Spanne reicht von ausgesprochenen Billigwaffen für gerade mal 400 € bis zu handgefertigten Custom-Büchsen zum Gegenwert eines Mittelklassewagens.

Zum Waffenpreis kommen selbstredend noch die Kosten für Zieloptik und Montage. Auch dabei bewegen wir uns in einem sehr großen Preisrahmen. Die Ansprüche beim Kauf eines Jagdrepetierers sind höchst unterschiedlich und hängen auch stark von den Gegebenheiten des Landes ab, in dem man seine Büchse führt.

Amerikanische Jäger sehen ihre Rifle zum großen Teil als reines Werkzeug und geben nicht viel Geld dafür aus. In Europa sieht das schon etwas anders aus, speziell in Deutschland und Österreich sind Billigwaffen nicht unbedingt Verkaufsschlager.

Hierzulande legt man Wert auf Bedienkomfort. Ein guter Abzug und ordentlich gemasertes Schaftholz sind weitere Kauf­anreize. Kein Wunder also, dass sich gerade im deutschsprachigen Raum eine ganze Menge Waffen­hersteller der Oberklasse tummeln – Blaser, Mauser, Heym, Sauer, Merkel und Steyr Mannlicher haben ein gut sortiertes Programm erstklassiger Repetierer, die kaum Wünsche offen lassen.

Aber auch bezahlt werden wollen – dafür werden Preise von deutlich über 2.000 € aufgerufen, und wenn die Waffe mit Montage und Zieloptik revierfertig ist, hat sich dieser Preis leicht verdoppelt.

Viele Jäger sehen sich daher nach preisgünstigeren Alternativen um, ohne dafür gleich ins Billig­segment gehen zu wollen. Gefragt ist die Mittelklasse, die gut aussieht, solide verarbeitet und technisch auf hohem Stand ist. Preislich reden wir dabei von Büchsen, die zwischen 1.200 und 1.800 € kosten, einen Nussbaumschaft haben und möglichst mit Einsteckmagazin ausgestattet sind.

Verzichten muss man in dieser Preisklasse auf eine Handspannung und die Möglichkeit, den Lauf zu wechseln. Dass damit auch vor der eigenen Haustür gute Geschäfte zu machen sind, bemerkten auch die großen Namen im Repetierer-Geschäft – so waren auf der letzten IWA gleich zwei davon zu sehen – von Mauser und Sauer.

Die gut aufgestellte Marketingabteilung aus Isny rührte kräftig die Werbetrommel und versprach Markenqualität zum kleinen Preis.  Wir haben die beiden neuen Modelle gegen zwei altbewährte Büchsen von Haenel und Tikka antreten lassen.

Unser bewährtes Testteam von Berufsjägern und Schweißhundeführern hat die Waffen genau unter die Lupe genommen. Wie viele der begehrten JAGDPRAXIS-Lupen die Büchsen erringen konnten, zeigte sich am Ende des umfangreichen Testprogramms.

Endgültiger Punktestand

Klarer Sieger der Mittelklasserepetierer ist damit die Mauser M 12 mit 90 Punkten. Das reicht auf den Punkt für ein sehr gut und drei JAGDPRAXIS-Lupen. Die Sauer 101 hat 5 Punkte weniger und kommt damit auf ein gut (zwei Lupen). Auch Haenel und Tikka fallen mit 81 und 83 Punkten in diese Wertungsklasse.

Der Test hat gezeigt, dass Repetierer im mittleren Preisbereich eine Menge zu bieten haben – ihre Präzision ist erstklassig. Mehr leisten hochpreisige Waffen auch nicht.
Auch findet man schon in diesem Preisbereich erstklassige Abzüge – wie Sauer, Mauser und Haenel eindrucksvoll bewiesen.

Testsieger Mauser M 12 und die technisch nah verwandte Sauer 101 bieten dazu noch eine echte Schlagbolzensicherung. Doch auch Haenels Jaeger 10 ist hochinteressant. Wir haben die Ausführung Timber LX getestet, die mit 1.473 € deutlich teurer ist als die technisch identische Standardausführung, die lediglich ein nicht so gutes Schaftholz, keine Holzkugel am Ende des Kammerstengels und eine andere offene Visierung hat. Dafür geht sie für 1.088 € über den Ladentisch. Wers möglichst günstig haben will, liegt hier sicher nicht falsch.

Noch ein Wort zu den beiden neuen preiswerten Assen aus Isny – für knapp 1.700 € sind Sauer und Mauser sehr gute und solide Repetierer, die hervorragend schießen – verbunden mit dem großen Vorteil einer echten Schlagbolzensicherung. Dazu kommen hervorragende Abzüge.

Auf der Negativseite stehen fest mit dem System verbundene Läufe – ob der Markt das toleriert, wird sich zeigen. Fest steht, dass man nicht über 2.000 € ausgeben muss, um eine praxisgerechte Jagdbüchse zu bekommen.

Bewertung Mitteklasse-Repetierer

 

Hier stellen wir Ihnen die Waffen im Detail vor:

Mauser M12

Haenel Jaeger 10

Sauer 101

Tikka T3 Hunter

 

Die vier Waffen im Test

Das Jagdpraxis-Testteam begutachtete die Kandidaten zunächst auf dem 100-m-Stand. Dort wurden technische Kriterien wie Abzug, Sicherung, Laden- und Entladen, Ergonomie des Schaftes, Funktionssicherheit beim Repetieren und das Verhalten im Schuss überprüft. Dazu wurde sowohl aufgelegt als auch stehend angestrichen geschossen.

Die Abzüge bei Haenel, Sauer und Mauser gefielen am besten. Dabei waren in der Praxis keine Unterschiede mehr feststellbar. Das zeigen auch die gemessenen Abzugsgewichte, die ganz dicht beieinander liegen.

Laut Jagdpraxis-Testkriterien werden bei universell einsetzbaren Repetierern mit Kammerverschluss Abzugsgewichte von unter 1.000 g und eine gute Charakteristik gefordert, um die volle Punktzahl zu erreichen. Das schaffen Haenel, Sauer und Mauser locker und bekamen je 10 Punkte.

Die Tikka hob sich davon deutlich ab. Ihr Abzug löste erst bei 1.200 g aus und stand auch nicht wirklich trocken. So zogen wir einen Punkt für das Gewicht und einen weiteren für die nicht optimale Charakteristik ab, womit der Finnin in dieser Wertung noch 8 Punkte blieben.

Lediglich bei Sauer und Mauser passen ins Magazin mindestens vier Patronen, bei Tikka und Haenel gehen nur drei rein, was je 2 Punkte Abzug kostet. Die Haenel verlor noch weitere Punkte, denn ihr Magazin ist fast unmöglich zu entladen – sind die Patronen einmal im Magazin, erwies es sich als extrem schwierig und fummelig, sie wieder herauszubekommen.

Magazine Repetierer
Die vier Magazine der Testkandidaten (v. l.) Sauer, Tikka, Haenel und Mauser.

 

Hinzu kommt, dass das Magazin sehr scharfe Kanten hat. Dafür zogen die JP-Tester der Haenel in dieser Disziplin 3 weitere Punkte ab. Mauser und Sauer kassieren hier also volle 10 Punkte für ihre identischen fünfschüssigen-Einsteckmagazine, die sehr gut zu handeln sind, die Tikka verliert 2 Punkte für die zu geringe Kapazität. Der Haenel bleiben nur 5 von 10 möglichen Punkten.

Bei den Sicherungen siehts ähnlich aus – keine Büchse kann durch die fehlende Handspannung auf die volle Punktzahl kommen, aber Sauer und Mauser haben eine Schlagbolzensicherung, während Tikka und Haenel lediglich über Abzugssicherungen verfügen. Das macht je 7 von 10 Punkten für Sauer und Mauser und 5 für die beiden anderen.

An Funktion und Handhabung gibts nichts auszusetzen. Dabei spielt auch der persönliche Geschmack eine große Rolle. Einigen Testern gefiel die Schiebesicherung der Sauer auf dem Kolbenhals sehr gut, während andere die klassische Dreistellungssicherung der Mauser hinten am Schloss bevorzugten oder mit den seitlichen Schiebern besser zurechtkamen.

Um die Funktions- und Handhabungssicherheit zu testen, wurden mit jeder Waffe 50 Patronen verschossen. Dabei zeigten sich alle vier Waffen von ihrer besten Seite. Es gab keine Zuführungs- oder Auswurfstörungen, auch Positionierung und Form der Kammerstengel ist in Ordnung.

Bei der Tikka ist es aber nicht möglich, im Lauf befindliche Patronen zu entnehmen, ohne die Waffe zu entsichern – wie bei den drei anderen Modellen. Dafür zogen wir einen Punkt ab. Damit bekommen Sauer, Haenel und Mauser bei der Funktions- und Handhabungssicherheit volle 10 und die Tikka 9 Punkte.

Zielfernrohre Repetierer

 

Bei der Vorbereitung zur Zielfernrohrmontage hat die Tikka mit ihrer angefrästen Prismenschiene die Nase vorn, die übrigen Modelle haben nur Bohrungen auf dem System. Dafür gaben wir der Tikka volle 5 Punkte, die drei übrigen Modelle erhielten je 4.

Einige Serien über die offene Visierung brachten schnell Aufschluss über diesen Bewertungspunkt. Das kontrastreiche Haenel-Drückjagd­visier gefiel mit Abstand am besten. Die Tikka hat keine schlechte Visierung, ist aber etwas kontrastarm – dafür zogen wir einen Punkt ab. Das gilt auch für die Mauser mit ihrem guten Drückjagdvisier, dem aber farbige Kontrastpunkte fehlen.

Die Sauer kam ohne Visier, es wird aber gegen Aufpreis das gleiche Visier wie bei der Mauser M 12 montiert, sodass wir hier die gleiche Bewertungsgrundlage anwandten.
Da das Visier nur gegen Aufpreis erhältlich ist, ziehen wir 2 Punkte ab.

Letzter Punkt auf dem Schießstand war die Schäftung – am besten gefielen unseren Testern Mauser und Haenel, mit den backenlosen Schäften von Sauer und Tikka kamen die meisten Schützen weniger gut zurecht.

Beim angestrichenen Schießen war die Mauser klar im Vorteil, Sauer und Tikka gefielen hier deutlich weniger. Das mag am Gewicht liegen, die Mauser ist um einige 100 g schwerer. Die Haenel lag dazwischen, schien aber nicht so gut ausbalanciert wie die Mauser.

Nach einigen Diskussionen einigten sich die Tester auf 9 Punkte für Mauser, 8 für Haenel und je 7 für Sauer und Tikka. Hier zunächst einige persönliche Eindrücke des Testteams zu den Waffen:

Präzision auf 100 m
Alle Kandidaten im Kaliber .308 Winchester waren mit einem variablen Zielfernrohr mit 50-mm-Objektiv ausgestattet. Die vier Testwaffen wurden auf dem 100-m-Stand mit je drei Patronensorten aus dem Schießgestell geschossen.

Um alle Waffen unter gleichen Voraussetzungen zu testen, waren alle Zielfernohre auf 10-fach eingestellt. Gewertet wird das beste der drei Schussbilder, gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schusslöcher.

Volle 10 Punkte gibt es, wenn der vierfache Kaliberwert nicht überschritten wird. Dabei wird das tatsächliche Kaliber auf volle Millimeter aufgerundet. Beim Kaliber .308 Win. (7,62 mm) wären das 4 x 8 = 32 mm für die volle Punktzahl. Je 1 mm mehr wird ein Punkt abgezogen.

Die Ergebnisse des Präzisionstests und die jeweilige Munitionssorte, mit der die Waffen das beste Schussbild schossen, sind der Tabelle zu entnehmen. Alle Testwaffen bleiben damit locker unter dem Höchstwert und erhalten die volle Punktzahl.

Präzision

Diese Testserien wurden aus kalten Läufen geschossen. Um das Warmschussverhalten zu überprüfen, gaben wir je 10 Schuss in schneller Reihenfolge ab: Dabei zeigte Mausers M 12 das beste Ergebnis, ihr 10-Schuss-Schussbild lag auf 45 mm zusammen – für einen nur 17 mm dicken Jagdlauf sehr gut.

Bei den anderen drei Büchsen vergrößerten sich die Streukreise zunehmend ab dem fünften Schuss – bei der Haenel waren es am Ende 78 mm … Die anderen beiden Büchsen lagen etwas darunter. Bei einigen schnellen Schüssen auf der Drückjagd hintereinander wird keine Testwaffe in der Praxis Probleme bereiten. Das Warmschussverhalten ist so gut, dass es in der Schützenstreuung auf Bewegungsjagden einfach untergeht.

Abschließend haben wir noch die Munitionsverträglichkeit mit bleifreien Geschossen überprüft. Dazu wurden Hornady-Patronen mit GMX-Kupfergeschoss und mit Zinn gefüllte RWS Evolution Green verwendet. Alle Testwaffen zeigten mit beiden Patronen­sorten eine jagdlich völlig ausreichende Präzision. Die schlechtesten Streukreise lagen bei etwa
4 cm.

Ausstattung, Korrosionsschutz und Preis-Leistungs-Verhältnis
Keine Büchse lässt sich zerlegen oder bietet die Möglichkeit eines Laufwechsels. Riemenbügel haben alle, aber bei der Tikka sitzt der vordere Bügel zu weit hinten.
Eine Verstellung des Abzugsgewichts von außen ist bei keinem Modell möglich.

Bei der Ausstattung wurde in der Mittelklasse also kräftig gespart, hier verloren alle Modelle: Die Tikka bekam 2, die drei anderen Waffen je 3 Punkte. Deutlich besser siehts beim Korrosionsschutz aus. Obwohl alle Waffen nur herkömmlich brüniert sind, also keine Beschichtung haben, wie bei teuren Repetierern oft zu finden, zeigte sich nach dem Reviertest keine Spur von Rost – dafür gabs die volle Punktzahl.

Alle Waffen wurden jagdlich eingesetzt und erhielten die normale Pflege. Nach einem Schuss wird der Lauf gereinigt und die Metallteile werden vor dem Einstellen in den Waffenschrank äußerlich, soweit ohne Zerlegen möglich, von Feuchtigkeit befreit.

Bei der Beurteilung der Verarbeitungsqualität spielt natürlich der Preis eine große Rolle. Die vier Testwaffen liegen im mittleren Segment – typische Massenprodukte großer Hersteller. Penibel polierte Oberflächen und tolles Schaftholz darf man also nicht erwarten.

Kammern Repetierer
Die Kammern der vier Testwaffen. Von links: Haenel, Mauser, Sauer, Tikka.

 

Die Testwaffen waren alle sehr ordentlich verarbeitet, bei den Übergängen von Holz zu Metall zeigte keine Schwächen. Beim Preis liegen die vier Modelle sehr dicht beieinander. Die Tikka ist die preisgünstigste Büchse und dafür sehr gut verarbeitet. Das war den Testern 8 von 10 Punkten wert.

Das gilt auch für die Haenel – nur geringfügig teurer zeigte auch sie bei der Verarbeitung keine Mängel – ebenfalls ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, das mit 8 Punkten belohnt wird.

Die Mauser ist zwar etwas teurer, bietet aber eine echte Schlagbolzensicherung und ebenfalls gute Qualität. Dafür gab es auch 8 Punkte. Die Sauer steht der Mauser technisch und in der Verarbeitungsqualität nicht nach, kommt aber zum gleichen Preis ohne offene Visierung. Dafür zogen wir einen Punkt ab, sodass die Sauer 7 Punkte bekommt.

So haben wir gewertet
Die Waffen durchlaufen ein festgeschriebenes Testprogramm, max. sind 100 Punkte erreichbar, die sich aus folgenden Einzelprüfungen addieren:

Präzision (max. 20 Punkte)
Aus einem Schießgestell werden Fünfschuss-Gruppen mit mehreren Laborierungen Jagdmunition auf 100 m geschossen. Gemessen wird die Distanz der Mitte der äußeren Schusslöcher.

Die volle Punktzahl gibt es, wenn der dreifache Kaliberwert nicht überschritten wird. Dabei wird das tatsächliche Kaliber auf volle Millimeter aufgerundet. Bei einer .308 Win. (7,62 mm) wären das 3 x 8 = 24 mm für die volle Punktzahl. Je Millimeter mehr wird ein Punkt abgezogen.

Abzug (max. 10 Punkte)
Hier werden Abzugs-Charakteristik und -gewicht (bei Stecherabzügen im ungestochenen Zustand) bewertet. Bei universell einsetzbaren Jagdbüchsen (Ansitz, Pirsch, Drückjagd) sollte das Abzugsgewicht nicht über 1 000 g liegen. Pro 200 g mehr wird ein Punkt abgezogen.

Auch eine schlechte Abzugs-Charakteristik (Vorzug, Kratzen, Durchfallen) ergibt je nach Bedeutung Punktabzug.

Visierung (max. 5 Punkte)
Erlauben Kimme und Korn eine schnelle Zielauffassung und bieten ein kontrastreiches Visierbild? Ist die Visierung in Höhe und Seite verstellbar? Wie robust ist die Visierung? Eine kontrastreiche, voll verstellbare Visierung, die unempfindlich gegen Schläge und Stöße ist, erhält volle Punkte.

Je einen Punkt Abschlag bringen mangelnder Kontrast, fehlende Seiten- oder Höhenverstellung, zu enge, zu weite oder zu weit hinten angebrachte Kimme (Leseentfernung). Büchsen, für die es selbst gegen Aufpreis keine offene Visierung gibt, erhalten in diesem Bewertungskriterium keine Punkte.

Sind Kimme und Korn gegen Aufpreis erhältlich, ziehen wir zwei Punkte ab, wenn die Aufpreisvisierung sonst den Vorgaben entspricht.

Magazin (max. 10 Punkte)
Laden und Entladen ist bei Repetierern bei der Jagd wichtig und sicherheitsrelevant. Wie schnell kann nachgeladen werden und wie komfortabel sind Laden und Entladen? Ist die Magazinkapazität ausreichend, ist ein Schulterstopp vorhanden?

Die volle Punktzahl erhalten Waffen mit herausnehmbarem Kastenmagazin mit Schulterstopp für mindestens vier Patronen in Standardkalibern, das sich leicht und bequem wechseln lässt. 

Schäftung und Bettung (max. 10 Punkte)
Beurteilt werden neben der ergonomischen Form von Hinterschaft, Vorderschaft und Pistolengriff auch Schaftkappe und Fischhaut. Die Holzqualität dagegen spielt keine Rolle, Kunststoffschäfte haben damit keinen Nachteil.

Auch die Qualität der Bettung des Systems und die Lagerung des Laufes werden begutachtet – das System muss spannungsfrei gebettet und der Lauf frei schwingend im Vorderschaft geschäftet sein. Holzschäfte sollten gut gegen Feuchtigkeit geschützt sein.

Ausstattung (max. 5 Punkte)
Hier kommt es darauf an, ob Riemenbügel vorhanden sind und der vordere Bügel in korrektem Abstand zur Laufmündung angebracht ist. Hat die Waffe die Möglichkeit des Laufwechsels oder lässt sie sich platzsparend zerlegen? Kann das Abzugs­gewicht ohne Ausschäften verstellt werden?

Sicherung (max. 10 Punkte)
Moderne Jagdbüchsen sollten über eine leicht zu bedienende und lautlos zu betätigende Handspannung verfügen. Dafür gibt es volle Punkte. Ist statt der Handspannung wenigstens eine Schlagbolzensicherung vorhanden, gibts 3 Punkte Abzug.

Für eine einfache Abzugssicherung werden 5 Punkte abgezogen. Schlechte Ergonomie bei Handspannung oder Sicherung bringen 2 Punkte Abzug – ebenso, wenn Spannen oder (Ent-)Sichern zu laute Geräusche verursachen.

Funktions- und Handhabungs­sicherheit (max. 10 Punkte)
Die sichere Funktion und Handhabung ist für Jagdbüchsen von ausschlaggebender Bedeutung. 5 Punkte entfallen auf den Bereich der störungsfreien Schussfolge. Patronen müssen einwandfrei zugeführt und leere Hülsen korrekt ausgeworfen werden.

Dazu werden aus jeder Waffe 50 Patronen verschossen. Jeweils die maximale Magazinkapazität in schneller Schussfolge. Für jede Zuführungs- oder Auswurfstörung wird ein Punkt abgezogen. Bei ungewöhnlich vielen Störungen wird die Patronenmarke gewechselt – darauf wird im Testbericht gesondert hingewiesen.

5 Punkte werden für die Handhabung vergeben. Dabei kommt es darauf an, ob der Kammerstengel lang genug und richtig positioniert ist, ob der Abzugsbügel groß genug ausfällt und sich das System weich und ruckelfrei repetieren lässt.

Verarbeitung/Preis-Leistungs-Verhältnis (max. 10 Punkte)
Diese Bewertung geht auf die Qualität der verwendeten Materialien, die Passung der Bauteile und das Finish ein. Die Beurteilung erfolgt in Relation zum Preis der Waffe.

Vorbereitung ZF-Montage (max. 5 Punkte)
Hier kommt es darauf an, wie einfach sich die Büchse mit einer optischen Zielhilfe ausstatten lässt. Verfügt das System bereits über Montageunterteile oder sind diese integriert? (Prismenschiene oder hauseigene Montagevorbereitung).

Ist das nicht gegeben, gibt es Gewindebohrungen für Montageunterteile? Wird evtl. eine Zielfernrohrmontage mitgeliefert?

Korrosionsschutz (max. 5 Punkte)
Hier wird überprüft, wie anfällig die Metallteile gegen Rost sind. Der Test wird im Revieralltag vorgenommen. Alle Waffen werden mehrere Monate jagdlich eingesetzt und erhalten die normale Pflege.

Nach einem Schuss wird der Lauf gereinigt und die Metallteile werden vor dem Einstellen in den Waffenschrank äußerlich, soweit ohne Zerlegen möglich, von Feuchtigkeit befreit. Nach dem Testzeitraum wird die Büchse zerlegt und auf Korrosion untersucht.