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Test: Heym SR 30 Unique Mix

Fr., 17.07.2020 - 12:56
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Bei der neuesten Variante der Heym SR 30 lässt sich eine verstellbare Backe am Schichtholzschaft auf Knopfdruck ein- und ausfahren. Norbert Klups hat das neue Lochschaft-Flaggschiff aus Gleichamberg für Jagdpraxis getestet.

Das Heym-Geradezugsystem wurde ohne Veränderungen übernommen. Sechs rund um den Verschluss­zylinder angeordnete Stahlkugeln werden zum Verriegeln zwangsgesteuert in Gegenlager im Hülsenkopf gedrückt – ein Handspanner über das Vordrücken des Kammerstängels, bewährte Technik, die so schon lang produziert wird.

Man kann sich die Waffe über einen Online-Konfigurator individuell zusammenstellen, die Jagdpraxis-Testwaffe in .308  kam mit kurzem Lauf, Mündungsgewinde M 14 x 1 und offener Visierung.

Der Kornsattel ist um 9,5 cm rückversetzt – sieht seltsam aus, erlaubt  aber die Nutzung kompakter Overbarrel-Schalldämpfer ohne Einschränkung. Um auch ohne ZFR mit Schalldämpfer schießen zu können, sind die Visiersättel für Korn und Kimme erhöht.

Hier hat wirklich jemand mitgedacht, denn 50er-Schall­dämpfer verdecken bei vielen Modellen das Korn.

Unique Mix Schichtholz-Lochschaft
Kernstück ist der neue Lochschaft in zwei Varianten – klassisch in Nussbaum und Ölschliffausführung und aus Schichtholz (Testwaffe). Schichtholz in vielen Farbkombinationen ist extrem hart und verzugsfrei und daher wie Fiberglas erste Wahl für Präzisionswaffen, allerdings etwas schwerer als Nussbaum.

Heym SR 30 Schaftrücken
Wird der Schaftrücken ganz eingefahren, liegt er bündig an.

 

Heym benutzt für den Jagdschaft der SR 30 braune Holztöne mit Hell-Dunkel-Abstufung, eine sehr interessante, ansprechende Maserung. Eine Fischhaut führt bei Schichtholz selten zu einem guten Ergebnis, meist fransen die Holzfasern aus – optisch wenig ansprechend.

Die von Heym stattdessen gewählte feine Punzierung sorgt für guten Grip. Rechts ist das Heym-Logo unterhalb der vorderen Hülsenbrücke in den Schaft graviert. Der Durchgriff ist sehr großzügig, auch beim schnellen Repetieren lässt sich die Hand wieder schnell um den Pistolen­griff schließen.

Heym SR 30 Verstelltaste Hinterschaft Schaftrücken
Ein Druck auf den Verstellknopf im Hinterschaft reicht – und der Rücken springt in die eingestellte Position.

 

Viel Material bleibt unten und oben nicht mehr stehen – bei Schichtholz kein Problem, aber der Nuss­baumschaft ist ebenso dimensioniert – damit sollte man vorsichtiger umgehen.

Der Pistolengriff steht wie bei Lochschäften üblich sehr steil und schließt  mit einem Griffkäppchen aus Kunststoff, der Hinterschaft endet mit einer schmalen Gummikappe.

Heym SR 30 Pistolengriff
Der Lochschaft hat einen sehr großen Durchgriff, am steilen Pistolengriff findet sich eine griffige Punzierung.

 

Der Clou ist ein verstellbarer Rücken – drückt man die Taste rechts am Hinter­schaft, wird er durch eine Feder nach oben befördert und lässt sich durch Loslassen in jeder gewünschten Höhe fixieren (Maximal-Auszug: 25 mm).

Um das Einschieben kommt man zum Entnehmen der Kammer nicht herum – auch zum Transport ist das praktischer.

Perfekte Anpassung für verschiedene Zieloptiken
Die Testwaffe war mit einem lichtstarken Vixen Zielfernrohr 6 - 24 x 58 und einem Mini-Rotpunktvisier ausgestattet. Beim flachbauendem Drückjagdvisier bleibt der Rücken in unterster Position, aber um mit angenehmer Kopfhaltung durchs groß­volumige Zielfern­rohr zu blicken, lohnt es sich, den Schaft deutlich höher auszufahren.

Heym SR 30 Mündungsgewinde
Das Korn ist zurückversetzt, an der Mündung sitzt ein Gewinde.

 

Wir haben die Unique auf 100 m aus dem Schießgestell überprüft – mit dem bleifreien 8,8 g-Evo Green von RWS schoss sie einen 5-Schuss-Streukreis von 20 mm.
Mit aufgeschraubtem A-TEC-Dämpfer blieb die Präzision unverändert, nur die Treffpunktlage wanderte 12 cm nach unten – was bei dem dünnen Lauf und der starken Beeinträchtigung durch das Dämpfer­gewicht auch zu erwarten war.

Über Kimme und Korn schoss die Waffe auf 50 m ohne Seitenabweichung 4 cm hoch – ein ab Werk gut justiertes Visier. Der Lochschaft erlaubt einen sehr bequemen und unverkrampften Anschlag, auch lange Serien sind damit kein Problem.

Die Waffe liegt sehr ruhig, der Rückstoß wird geradlinig in die Schulter übertragen. Der Hochschlag ist sehr gering, der große Durchgriff kommt schnellem Repetieren entgegen.

Resümee
Heym hat mit dem neuen Loch­­schaft mit Springbacke eine sehr interessante Variante geschaffen. Ergonomisch ist der Schaft sehr gelungen, der große Durchgriff ist bequem, und den Rücken per Knopfdruck zu erhöhen ist überaus praktisch.

Die zurückversetzte Visierung ist praxisgerecht. Unsere Testwaffe kostet ohne Montage und Zieloptik 2.805 €, der neue Lochschaft allein 705 € – inkl. Anpassen und Betten des Systems im Schaft bei Heym.

Technische Daten Heym SR 30