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Sauer 101

Mo., 01.07.2019 - 09:05
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In unserem großen Vergleichstest haben wir vier Mittelklasse-Repetierer verglichen. Einer davon war die Sauer 101.

Nach den beiden Repetierern, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, kommen wir jetzt zu den beiden Newcomern aus Isny. Sauers 202 Repetierer ist ein Dauerbrenner und wird in ungezählten Varianten angeboten. Bei diesem Baukastenrepetierer kann man sich seine Wunschwaffe quasi selbst zusammenstellen. Wechselläufe und -schäfte machen’s möglich.

Bei der neuen Sauer 101 ist das ganz anders – die Modellpalette ist bewusst schlank gehalten, es gibt nur zwei Modelle mit Holz- oder Kunststoffschaft. Einzige weitere Option wäre eine offene Visierung, die in der Grundversion fehlt (89 € schlicht schwarz, 108 € gelbe Dreieckseinlage mit rotem Leuchtkorn).

Durch diese schlanke Modelllinie soll eine günstigere Preiskalkulation möglich sein. Ob das wirklich beibehalten wird oder es doch einmal weitere Ausführungen geben wird (zu denken wäre an einen kurzen Stutzen oder ein Varmint-Modell mit Matchlauf), wird sich zeigen. Erfreulich groß ist die Kaliberpalette mit 10 Patronen von der .22 - 250 bis zur 9,3 x 62.

Das System der 101 ist weitgehend geschlossen und oben durchgehend gehalten. Das Auswurffenster ist etwas größer als bei der Haenel. Auf dem System sind Bohrungen für die Zielfernrohrmontage an­gebracht. Bohrungsabstand und Radius sind für Montageteile ausgelegt, die auch bei Remington-Repetierern verwendet werden.

Das zeigt die Ausrichtung auf den großen US-Markt, dort ist Remingtons 700 eine der meistverkauften Büchsen, Montageteile gibts in jedem Walmart. Bei unserer Testwaffe wurde eine EAW-Schwenkmontage angebracht.

Sauer verwendet ein konventionelles Verschluss­system, das mit sechs Warzen direkt im Lauf verriegelt. Auch dabei sind Auszieher und Ausstoßer im Verschlusskopf gelagert. Der Ausstoßerstift ist bei der 101 aber gleich doppelt vorhanden, um einen waagerechten Hülsenauswurf zu erzielen.

Sicherung Sauer 101

 

Dies dient der Funktionsverbesserung, da so keine ausgeworfenen Hülsen gegen das Zielfernrohr prallen und in den Verschluss zurückfallen können. Schaut man sich die Kammer an, wird eine weitere Besonderheit sichtbar – der hintere Teil ist im Durchmesser größer als die Verriegelungswarzen. Damit erreicht Sauer, dass die Kammer satt im Verschlussgehäuse geführt wird.

Auch die 101 kommt mit einem Öffnungswinkel von lediglich 60 Grad aus. Sicherung und Schlosshalter sind nicht an den üblichen Stellen zu finden, hier geht Sauer eigene Wege: Die Sicherung liegt auf dem Kolbenhals und erinnert an den Schieber einer Handspannung.

Es handelt sich um eine echte Schlagbolzensicherung, die sich leicht und flüssig bedienen lässt. Mittig im Schieber ist ein Drücker angebracht, den man zunächst eindrücken muss, bevor sich der Schieber bewegen lässt. Unbeabsichtigtes Entsichern, etwa durch Anstreifen am Rucksack, ist damit ausgeschlossen.

Als zusätzliche Sicherung stattet Sauer die 101 mit einer automatischen, innen liegenden Schlagbolzen­sperre aus, die ein Auslösen bei nicht vollständig geschlossener Kammer unterbindet: Im gesicherten Zustand ist die Kammer blockiert, um diese Sperre aufzuheben, ohne zu entsichern, findet sich ein kleiner Druckknopf rechts neben dem Schlösschen –  wo bei den anderen Repetierern die Sicherung angebracht ist.

Er hebt die Kammersperre auf, so dass man auch bei gesicherter Waffe die Patrone aus dem Lauf entfernen kann. Der Drücker fungiert gleichzeitig als Schlosshalter – bleibt der Daumen darauf, lässt sich die Kammer nach hinten herausziehen.

Der Kammerstengel liegt griffgünstig in Höhe des Abzuges und endet in einer gefluteten Kunststoffkugel – sieht modern aus und ist griffig. Wie bei modernen Repetierern üblich hat die 101 einen Direktabzug, bei der Testwaffe löste er ohne spürbaren Vorweg bei 600 g aus – erstklassig.

Beim Magazin setzt auch Sauer auf Kunststoff, und zwar mit Ausnahme der Feder komplett. Durch die Zickzacklagerung nimmt der Plastikcontainer fünf Standardpatronen auf.
Das Magazin steht unter Federspannung und fällt beim Betätigen des Drückers sofort aus dem Schacht. Der Knopf liegt versenkt vor dem Magazin, eine Betätigung beim Auflegen der Waffe ist unmöglich.

Der 56-cm-Lauf mit einem Mündungsdurchmesser von nur 17 mm ist nicht wie üblich ins System geschraubt, sondern eingeschrumpft. Diese Verbindung ist „für ewig“ – ein Laufwechsel, etwa weil er innen beschädigt oder korrodiert ist, entfällt damit.

Ist der Lauf kaputt, kann man die Büchse entsorgen – bei der Herstellung sicher kostensparend, denn aufwendiges Gewinde-Schneiden an Lauf und System entfällt – für den Benutzer aber ein Risiko, den Lauf einer Sauer 101 sollte man sorgfältig pflegen. Unsere Testwaffe kam ohne offene Visierung.

Der Schaft ist schnell beschrieben – schlicht und einfach. Das gilt sowohl für die Holzqualität als auch für die Ausführung. Auf eine Schaftbacke wurde verzichtet, ebenso auf einen angesetzten Vorderschaftabschluss. Dafür gibts ein Pistolengriffkäppchen, sogar mit Sauer-Logo.

Die Schaftkappe ist weich und ziemlich stumpf, gutes Gleiten beim schnellen Anschlag ist da nicht zu erwarten. Die Holzteile sind dafür gut poliert und die Fischhaut sauber geschnitten. Der Pistolengriff ist beidseitig verdickt und sehr handfüllend.

Auch bei der 101 ist der vordere Riemenbügel in die Stirn­fläche des Vorderschaftes geschraubt und kommt so zu einem mit 27 cm noch günstigen Abstand zur Laufmündung.
Bis dahin alles Standard, aber bei der System­bettung kommt etwas Neues – in den Holzschaft ist ein prismatischer Alublock mit zwei Bohrungen unverrückbar eingeklebt.

Der Hülsenkopf hat an der Unterseite dazu zwei passende Stahlstifte, die in diese Bohrungen greifen, wenn System und Schaft mit einer großen Sechskantmutter zusammengefügt werden. Darüber werden die Rückstoßkräfte aufgefangen. Die in die Sechskantmutter eingeschraubte und unten im Schaft sichtbare Schraube, sowie die hintere Systemschraube müssen nur noch Magazinschacht und Abzugsbügel halten, Rückstoßkräfte nehmen sie keine auf.

Durch die feste Verbindung von System mit Alublock soll eine Veränderung am Schaftholz (Aufquellen bei Nässe, Schrumpfen) weder Präzision noch Treffpunktlage beeinflussen können.

An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern – weder auffällige Spalten zwischen Holz und Metallteile noch sichtbare Werkzeugspuren trüben den guten Eindruck. Die Metallteile sind mattiert und brüniert.

Erfreulich ist der geringe Anteil an Kunststoff – außer Magazin, Kammergriffkugel und Pistolengriffkäppchen ist alles aus Stahl. Die 106,5 cm lange Büchse wiegt lediglich 3.065 g und ist sehr führig. Die Sauer 101 kostet 1.695 € ohne offene Visierung.