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Test: Blaser Infinity 4 - 20 x 58

Mi., 05.06.2019 - 07:03
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Blaser-Zielfernrohre heißen Infinity, was so viel wie Unendlichkeit bedeutet. Ob die braunen High-End-Produkte nur unendlich teuer oder auch unendlich gut sind, sollte ein Jagdpraxis-Test zeigen. Norbert Klups hat das Flagschiff getestet.

Die Vorgaben zur Entwicklung der neuen Serie waren klar – null Toleranz bei der Mechanik, optische Höchstleistung und eine Design-Abstim­mung an Blaser-Waffen standen im Lastenheft. Der letzte Punkt ist schon mal sehr gut gelungen, montiert auf einer R 8 wirkt alles wie aus einem Guss.

Die Serie besteht aus einem Drückjagdglas 1 - 7 x 28, dem Allrounder 2,8 - 20 x 50 und einem lichtstarken 4 - 20 x 58. Die kleineren Gläser haben einen 7fach-Zoom, während das 58er sich auf 5fach beschränkt – ein reinrassiges Ansitzglas mit maximaler Transmission.

Umkehr­systeme mit 7x oder noch höherem Zoom­faktor sind in puncto Transmission und Sehfeld konstruktiv benachteiligt. Gegenüber einem 56 mm-Objektiv sorgen 2 mm mehr für eine zusätzliche Lichtausbeute von 7 %. Mit 36,5 cm Länge und 885 g Gewicht ist das 58er kompakt und nicht übermäßig schwer (Zeiss V 8 2,8 - 20 x 56: 830 g/Leica Magnus 2,4 - 16 x 56: 785 g).

Größere Linsen sorgen für erhebliches Mehrgewicht, außerdem hat das Infinity ein 34 mm-Mittelrohr. Die ganze Serie wird ausschließlich mit Zeiss-Innenschiene angeboten. Der Alu-Rohrkörper ist aus einem Stück gefertigt und mit einer harten, braun eloxierten Oberfläche überzogen, die sehr abriebfest ist.

Die Stickstofffüllung verhindert einen Innenbeschlag der Linsen. Das Sehfeld reicht von 1,9 bis 9,2 m. Der Verstellring ist gummiarmiert, eine halbe Umdrehung deckt den gesamten Vergrößerungs­bereich ab. Die Höhen- und Seitenverstellung ist klar beschriftet und mit einer Rastung ausgestattet, die pro Klick die Treffpunktlage auf 100 m um 1 cm ändert.

Blaser Infinity Okular
Breiter, gummierter Drehring für den Zoom am Okular.

 

Das 50er und 58er sind serienmäßig mit Quick Distance Control ausgestattet, auf große Entfernung lässt sich damit das Absehen in der Höhe schnell und einfach korrigieren. Praktisch ist die Möglichkeit, Fleck- und 4 cm-Hochschuss auf 100 m arretieren zu können, um unbeabsichtigtes Verstellen auszuschließen.

Wird bei Weitschüssen die Absehenhöhenverstellung um die nötige „Klickzahl“ weitergedreht, lässt sich die Einstellung nicht durch Absenken des Stellturms arretieren, sodass die Skala mit der gewählten Einstellung deutlich sichtbar bleibt.

Blaser Infinity Höhenverstellung
Hebt man den Turm der Höhenverstellung an, wird der Skalenring der Absehen-Schnellverstellung sichtbar.

 

So soll das Risiko, nach dem Schuss das Zurückstellen auf Normalposition zu vergessen, minimiert werden. Der Augenabstand beträgt beruhigende 9 cm. Auch bei rückstoßstarken Kalibern bleibt der Rand des Okulars weit genug vor der Augenbraue.

Der Parallax-Ausgleich liegt mit dem Drehrad der Leuchteinheit im rechten Turm, die Seiten­ver­stellung an der linken Seite. Der Parallax-Ausgleich hinter dem Dreh­regler des Leuchtabsehens ist gegen unbe­absichtigtes Verstellen gesichert.

Für Ent­fernungen bis 100 m ist der Ring arretiert, vor dem Schuss auf weiter entfernte Ziele wird er nach außen gezogen und auf die gewünschte Distanz gestellt. Der Ring für die Leuchtintensität des Zielpunkts liegt davor, die Bedienung ist auch im Anschlag problemlos – zum Einschalten rausziehen und minimal vor- oder zurückdrücken.

Die digitale Regelung erfolgt stufenlos, wenn die gewünschte Helligkeit erreicht ist, einfach loslassen. Ein- und Ausschalten braucht man das Leuchtabsehen aber eigentlich nicht, denn alle Infinitys sind mit Illumination Control ausgestattet.

Verfügt die Büchse über einen IC-Spannschieber, wird beim Vorschieben in feuerbereite Position der Leuchtpunkt selbsttätig aktiviert. Ab sofort werden alle R 8 damit ab Werk ausgestattet, vorhandene Waffen lassen sich nachrüsten.

Absehen in der 1. Bildebene
Bei der Platzierung des Absehens bewegt sich Blaser gegen den allgemeinen Trend – die Lage in der 2. Bildebene hat zweifellos Vorteile, kann allerdings beim Vergrößerungswechsel zu Treffpunktverlagerungen führen – bei Absehen in der 1. Bildebene unmöglich.

Weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, Entfernungen grob zu schätzen, weil der Abstand der Balken in Relation zur Zielgröße bei jeder Vergrößerung konstant bleibt – wenns mal schnell gehen muss, sicher ein Vorteil.

Dafür lassen sich Absehen in der 1. Bild­ebene nur schwer so fein halten, dass sie klar sichtbar bleiben und dennoch bei hoher Vergrößerung wenig vom Ziel abdecken. Dieser Kunstgriff gelang Blaser mit innovativem Schweizer Hightech (sog. Phasengitter), das Abdeckmaß ist auch bei hoher Vergrößerung sehr gering.

Randscharfe, brillante Abbildung
Die Abbildungsqualität überzeugt schon beim ersten Blick voll und ganz – klares Bild bis zum Rand ohne Tunneleffekt. Die Abbildungsleistung ist brillant und sehr kontrastreich, alle Farben werden sehr natürlich wiedergegeben. Die Frontlinsen sind nanobeschichtet, was Wasser abperlen lässt und das Reinigen erleichtert.

Für genaue Werte (auch im Vergleich zu anderen Zieloptiken) kam das Infinity zunächst in ein optisches Testlabor:

Technische Werte

 

Bei der echten Vergrößerung gibt es minimale Abweichungen, die aber in der Praxis keine Rolle spielen, Sehfeld und Augenabstand stimmen. Die Auflösung von 2,6 Winkelsekunden ist Spitzenklasse.

Die Transmission wurde mit 92,0 (Tag) und 90,0 Prozent (Nacht) gemessen – hervor­ragende Werte, die zudem über ein sehr breites Farbspektrum erbracht werden. Dazu liegen Tag- und Nachttransmission sehr eng zusammen – ein insgesamt sehr ausgewogenes Optikpaket.

Im Revier und am Schießstand
Als Testwaffe diente eine R 8 (8 x 57 IS), die Absehenverstellung arbeitete wie ein Uhrwerk und die Büchse war mit vier Schuss eingeschossen. Jeder Klick der Höhen- und Seitenverstellung entspricht wirklich exakt einem Zentimeter.

Blaser Infinity Absehenverstellung
Die Absehenverstellung mit 1cm-Klickrastung ist klar beschriftet.

 

Das erstklassige Leuchtabsehen lässt sich je nach Lichtverhältnissen genau einstellen. Beeindruckend ist die sehr unempfind­liche Eintrittspupille, die auch bei nicht ganz korrektem Anschlag das volle Sehfeld zur Verfügung stellt.

Beim Nachtansitz wurde das Jagdpraxis-Test-Infinity mit einem Leica Magnus und einem Swarovski Z 8i mit 56 mm-Objektiv verglichen – Helligkeitsunterschiede waren bei gleicher Vergrößerung subjektiv nicht erkennbar.

Dabei kommt es sicher stark auf die eigenen Augen an – ein 20Jähriger ohne Augenfehler kann rechnerische Vorteile eines 58er-Objektivs noch ausnutzen, über 50jährige Brillenträger dagegen sicher nicht.

Resümee
Mit dem großen Infinity legt Blaser aus dem Stand einen beeindrucken­den Auftritt hin, weder optisch noch mechanisch gabs etwas auszusetzen. Ein feines Absehen in der ersten Bildebene ist ein optischer Leckerbissen mit technischen Vorteilen, alle Bedienelemente laufen seidenweich – ein perfektes Ansitzzielfernrohr mit beeindruckenden Reserven in puncto Lichtstärke und Vergrößerung.

Wer eine R 8 führt, dem wird zudem die optische Anpassung an seine Waffe gefallen. Eine ausschließliche Innen­schiene mag als Nachteil erscheinen – wer sowieso eine Sattelmontage benutzt, den wird das nicht stören, zumal die Montage sehr elegant wirkt.

Allerdings siedelt das Infinity auch beim Preis ganz oben – 3.286 € sind selbst für  High-End-Modelle ein Wort ...

Technische Daten Blaser Infinity