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Test: CZ Brno Express

Fr., 04.01.2019 - 12:02
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Doppelbüchsen (selbst aus CNC-Fertigung) sind selten preiswert. Mit der CZ Brno Express bietet Frankonia eine solche Drückjagdspezialistin jetzt für 1.659 € an. Norbert Klups hat sie für uns getestet.

CZ baut Waffen seit 1918, jagdliche Kipplaufwaffen aus Tschechien haben in Deutschland eine lange Tradition und den Ruf, unverwüstlich zu sein. Sie galten aber auch als rustikal und schwergewichtig.

Die neuen CZ-Modelle sind allerdings moderner und leichter – man sieht ihnen die Fertigung auf CNC-Maschinen an. Die neue Express Bockdoppelbüchse basiert auf der 2017 vorgestellten Bockbüchsflinte Combo – eine logische Erweiterung dieser Baukastenwaffe. Mit einem Bergstutzen ist wohl auch bald zu rechnen.

Flacher Kasten und Einabzug
Trotz Ganzstahlbauweise wiegt die Express nur 3,45 kg und ist mit 99 cm Gesamtlänge dazu ausgesprochen handlich. Der sehr flache, mattschwarze Kasten spart natürlich Gewicht, er ist mit einer geschwungenen, silbernen Schmuck­linie und dem Schriftzug EXPRESS versehen – allemal besser als eine maschi­nelle Jagdstück-„Gravur“, bei der man überlegen muss, welche Wildart damit wohl gemeint ist ...

Doppelbüchse CZ Brno Express
Der schlanke Systemkasten wird aus einem Stück Stahl gefertigt, die integrierte 11 mm-Prismenschiene erlaubt günstige Zielfernrohrmontagen.

 

Die Blitzschlosse arbeiten mit Schraubenfedern auf Führungsstangen. Serienmäßig ist die Express mit einem Einabzug ausgestattet, der mechanisch umschaltet – sehr sinnvoll, denn so lässt sich bei Versagern unverzüglich der zweite Lauf abfeuern.

Der Sicherungsschieber auf dem Kolben­hals sperrt den Abzug automatisch –wird die Waffe geöffnet, schiebt sich der Schieber von selbst in die hintere, gesich­erte Position. Die Waffe nach einem Schuss und anschließendem Nachladen ungesichert in der Hand zu halten, kann damit nicht passieren. Wer das nicht mag, kann diese Automatik vom Büchsen­macher stilllegen lassen.

Doppelbüchse CZ Brno Express
Die Schiebesicherung auf dem Kolbenhals wird automatisch betätigt, wenn man das Laufbündel abkippt (manuell abstellbar).

 

Der Abzug der Jagdpraxis-Testwaffe löste bei 1.200 und 1.500 g aus – beim ersten Schloss noch trocken, beim zweiten dagegen mit deutlichem Weg. Man muss schon gefühlvoll und konzentriert abziehen, um den Schuss nicht zu verreißen –bei Blitzschlossen dieser Preisklasse muss man das aber wohl akzeptieren.

Thermostabiles, verstellbares Laufbündel
CZ bietet die Express in den Kalibern 8 x 57 IRS, .30 R Blaser und 9,3 x 74 R an. Die 55 cm-Läufe liegen vom Hakenstück bis zum Ende des Vorderschaftes völlig frei. Danach ist dazwischen eine 26 cm-Schiene angebracht, verbunden nur mit dem oberen Lauf. Der untere liegt völlig frei und wird vorn in einer Brille an der Schiene geführt. Dazu wurde der untere Lauf vorn abgedreht, nach dem Schuss kann er sich völlig frei ausdehnen.

Am hinteren Ende der Laufschiene findet sich eine Einrichtung zur Justierung des unteren Kugellaufes – dazu löst man die Arretierschrauben an der Mittelleiste und dreht die Verstellschraube rein oder raus: Festziehen in Richtung des unteren Laufes bewirkt eine Treffpunktverlagerung nach oben, eine halbe Umdrehung entspricht einer Verschiebung des Treffers um 15 cm nach oben auf 50 m.

Doppelbüchse CZ Brno Express Laufverstellung
Die Laufverstellung unter dem Vorderschaft erlaubt eine Höhenkorrektur der Treffpunktlage.

 

Nach Erreichen des gewünschten Zusam­menschießens zieht man die Arretierschrauben wieder gefühlvoll fest. Damit lässt sich allerdings die Treffpunktlage lediglich in der Höhe justieren, seitlich ist keine Korrektur möglich.

Das Laufbündel ist sauber poliert und tiefschwarz brüniert, oben am Hakenstück findet sich eine 11 mm-Prismenschiene für Aufkippmontagen. In eine Ausfräsung im hinteren Teil greift ein Stoppstift, damit die Montage immer an gleicher Stelle aufgesetzt wird.

Ejektoren fehlen, die offene Visierung ist ebenso modern wie die ganze Waffe – das rote Leuchtkorn ist höhenverstellbar, die U-Kimme kann in der Seite justiert werden. Um den Blick aufs Ziel zu verbessern, ist das Kimmenblatt skelettiert. Der Kimme fehlt etwas Farbe als Kontrast und die Sättel von Korn und Kimme spiegeln etwas. Sie haben das gleiche Finish wie das gesamte Laufbündel – mattiert wäre zwar besser gewesen, trotzdem ein brauchbares Fluchtvisier.

Doppelbüchse CZ Brno Express Visierung
Vorn wird der untere Kugellauf in einer Brille geführt.

 

Schaft mit Korbflechtmuster
Der Schaft aus ordentlich gemasertem Nussbaumholz hat eine gut geschliffene Oberfläche mit mattem Ölfinish. Die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft in Korbflechtmuster ist ein echter Blickfang.

CZ macht das per Laser­technik – sieht toll aus, ohne sehr scharf zu sein. Der Hinterschaft mit bayerischer Backe und leichtem Schweinsrücken schließt mit einer stumpfen, dünnen Gummikappe, die nicht gut gleitet.

Der Pistolengriff hat rechtsseitig eine handfüllende Verdickung. Der schlanke Vorderschaft endet in einem leichten Schnabel und ist mit Patentschnäpper am Laufbündel befestigt. Werksmäßig ist die CZ mit Riemenbügeln ausgestattet. Der vordere ist 24 cm vor der Mündung in die Nase des Vorderschaftes geschraubt, damit sitzt er genau richtig.

Doppelbüchse CZ Brno Express Fischhaut
Interessante Fischhaut in einem Korbflechtmuster – aber nicht wirklich scharf.

 

Zielfernrohr Vixen 1 - 6 x 24
Als Drückjagd-Optik wurde ein Vixen 1 - 6 x 24 mit Leuchtabsehen montiert – das neueste Modell mit Abschaltauto­matik nach zwei Stunden und Regelung des Leuchtpunktes über gummierte Drucktasten links am dritten Turm.

Das Absehen lässt sich von Rot auf Grün umschalten, wenn man die Einschalttaste länger gedrückt hält. Beeindruckend sind 38 m Sehfeld und ein randscharfes Bild. Das Absehen hat neben dem Leuchtpunkt in der Mitte nur noch drei dünne Hilfs­fäden seitlich und unten, beim Schuss wird das Ziel so kaum verdeckt.

Die Beleuchtung ist nicht besonders, Ursache ist ein Glasabsehen, sonst sind Vixen-Drückjagdgläser mit einem beleuch­teten Glasfaserfaden ausgestattet. Die Oberfläche des Rohrkörpers in einem Bronzeton sieht bei einer modernen Waffe wie der CZ Express sehr gut aus.

Mit der MAK-Aufkippmontage (Schnellverschlüsse, einstellbare Klemmbacken, Stoppstift) lässt sich das Glas sehr flach montieren – fast schon zu flach, denn durch das recht dicke Okular des 6fach-Zoom­zielfernrohrs ist der Raum zum Bedienen des Oberhebels sehr knapp.

Schussleistung
Weil bei der Jagdpraxis-Testwaffe (8 x 57 IRS) Angaben zur Einschießlaborierung fehlten, wurden zunächst verschiedene Labo­rierungen getestet, um eine zu finden, die seitlich möglichst wenig auseinander lag.

Das gelang mit Gecos Plus (12,7 g TM) – zwei Schusspaare lagen auf 50 m seitlich nur 3 und in der Höhe 8 cm auseinander. Die Höhenabweichung ließ sich mit der Verstellung fast auf null reduzieren – drei Schusspaare lagen ohne längere Kühlpausen auf 50 m in einem Streukreis von 52 mm – für eine Drückjagdwaffe eine sehr gute Schussleistung.

Trotz des geringen Gewichtes schießt sich die Express noch sehr angenehm, in 9,3 x 74 R könnte das aber schon anders wirken ...

Resümee: Mit der Express bietet CZ eine moderne und sehr handliche Bockdoppelbüchse mit thermostabilem Laufbündel und Höhenverstellung. Zielfernrohr lassen sich leicht und preisgünstig montieren und optisch ist die Neue aus Brünn weit von klobigen Modellen alter Tage entfernt.

Der Einabzug ermöglicht schnelle Schussfolgen, ließe sich aber von der  Charakteristik her noch verbessern. Auch die schlecht gleitende Gummikappe sollte man modifizieren – bei 1.659 € sollten aber noch Reserven für solche Überarbeitungen beim Büchsenmacher drin sein.

 

Technische Daten CZ Brno Express Doppelbüchse