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Test: Steel Action HS

Fr, 05.10.2018 - 14:09
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Geradezug-Repetierer erfreuen sich nicht nur bei Drückjagdschützen steigender Beliebtheit. Sie unterliegen keiner Beschränkung der Magazinkapazität und haben eine sehr schnelle Schussfolge, wenn man damit umgehen kann. Auf der IWA 2017 wurde mit der Steel Action HS ein ganz neues Modell vorgestellt – wir haben die Kölner Innovation für Sie getestet. Von Norbert Klups.

Die bisherige Auswahl von Blaser, Heym, Rössler, Merkel und Browning war schon sehr gut. Die Steel Action HS ist das erste Modell einer ganz neuen Firma aus Köln. Das Kürzel HS für Hunting Short kennzeichnet das Kurzsystem.

Hinter Steel Action, Feinmechanische Entwicklungen steht der in Fachkreisen bekannte Konstrukteur ­Alexander Ostanin, der in Büros großer Waffenhersteller wie Sauer, Merkel oder Caracal an der Entwicklung bekannter Modelle beteiligt war.

In seiner neuen Jagdbüchse wollte er bewährte Elemente zu einer funktionssicheren, robusten Waffe zum attraktiven Preis vereinen. Plastik findet sich an der Steel Action nur am Zubringer des Magazins, alles andere ist aus solidem Stahl, die Bodenplatte samt Abzugsbügel aus Aluminium und die Kammerkugel aus Holz.

Steel Action HS Magazin
In der Alu-Bodenplatte ist kein Magazinschacht aus Metall vorhanden, das rückwärtige Blech hält das Einsteckmagazin für 5 Patronen in Position.

 

Für schnelles Nachladen sorgt ein Einsteckmagazin. In puncto Ausstattung ist die HS damit auf der Höhe der Zeit, verzichtet wurde allein auf Wechselläufe, der Lauf ist konventionell in die Hülse geschraubt.

Geradezugsystem mit Drehkopfverschluss
Beim Verschluss verwendet Ostanin einen Drehkopf, der sich ähnlich schon 1895 beim alten Mannlicher-Karabiner findet und bei militärischen Selbstladern verwendet wird. Auch moderne Jagdwaffen verwenden Drehkopfverschlüsse (Browning BAR/Maral, Sauer 303). Der Verschluss der Steel Action ist sehr kompakt, was die Gefahr vermindert, sich beim schnellen Repetieren im Anschlag das Schloss ins Gesicht zu ratschen. Lediglich 13,5 cm der Kammer treten nach hinten heraus, das Schlösschen erreicht damit gerade mal die Schaftnase.

Steel Action HS Kammer
Drehkopfverschluss mit drei Verschlusswarzen. Ausstoßer und Auszieherkralle sind im Kammerkopf installiert, der kurze Kammerstengel ist mit einer dicken Holzkugel bestückt.

 

Wird der Kammerstengel nach hinten gezogen, dreht ein Scharnier im Inneren den Verschlusskopf. Diese Bewegung erfordert nur 15 mm Weg. Damit ist die Kammer entriegelt und wird nach hinten gezogen. Dass sich zunächst nur der Stengel nach hinten bewegt, merkt man beim Repetieren nicht. Die Auszieherkralle zieht die leere Hülse aus dem Patronenlager.

Ist die hinterste Position erreicht, wird eine Patrone aus dem Magazin beim Vordrücken des Verschlusses ins Patronenlager geschoben. In vorderster Stellung stoppt die Kammer zwangsläufig ab, durch weiteres Vordrücken des Stengels erfolgt die Drehbewegung des Kopfes zur Verriegelung.

Die drei Verschlusswarzen haben eine Verriegelungsfläche von 90 mm² – schon sehr massiv. Trotzdem wurde eine weitere Sicherheitsreserve eingebaut – der 6 mm dicke Steuerstift, der für die Drehbewegung verantwortlich ist, tritt am Ende der Verschlussbewegung in eine Nut ein und fungiert als vierte Warze – ein simpel konstruiertes System, das auf bewährte Technik zurückgreift und sehr robust ist.

Der Verschlusszylinder ist wie die anderen Stahlteile nitrocarburiert und so bestens vor Korrosion geschützt. Er läuft weich und geschmeidig in der Verschlusshülse und lässt sich blitzschnell im Anschlag repetieren. Die Kammer ist mit Längseinfräsungen versehen.

Sichere Handspannung
Die Handspannung ist ebenso einfach und sicher – mit einem Daumendruck auf die aus dem Schlösschen ragende Stange wird gespannt. Das geht erstaunlich leicht und sehr leise. Zum Entspannen drückt man nur die oben liegende Entriegelungs­taste.

Steel Action Handspannung
Der Handspanner im entspannten Zustand.

 

Beim Repetieren bleibt das Schloss natürlich automatisch gespannt – nach dem Schuss und erfolgtem Repetieren muss also immer manuell entspannt werden, wenn man nicht weiter schießen will.

Das Schloss ist so konstruiert, dass der Schlagbolzen nur bei vollständig verriegeltem Verschluss das Zündhütchen der Patrone erreichen kann. Ist die Waffe entspannt, ist auch die Kammer gesperrt. Zum Entriegeln reicht es, die Handspannung ein kleines Stück einzudrücken, um eine im Lager befindliche Patrone sicher herauszurepetieren, ohne das Schloss zu spannen.

Stell Action HS Handspannung
Das Schloss ist jetzt gespannt.

 

Das System ist aus einem massiven Stahlblock gearbeitet und hat eine flache Unterseite. Das hat Vorteile bei der Systembettung im Schaft. Die Oberseite mit Picatinny-Schiene ermöglicht preiswerte Zielfernrohrmontagen.

Bei vielen Rotpunktvisieren sind bereits ab Werk Unterteile für dieses Montagesystem angebracht. So ließ sich das für den Schießkino-Test vorgesehene Aimpoint-Micro einfach auf die Steel Action setzen. Es sind zwei Systemlängen vorgesehen. Hunting Short (HS) nimmt Kurzpatronen wie die .308 oder .243 Win. auf und HM (Hunting Medium) Standardjagdkaliber von der .270 Win. bis zur .338 WSM.

Steel Action HS Picatinny-Schiene
Die Oberseite der Hülse ist als Picatinny-Schiene ausgebildet, was sehr preiswerte Montagen ermöglicht.

 

Die Bodenplatte mit Magazindurchbruch und Abzugsbügel besteht aus einem Stück Aluminium. Das Kastenmagazin aus Stahlblech nimmt fünf Patronen auf, die im Zickzack gelagert werden. Der Zubringer ist aus Kunststoff.

Der Magazinauslöser sitzt versenkt vor dem Magazin in der Bodenplatte, sodass ein unbeabsichtigtes Auslösen – etwa beim Auflegen der Waffe – unmöglich ist. Ein Magazinschacht aus Metall ist nicht vorhanden, die Bodenplatte hat hinten ein angesetztes Blech, das als Gegenlager dient. Jede Steel Action wird mit zwei Magazinen ausgeliefert – ungewöhnlich, lassen sich die Hersteller doch Reservemagazine sonst sehr gut bezahlen.

Die Läufe des renommierten deutschen Herstellers Lothar Walther sind bereits ab Werk mit einem Mündungsgewinde M 15 x 1 versehen, auf dem sich Schalldämpfer oder Mündungsbremsen anbringen lassen. Eine passende Abdeckkappe zum Schutz des Gewindes wird mitgeliefert.

Steel Action HS Mündungsgewinde
Der Lauf ist mit einem Mündungs­gewinde 15x1 ausgestattet, eine Abdeckkappe wird mitgeliefert.

 

Unsere Testwaffe war mit einem 51 cm-SemiWeight-Lauf ausgestattet. Es sind Lauflängen zwischen 45 und 56 cm möglich. Eine offene Visierung ist nicht vorhanden.
Mit dem 51 cm-Lauf kommt die Steel Action in dieser Ausführung auf eine handliche Gesamtlänge von 101 cm und bringt 3 490 g auf die Waage – für ein Ganzstahlsystem mit SemiWeight-Lauf erstaunlich leicht.

Trockener Direktabzug ohne Verstellung
Die Steel Action kommt mit einem Direktabzug, der trocken ohne Vorweg auslöst. Laut Hersteller werden die Abzüge auf 1000 g Abzugsgewicht justiert, Verstellschrauben fehlen. Die Abzugsmechanik ist komplett in einem schlanken Alu-Gehäuse untergebracht und abgekapselt, alles bestens vor Schmutz und Staub geschützt. Das Züngel ist glatt und angenehm breit – ein guter Abzug für präzise Punktschüsse und schnelle Schüsse auf der Drückjagd.

Nussbaumschaft ohne Backe
Der Schaft aus poliertem und geöltem Nussbaumholz mittlerer Qualität mit geradem Schaftrücken ist so hoch gezogen, wie es die nach hinten austretenden Verschlussteile zulassen. Die fehlende Backe ermöglicht es, einen Schaft für Links- und Rechtswaffen zu nutzen, die Zuordnung erfolgt dann lediglich über die Verdickung am Pistolengriff.

Bei der Testwaffe war ein Rechtsschaft mit rechtsseitig verdicktem Pistolengriff montiert. Der Pistolengriff steht eher steiler und hat eine fein geschnittene, griffige Fischhaut. Der Vorderschaft fällt relativ lang aus, was es ermöglicht, mit langem Führarm zu schießen. Einige Drückjagdschützen bevorzugen diese Haltung bei schnellen Schüssen auf Wild in Bewegung.

Auch der Vorderschaft hat eine Fischhaut, jedoch keine angesetzte Schaftnase. Abgeschlossen wird der Schaft mit einer schmalen Gummikappe. Der gesamte Schaft ist zweckmäßig und auf kostengünstige Herstellung ausgelegt. Die Hinterschaftlänge beträgt mit Gummikappe 36 cm.

Basen für Riemenbügel sind ins Holz geschraubt. Durch die Kombination von langem Vorderschaft und kurzem Lauf sitzt der vordere Riemenbügel sogar in richtiger Position mit 27,5 cm Abstand zur Laufmündung, um bequemes Tragen am Riemen über der Schulter zu erlauben.

Das System ist ohne weitere Bettungsmaßnahmen ins Schaftholz gelegt, durch die plane System-Unterseite ist diese kostengünstige Bauweise möglich.

Im Kino und am Schießstand
Bei einer völlig neu konstruierten Büchse benötigte der Jagdpraxis-Test zu Prüfung von Präzision, Handling und Funktion mehr Zeit, als bei der dritten Variante einer bewährten Waffe. Zur Präzisionsprüfung wurde mit einer MAK-Schnellspannmontage ein Swarovski Z5i 5 - 25 x 56 montiert. Mit dieser hochvergrößernden Zieloptik in Verbindung mit einem Schießgestell lässt sich feststellen, was die Büchse wirklich kann.

Für den Handlings- und Funktionstest im Schieß­kino wurde ein Aimpoint Micro montiert. Dazu kam eine große Auswahl an Laborierungen. Auf der 100 m-Bahn zeigte die HS eine sehr konstante Schussleistung, bis auf eine Ausnahme lagen die 5-Schuss-Bilder alle unter 30 mm. Lediglich mit Remingtons Core Lokt 180 grs. kam die Büchse nicht gut klar (45 mm).

Die besten Streukreise (je 19 mm) erzielten Hornadys Superformance SST 165 grs. und RWS Doppelkern 165 grs. Das Präzisionspotenzial der neuen Büchse ist damit sehr gut. Im Schießkino wurde mit dem Aimpoint ausgiebig geschossen. Durch den SemiWeight-Lauf schwingt die Büchse sehr gut, der Repetiervorgang geht leicht und ohne Hakeln. Die 25 mm dicke, hölzerne Kammerkugel ist sehr griffig und liegt auf Abzugshöhe.

Auch wenn die Büchse heiß geschossen war, ließ sich der Verschluss leicht öffnen, die Zuführung der Patronen aus dem Magazin und das Auswerfen der leeren Hülsen erfolgte störungsfrei. Der trockenstehende Direktabzug ist für schnelle Schüsse erstklassig geeignet. Der Magazinwechsel geht ebenfalls sehr schnell, denn das Magazin springt beim Betätigen des Knopfes aus dem Schacht.

Die Büchse liegt sehr ruhig im Schuss, was aber auch am Kaliber der Testwaffe liegen mag – die .308 Win. lässt sich per se sehr angenehm schießen.

Steel Action HS Konstruktionszeichnung
Das System ist auf eine CNC-gerechte Fertigung ausgelegt.

 

Resümee: Die handliche Büchse funktioniert problemlos, schießt hervorragend und ist mit Handspannung, Geradezug­verschluss und Einsteckmagazin zeit­gemäß ausgestattet. Der Nussbaumschaft kann sich sehen lassen, auch wenn eine Backe optisch mehr hergemacht hätte – beim Schießen haben wir sie aber nicht vermisst.

Durch Picatinny-Schiene sind preisgünstige Montagen möglich und am vorbildlich eingestellten Direktabzug gibts auch nichts zu meckern. Der massive Drehkopfverschluss ist vertrauenserweckend und suggeriert Sicherheit.

Die Steel Action hat das Potenzial zu einem festen Platz in deutschen Revieren.

Eckdaten:

Hersteller:   Steel Action (Köln)

Kaliber:       .308 Win. (Testwaffe), .22-250; .243 Win.; 6,5 Creedmoor; 7 mm 08 Rem.; .308 Win.; .338 Federal (HS), .270 Win.; .30-06 Spr.; 8 x 57 IS; 8,5 x 63 Reb; 9,3 x 62; 7 mm Rem.Mag.; .300 Win. Mag.; .338 Win. Mag.; .375 Ruger (HM)

System:      Geradezugrepetierer mit Drehkopfverschluss

Magazin:     Kastenmagazin (herausnehmbar, 5 Patronen)

Sicherung:  Handspannung auf dem Schlösschen

Abzug:        Direktabzug (Abzugsgewicht 980 g)

Montage:     Picatinny-Schiene

Schaft:        Nussbaumschaft, gerader Rücken ohne Backe, Pistolengriff (r. verdickt), Fischhaut a. Vorderschaft/Pistolengriff

Länge:        101 cm

Gewicht:     3 490 g (o. ZF)

Zubehör:     Reservemagazin

Preis:          2249 € (HS), 2449 € (HM)

 

Hier geht's zur Homepage des Herstellers.