Kalb gerissen, weil Wachhunde weggesperrt waren ...

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Kalb gerissen, weil Wachhunde weggesperrt waren ...

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Weil die Herdenschutzhunde von 22 bis 6 Uhr nicht auf die Herde aufpassen dürfen, ist ein Rinderkalb gerissen worden.

Ein Herdenschutzhund saß Anfang Dezember im Wald bei Windeck (Rhein-Sieg-Kreis) und bewachte die Überreste eines gerissenen Rinderkalbs. Dessen Tod konnte er nicht verhindern, weil Richter ihn und seine Artgenossen zu nächtlichem Hausarrest verurteilt hatten!

Vermutlich hat kurz nach der Geburt ein Wolf das Kalb gerissen. Für die Besitzerin steht fest, dass dies nur passieren konnte, weil ihre Schutzhunde nachts nicht draußen sein durften, 16 Jahre lang hatten sie erfolgreich dafür gesorgt, dass den Tieren nichts passiert.
Die Landwirtin kann nicht verstehen, dass das Oberverwaltungsgericht Münster Anfang Oktober entschied, das Gebell ihrer Hunde sei zu laut für die Nachbarn, von 22 bis 6 Uhr müssen die Vierbeiner jetzt weggesperrt werden. Dabei grenzt das Grundstück in Windeck an ein Gebiet, in dem Wölfe bestätigt wurden.
Die Gemeinde hatte in ihrer Verfügung u. a. auf mögliche Zäune verwiesen. Doch das funktioniert in Windeck wegen des weitläufigen Geländes mit steilen Hügeln, Flüsschen und Wäldern eben nicht.

So kam es, wie es kommen musste – die Schutzhunde wurden wie verlangt nachts eingesperrt und die Kühe (u. a. ein träch­tiges Muttertier) allein auf der Weide zurück­gelassen. Als die Hunde am nächsten Tag wieder rausdurften, bellten sie aufgeregt aus einem nahen Wald ..., wo man schließlich das frisch gerissene Kalb fand. Ob dafür ein Wolf verantwortlich war, stand zum Redaktionsschluss nicht fest, der Kadaver wird vom (berüchtigt langsam arbeitenden) Senckenberg-Institut auf DNA-Spuren untersucht. Ein Riss-Gutachter hielt auch einen Angriff von Füchsen für möglich – für die Besitzerin unerheblich: „Letztlich spielt das keine Rolle, die Hunde hätten das Kalb ja auch vor anderen Gefahren geschützt.“ So hatten sie erst kürzlich eine streunende Hündin an einem Zaun gestellt. Die Tierhalterin hofft jetzt, dass die Politik neue Bedingungen zum Schutz der Tiere schafft – und ihre Hunde die Rinder, Schafe, Ziegen u. Ponys wieder rund um die Uhr bewachen dürfen.

Foto: K.-H. Volkmar

mk