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Test: Bleifreie Flintenlaufgeschosse

Mi., 04.09.2019 - 12:06
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Flintenlaufgeschosse (FLG) gelten als Notbehelfe für Treibjagden, bei denen plötzlich Sauen vorkommen. Viele Jäger haben für diesen Fall immer ein paar Brennekes in der Tasche – in einigen Bundesländern sind bleihaltige FLG bei der Jagd aber illegal. Von Norbert Klups.

So heißt es zum Beispiel im Landesjagdgesetz NRW unter Sachliche Verbote (§ 19 Abs. 1 Ziff. 3): „In Ergänzung zu § 19 Abs. 1 BJG ist es verboten, zur Jagd ... bleihaltige Flintenlaufgeschosse zu verwenden.“

Klassische Brennekes mit dicken Blei­batzen sind damit illegal – wer sie einsetzt, riskiert seinen Jagdschein! Wer auch heute noch Flintenlaufgeschosse mit allen Nachteilen (beschränkte Reichweite, schlech­tere Präzision, v. a. aber erhöhte Abprallgefahr) einsetzen will, sollte dies bleifrei tun, um sich wenig­s­tens innerhalb der Gesetze zu bewegen.

Wir haben drei Laborierungen getestet.

Dupleks Monolit und Dupo
Dupleks (Lettland) produziert Flintenlaufgeschosse aus Stahl – klingt zunächst etwas unorthodox, funktioniert aber. Aus dem reichhaltigen Sortiment haben wir zwei Geschosse aus verzinkten Stahldrehteilen gewählt, die unterschiedlich wirken (12/70, 28 g / erhältlich auch in 12/76 und mit 32 g).

Das Monolit (Durchmesser 16 mm) ist ein deutlich untermaßiges Geschoss, das weder seine Form im Ziel verändern oder Gewicht verlieren (= Splitter abgeben) soll. Bei einem Stahlgeschoss ist diese Vorgabe natürlich ziemlich einfach einzuhalten.

Dupleks Monolit
Das Monolit ist so konstruiert, dass es sich nicht verformt und ...

 

Schussbild Dupleks Monolit
 ... liefert auf 50 m ein sehr gutes Schussbild.

 

Durch die flache Kopfplatte mit immerhin 2 cm2 Fläche wird beim Auftreffen im Ziel eine starke Stoßwelle erzielt. Bei einer solchen Konstruktion wird der größte Teil der Energie direkt nach dem Eindringen abgegeben.

Der Her­steller verspricht sich von der flachen Geschossform außerdem eine geringe Ablenkung beim Durchschießen von Sträuchern und Büschen. Hinten endet das Stahlgeschoss in einem Zapfen, auf den formschlüssig ein Kunststoffschuh gespritzt wird.

Dieses 18,65 mm-Kunststoffteil übernimmt die Führung im Lauf, die Abdichtung zu den Treib­gasen und stabilisiert das Geschoss im Flug. Der Durchmesser des Stahlgeschosses ist für jedes Kaliber so bemessen, dass ein völlig sicherer Durchgang auch durch engste Standard-Chokes gesichert ist.

Damit sich das Geschoss im Lauf nicht schräg stellen kann, ist vorn ein Kunststoffring zur Führung eingepresst. Er sichert eine perfekte Zentrierung und sicheren Durchgang durch den Lauf. Die Schusskräfte pressen diesen Führungsring in das Geschoss.

Das Dupo 28 ist hinten identisch und benutzt den gleichen Führungsschuh. Das Kopfteil ist aber mit drei kreuz­förmigen Einschnitten versehen (etwa 12 mm tief), die es in sechs Segmente unterteilen.

Dupleks Dupo FLG
Das Dupo-Geschoss nimmt fast den ganzen Hülsenraum ein, es ...

 

Dupleks Dupo Deformation
... pilzt auf, wenn die Zielgeschwindigkeit nicht zu hoch ist, auf kurze Distanz reißen die Fahnen ab.

 

Außerdem hat das Geschoss eine tiefe, sehr breite Hohlspitze. Trennschnitte und Hohlspitze sind mit Kunststoff ausgespritzt. Die Konstruktion soll im Ziel aufpilzen und den Querschnitt vergrößern, ein zweiter Kunststoffring soll die Aufpilzung begrenzen und ein Abreißen von Teilen verhindern.

Bei geringerer Tiefenwirkung soll das Dupo eine noch schnellere, wirk­samere Energie­abgabe liefern.

Brenneke Rubin Sabot Nature
Auch das Rubin Sabot von FLG-Pionier Brenneke ist ein unterkalibriges Treibspiegel-Geschoss. Es entspricht dem normalen Rubin Sabot, nur mit Zinn- statt Blei-Geschoss.
Brenneke setzt auf bewährte Technik und verlädt in den Kunststoff-Treibkäfig ein 19 g-FLG im Kaliber 20.

Brenneke Rubin Sapot
Brennekes Rubin Sabot Nature besteht aus Zinn ...
Brenneke Rubin Sapot
 ... und verformt sich nur unwesentlich.

 

Das leichte Geschoss erreicht eine hohe Geschwindig­keit – man muss damit auf flinke Wutze also weniger vorhalten als mit herkömmlichen (= langsameren) FLG. Das Rubin Sabot Nature hat 12 schräggestellte Führungsrippen und einen fest verbundenen Kunststoff-Propfen.

Es ist für alle Flintenläufe (unabhängig vom Choke) geeignet, auch aus kombinierten Waffen. Darin unterscheidet es sich von Brennekes Bleifrei-FLG Super Sabot, das speziell für Flinten mit gezogenen Läufen konstruiert wurde, also nie aus gechokten Läufen verschossen werden darf.

Bleifreie FLG für gezogene Flintenläufe gibts auch von anderen US-Her­stellern wie Hornady oder Federal.

Was leisten bleifreie Flintenlaufgeschosse?
Zunächst haben wir auf 50 m mit einem Lapradar Präzision und Geschoss­geschwindigkeit überprüft (s. Tabelle u.) – und zwar mit einer Repetierflinte Remington 870 Wingmaster, die sehr gut mit FLG schießt.

Die Waffe verfügt über ein Büchsen-Visier, um klassische Flinten-Zielfehler lediglich über ein Korn auszuschließen. Mit bleihaltigen Brenneke Rubin Sabots schießt sie auf 50 m Streukreise von 6 bis 7 cm!

Flintenlaufgeschosse Streukreise

 

Damit liegen die drei bleifreien FLG in puncto Präzision ziemlich genau auf dem Niveau der bleihaltigen Referenz-Patrone. Bei der Mündungsenergie hat das leichte Brenneke die Nase vorn, dafür verliert es aber schneller Energie als die schwerere Konkurrenz.

Zielverhalten
Wie zu erwarten, macht das Monolit genau, was sein Konstrukteur beabsichtigte – das massive Stahlgeschoss durchschlug auf 15 und 40 m einen 40 cm-Seifenblock vollständig und geradlinig, direkt nach dem Einschuss mit einer großen Kaverne, dann in einem stetig kleiner werdenden Geschoss-Kanal.

Auf 40 m macht auch das Dupo, was es soll – es pilzt auf und fliegt im Ziel ziemlich gerade weiter (Durchmesser 26 mm). Auf 15 m ist anscheinend die Zielgeschwindigkeit zu hoch – alle sechs Fahnen rissen ab und traten an den Seiten und oben aus dem Seifenblock aus!

Das dürfte die Wirkung zwar verstärken, aber im Wildkörper auch eine Menge Schaden anrichten, leicht werden dabei Darm oder Pansen beschädigt.

Brennekes leichtes Zinngeschoss Rubin Sabot Nature hat ebenfalls eine beeindruckende Tiefenwirkung und verursachte auf 15 und 40 m eine sehr große Kaverne, ohne sich groß zu verformen, lediglich der Kopf war abgeplattet.

Kaverne Seifenblock Flintenlaufgeschoss
In der Wirkung ähneln sich alle Geschosse – die höchste Energieabgabe erfolgt direkt nach dem Einschuss (l.), danach wird der Schusskanal immer kleiner, weil die Geschwindigkeit rapide zurückgeht.

 

Erfreulich waren die geringen Laufrück­stände aller Laborierungen, der leichte Kunststoffabrieb war mit einer Messingbürste schnell zu entfernen. Wild wurde mit den bleifreien FLG nicht erlegt, da sich im Testzeitraum dazu keine Gelegenheit ergab.

Die Patronen waren zwar bei einigen Treibjagden in der Tasche, kamen aber nicht zum Einsatz. Damit vom Ansitz auf Wild zu schießen, kam nicht infrage – aus reinen Versuchszwecken dabei auf den präziseren Büchsenschuss zu verzichten, halten wir für nicht vertretbar.

Große Wirkungsunterschiede gegenüber klassischen Blei-FLG sind aber nicht zu erwarten – Slugs wirken durch großen Durchmesser, Gewicht und Zielgeschwindigkeit.

Die lettischen Stahl-FLGs sind gleichschweren Blei-Pendants ebenbürtig und dürften auch so wirken, das Dupo wird auf kurze Distanz durch die Splitterwirkung ziemlichen Schaden anrichten. Auch das sehr schnelle Rubin Sabot Nature wird eine eher bessere Augenblickswirkung haben.

Resümee
Ist Blei verboten, bieten FLG aus Stahl oder Zinn eine präzise, wirkungsvolle Alternative. Wichtig ist es, die Treffpunktlage der eige­nen Flinte zu überprüfen, denn in echt kann es gegenüber bisher verwendeten Bleibatzen zu größeren Abweichun­gen kommen.

Dupleks Monolit kosten 8,70 €, Dupo 11 € (Bezug: www.deurus-gmbh.com), Brennekes Rubin Sabot Nature 18,40 € (jew. 5er-Packung).

Lesen Sie auch den Kommentar von Jagdpraxis-Chefredakteur Matthias Kruse.