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Tikka T3 Hunter

Mo., 01.07.2019 - 09:10
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In unserem großen Vergleichstest haben wir vier Mittelklasse-Repetierer verglichen. Einer davon war die Tikka T3 Hunter.

Tikka-Repetierer werden beim finnischen Waffenhersteller Sako gefertigt. Die T 3 wurde technisch weitgehend schon in Jagdpraxis 2/2013 (Vergleichstest Varmintbüchsen) beschrieben. Als Nachfolger der Tikka Master Repetierer benutzt sie ein System, das technisch weitgehend vom 98er-Mausersystem abstammt.

Auch dabei wird mit zwei Warzen verriegelt. Nicht übernommen wurden der lange Mauser-Auszieher und der Ausstoßer in der hinteren Hülsen­brücke. Bei der Tikka sind Auszieher und Ausstoßer im Verschlusskopf untergebracht, wie man es heute bei den meisten modernen Repetiersystemen findet.

Das System ist außerdem an der Oberseite geschlossen und hat lediglich ein kleines Auswurffenster – ein sehr stabiles System, das maschinengerecht konzipiert wurde.
Tikka verwendet für alle Kaliber eine Systemlänge, ohne Aufpreis ist auch eine Linksausführung erhältlich.

Die Edelstahl-Kammer unserer Testwaffe hatte einen geschweiften Stengel mit einer 25-mm-Holzkugel (Extra: 99 €/Standard: hohl gebohrte Stahlkugel). Der 70-Grad-Öffnungswinkel erlaubt die flache Montage der Zieloptik.

Das Schlösschen hat eine elegante und fast völlig geschlossene Haube aus Kunststoff, die die Schlossteile sehr gut vor Staub schützt. Lediglich die rot eingefärbte Schlagbolzenmutter tritt an der Rückseite heraus. Ist sie sichtbar, zeigt das den gespannten Zustand an.

Sicherung Tikka T3 Hunter

 

Rechts am Schlösschen ist der Sicherungsschieber angebracht, der direkt auf den Abzugsstollen wirkt. Ist der Schieber hinten (Waffe gesichert), wird auch die Kammer blockiert. Eine Möglichkeit, die Kammer im gesicherten Zustand zu öffnen, gibt es nicht.

Der Sicherungsschieber hat eine griffig geriffelte Oberseite und lässt sich leicht mit dem Daumen bedienen. Soll lautlos entsichert werden, muss das sehr vorsichtig und mit Druck auf den Schieber geschehen, sonst ertönt ein deutlich hörbares Klicken.

Der Schlosshalter mit Drücker aus Kunststoff findet sich links hinten an der Hülsenbrücke. Die durchgehende Systemoberseite wird werksseitig bereits mit einer angefrästen 16 mm Prismenschiene ausgestattet.

Darauf lässt sich Tikkas hauseigene Optilock-Montage oder Montageoberteile anderer Hersteller anbringen. Auf separat anzubringende Montageunterteile kann also verzichtet werden.

An der Tikka findet sich eine Menge Kunststoff – Abzugsblech, Magazinschacht, Abzugsbügel und das komplette Magazin sind aus Plastik. Das sieht zwar nicht unbedingt edel aus, spart aber Gewicht und ist auch völlig sicher vor Korrosion. Moderne Kunststoffe sind heute dazu so hochwertig, dass das an diesen Stellen keine technischen Nachteile hat.

Der Magazinauslöser sitzt direkt vor dem Magazin, das unter Federdruck steht. Es springt heraus, wenn der Drücker betätigt wird. Dieser ist so tief in den Vorderschaft eingelassen, dass ein unbeabsichtigtes Auslösen des Magazins, etwa beim Auflegen der Waffe, nicht zu befürchten ist.

In dem einreihigen Kunststoffmagazin lassen sich drei Patronen unterbringen. Ein Schulterstopp verhindert die Deformation der Geschossspitzen im Magazin durch den Rückschlag.

Die Hunter wird mit einem 57-cm-Jagdlauf ausgeliefert, der ins System eingeschraubt ist und einen Mündungsdurchmesser von 16 mm hat. Tikka verwendet im Kaliber .308 Win. eine Dralllänge von 12 Zoll. Mit dem 57er-Lauf kommt die T 3 auf eine Gesamtlänge von 108 cm und wiegt fast genau 3 kg.

Der Direktabzug mit einem Abzugsgewicht von 1.200 g löst nicht wirklich trocken aus. Es ist etwas Weg fühlbar, auch ein leichtes Kratzen war zu bemerken. Die Ausführung Hunter wird serienmäßig mit einer offenen Visierung ausgeliefert.

Abzug Tikka T3 Hunter
Die Sicherung der Tikka ist am Abzug installiert und blockiert auch nur diesen.

 

Die Rechteck-Kimme mit 2-mm-Ausschnitt sitzt auf einem blendfrei mattierten Visiersockel und ist seitlich verschiebbar. Auch das 3-mm-Balkenkorn ist über eine Inbusschraube höhenverstellbar.

Der Kornsockel verfügt über Einfräsungen zum Aufschieben eines Kornschutzes, die Visierträger sind auf den Lauf geschraubt – ein gutes Visier, das aber mit roten oder grünen Einlagen noch besser wäre.

Der Schaft aus sparsam gemasertem Walnussholz in Ölschliffausführung ist sehr einfach gehalten. Er hat weder eine Backe noch ein Pistolengriffkäppchen oder einen angesetzten Vorderschaftabschluss. Der Pistolengriff ist rechtsseitig etwas verdickt und die Unterseite des Vorderschaftes flach gehalten.

Optischer Hingucker und Stilelement ist die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft, die in mehrere Segmente unterteilt ist. Sie ist sauber geschnitten und sehr griffig.
Die schwarze Gummischaftkappe ist nicht zu weich und gleitet noch ganz gut.

Riemenbügelbasen werden werksmäßig installiert, aber leider ins Schaftholz geschraubt. Die vordere Base liegt 36 cm vor der Laufmündung –  entspanntes Tragen über der Schulter am Gewehrriemen geht damit kaum.

An der Verarbeitung gibts nicht viel zu beanstanden – die Kammer läuft fast spielfrei und sehr geschmeidig im System, die Holzteile sind sauber angepasst und die Stahlteile gut poliert und brüniert.

Die Systembettung ist gut ausgeführt, das System sitzt spannungsfrei im Schaft. Besondere Bettungsmaßnahmen wurden nicht vorgenommen. Im Schaft ist ein Aluminiumblock eingelassen, der in eine flache Ausfräsung an der Unterseite der vorderen Hülsenbrücke greift, wenn die beiden Schaftschrauben angezogen werden.

Schaftbettung Tikka T3 Hunter
Der in den Holzschaft eingelassene Alublock greift in eine Ausfräsung des Hülsenkopfes ein.

 

Der Rückstoß wird dort aufgefangen und gleichmäßig auf den Schaft übertragen. Das Laufbett im Vorderschaft ist so angelegt, dass der Lauf frei schwingen kann.
Die Tikka T 3 Hunter kostet in der JP-Test-Ausführung mit Flintenabzug 1.418 €.

Die Ausführung mit Rückstecher kostet 1.588 €. Bei unserer Testwaffe kämen noch 99 € für die Holzkugel am Kammerstengel hinzu, damit liegt die Büchse bei 1.517 €.