Lesezeit
4 minutes
Bisher gelesen

Optik-Test: Kite-Zielfernrohre

Do., 09.08.2018 - 08:58
Erstellt in
Kommentare

Der Optik-Hersteller Kite hat eine breite Palette an Ferngläsern und Zielfernrohren im Programm, ist aber bei uns so gut wie unbekannt. Durch die Zusammenarbeit mit einem großen Waffenhersteller könnte sich das jetzt ändern. Wir haben die Zielfernrohre 1 - 6 x 24 und 2 - 12 x 50 getestet. Von Norbert Klups.

Das belgische Familienunternehmen Kite wurde 1992 gegründet, Zieloptiken baut man aber erst seit 2015. Die Produktion erfolgt in Japan, die Produkte werden in Belgien endbearbeitet und einer Qualitätskontrolle unterzogen. Browning lässt in Kooperation mit Kite dort Zielfernrohre und Ferngläser produzieren, um Komplettpakete anbieten zu können. Die Montagen vom deutschen Hersteller Dentler werden unter der Bezeichnung „Nomad“ vertrieben – ein Konzept, das auch andere große Hersteller wie Blaser umsetzen.

Für Browning fertigt Kite vier Modelle: 1-6x24, 1,6-10x42, 2-12x50 und 2,5-15x56. Damit sind Anwendungsbereiche von Drückjagd über Pirsch und Bergjagd bis zur Nachtjagd sehr gut abgedeckt. Alle Gläser haben einen modernen 6fachen Zoom. Was noch fehlt, ist ein hoch vergrößerndes Weitschusszielfernrohr.

Wir haben für den RWJ-Test das Drückjagdglas 1-6x24 und den Allrounder 2-12x50 ausgewählt und mit einer Dentler Montage (30er Ringe) auf eine Merkel Helix montiert.

Kite 2 -12 x 50
Die Kite Zielfernrohre sind mit 30er Mittelrohr und links am Rohrkörper angebrachter Leuchteinheit klassisch aufgebaut und machen einen sehr gefälligen, gut proportionierten Eindruck. Der einteilige Alu-Rohrkörper ist mattschwarz eloxiert. Der schnellverstellbare Dioptrie-ausgleich reicht von -3 bis +3 dpt und schließt mit einem weichen Gummiring. Der Augenabstand beträgt angenehme 99 mm. Der Vergrößerungswechsler vor dem Okular ist angenehm breit und hat flache Rillen. Er besteht aus Aluminium und verfügt zwischen 5- und 6fach über einen dicken Knubbel, der bei Dunkelheit sicher tastbar ist. Der gesamte Vergrößerungsbereich wird über eine halbe Umdrehung abgedeckt.

Kite Okular
Der Alu-Vergrößerungswechsel hat grobe Rillen und einen gut fühlbaren Knubbel.

 

Das 2 - 12 x 50 ist mit 34 cm Gesamtlänge und 620 g ein kompaktes, leichtes Zielfernrohr. Das Objektiv fällt aber relativ lang aus. Zwischen Objektiv und Verstell-türmen stehen nur 53 mm Rohr zur Verfügung – bei langen Repetier-Systemen kann das zu Montageproblemen oder unschön gekröpften Vorderfüßen führen.

Das Sehfeld beträgt 18,7 m bei kleinster und 3,2 m bei höchster Vergrößerung – zum Vergleich: ein Zeiss Conquest V6 bietet mit 20,5 m deutlich mehr. Das Absehen ist in der zweiten Bildebene angeordnet, die Verstellung arbeitet mit 7 mm Verstellweg pro Klick auf 100 m, der maxi-male Verstellbereich beträgt 155 cm – auch nicht gerade viel.

Die Verstellmechanik arbeitet zuverlässig, das Zielfernrohr war mit wenigen Schüssen eingeschossen. Die Türme lassen sich ohne Werkzeug nullen. Einfach anheben, wodurch die Mechanik abgekoppelt wird, in die gewünschte Position bringen und wieder runterdrücken.

Kite Absehenverstellung
Die Absehen-Verstellung arbeitet in 7 mm-Schritten und lässt sich ohne Werkzeug nullen.

 

Das Absehen in der zweiten Bildebene nennt sich 4i – ein Absehen 4 mit Leuchtpunkt in der Mitte. Die Beleuchtung links am Rohr verfügt über 11 Stufen (zwischen den Stufen ausgeschaltet). Bei schlechten Lichtverhältnissen ließ sich der Punkt gut zurückdimmen und überstrahlt nicht. Für den Einsatz bei Tage und bei Schnee könnte die höchste Stufe etwas heller sein. Bei Sonnenlicht springt er nicht sofort ins Auge. Eine automatische Abschaltung (nach Zeit oder durch einen Sensor, der erkennt, dass sich die Waffe nicht in „Schuss-Lage“ befindet, gibts bei Kite nicht. Dazu muss man manuell durch Drehen des Beleuchtungsreglers in die Zwischenstufe dafür sorgen, dass dem Leuchtabsehen nicht der Saft ausgeht. Stellt man die Waffe mit eingeschaltetem Leuchtabsehen in den Tresor, bleibts beim nächsten Ansitz dunkel.

Kite Leuchteinheit
Die Leuchteinheit links am Mittelrohr lässt sich in 11 Stufen regeln.

 

Nachdem das Zielfernrohr einige Stunden in der Kühltruhe bei –18 Grad verbracht hatte, ließen sich Zoomring und Dioptrienverstellung nur schwer bewegen. Innenbeschlag stellte sich dank der Argonfüllung nicht ein. Eine Nanobeschichtung der Außenlinsen zum leichteren Reinigen fehlt.

Tag- und Nachttransmission
Die Transmission wurde im Labor mit 90,2 Prozent bei Tag und 88,3 bei Nacht gemessen – ordentlich, aber von der Oberliga noch ein gutes Stück entfernt. Doch in der preislichen Mittelklasse darf das nicht stören. 1 329 € sind für die ­gebotene Leistung ambitioniert – ein Zeiss Conquest V 6 gibtt für 1 595 €, ein Meopta Meostar R2 für 1 299 €. Beide bieten aber mit automatischer Abschaltung des Leuchtabsehens und nano­beschichteten Außenlinsen eine deutlich bessere Ausstattung.

Kite 1 - 6 x 24
Das Drückjagdglas ist vom Aufbau her identisch, natürlich ohne verdicktes Objektiv. Die Abmessungen der Okulare sind identisch, lediglich der Knubbel am Zoomring liegt zwischen 1- und 1,5-fach. Mit 251 mm Gesamtlänge und 525 g ist das 1 - 6 x 24 ein leichtes Drückjagdglas, das die Balance der Waffe kaum verändert. Vor den Verstelltürmen stehen noch 94 mm Rohr zur Verfügung, was auch für lange Systeme reichen sollte.

Der Augenabstand beträgt 10 cm und mit einem Sehfeld von 38 auf 100 m bei einfacher Vergrößerung platziert sich das Kite im oberen Mittelfeld der Drückjagdspezialisten mit Sechsfach-Zoom. Meoptas Meostar R 2 ist mit 37,6 m fast identisch und das Zeiss Conquest mit 38,1 m (1,1fach) leicht überlegen, an die 43,2 m des Leica Magnus kommt es natürlich nicht heran. Für ein Mittelklasse-glas gehen 38 m aber völlig in Ordnung.

Das Leuchtabsehen ist in 11 Stufen dimmbar und zum Glück in der obersten Stufe deutlich heller, bei direktem Vergleich der beiden Kites gut zu sehen. Wir haben beim Drückjagdglas auf eine Transmissionsmessung verzichtet, weil die Dämmerungsleistung bei einem Tageslichtzielfernrohr kaum interessant ist, dafür aber ausgiebig im Schießkino getestet. Das Sehfeld reicht aus, um die 10m-Leinwand auf 25 m fast völlig zu überblicken, was sehr angenehm ist, zumal auch die Randschärfe sehr ordentlich ausfällt. 10 cm Augenabstand machten das Schießen mit der 300 Win. Mag. sehr sicher, auch bei schnellem Anschlagen war die Augenbraue nie in Gefahr. Die Eybox (das Einblickverhalten) ist empfindlich – nicht optimal hinter dem Okular sind sofort schwarze Ringe im Zielbild sichtbar.

Mit 1 149 € positioniert sich auch das Drückjagdglas preislich in der gehobenen Mittelklasse mit Konkurrenz von Minox, Meopta, Nikon oder Vixen.

Resümee: Kite liefert solide Zieloptik, die gut verarbeitet, schussfest und optisch gute Hausmannskost ist. An die Top-Marken kommt man naturgemäß nicht heran, was bei den Preisen auch kaum zu erwarten ist. Mit dem 50er-Allrounder kann man auch bis in die späte Dämmerung ansitzen, wenn auch nicht bis zur letzten Minute. Das Drückjagdglas ist mit 38 m Sehfeld und einem hellen, gut abgegrenzten Leuchtabsehen sogar sehr gut. Die Preise für „nur-Zielfernrohre“ sind noch ambitioniert – wirklich günstig wirds erst im Paket mit einer Browning-Waffe und Dentler-Montage. Dann lohnt es sich auch preislich.

Der Preis für das Drückjagdglas (1 - 6 x 24) liegt bei 1.149 €. Das 2 - 12 x 50er kostet 1.329 €.