Lesezeit
2 minutes
Bisher gelesen

Erstes Wolfsrudel in NRW ?

Do., 16.04.2020 - 10:03
Erstellt in
Kommentare

Im Wolfsgebiet Schermbeck (Kreis Wesel) wurden zwei Wölfe gefilmt, die einen Rothirsch attackierten. Sollte es sich dabei um die dort standorttreue Wölfin und einen Rüden handeln, könnte dort bald das erste Wolfsrudel in NRW entstehen.

Zwei Wölfe griffen am Karsamstag (11. April) gegen 7.30 Uhr in direkter Nachbarschaft eines Pferdehofes in Hünxe (WES) einen einzelnen Rothirsch auf einem Feld an. Der ausgewachsene Hirsch wehrte sich mit den Vorderläufen gegen die grauen Räuber und konnte mit leichten Verletzungen entkommen, als Anwohner die Wölfe durch lautes Rufen vertrieben.

Über Ostern kursierte ein Video mit drastischen Bildern in sozialen Netzwerken, der WDR berichtete darüber.

Bestätigter Wolfsnachweis
Förster Michael Herbrecht (Regionalforstamt Niederrhein) ist nach Analyse der Video-Aufnahmen sicher, dass es sich um zwei Wölfe handelt. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbrauchschutz NRW (LANUV) bestätigte den Angriff zweier Wölfe anhand des Videos offiziell und sprach vom „ersten Hinweis auf ein Wolfspaar im Bereich des Wolfsgebiets Schermbeck“.

Größere Rotwildrudel
Hinweise auf einen zweiten Wolf hatte es aber schon zuvor immer wieder gegeben. Hegeringleiter Werner Schulte aus Wesel berichtet, dass sich das Rotwild seit vergangenem Sommer in größeren Rudeln als üblich zusammenfindet. Ein Verhalten von Schalenwild, das auch aus anderen Wolfsgebieten bekannt ist.

Dabei stehen oft 70 bis 80 Stück Rotwild zusammen, was die Bejagung erheblich erschwert. Schließlich kann man nicht einfach in ein solches Rudel hineinschießen. In einigen Revieren wurde der Kahlwildabschuss daher im vergangenen Jagdjahr nur zu 60 Prozent erfüllt.

Vereinzelt sollen Alttiere auch ihre Kälber im Rudel gesetzt haben, statt sich von der Gruppe abzusetzen, wie üblich.

Verschärfte Situation
Brisant ist diese Situation aus mehreren Gründen: Es wird vermutet, dass es sich auf dem Video um die seit längerer Zeit standort­treue Wölfin (Kennung GW954f/Gloria) handelt. Diese fiel durch zahl­reiche Risse von Nutztieren auf, wobei sie mehrfach als wolfssicher eingestufte Zäune überwand.

Politik verweigert Abschuss
Eigentlich hätte sie auf­grund dieser Tatsache „lethal entnommen“ werden sollen, doch der Weseler Landrat Ansgar Müller (SPD) entschied gemeinsam mit dem LANUV anders.
Da nun zwischen Ruhrgebiet und Nieder­rhein zwei Wölfe umherstreifen, ist eine zukünftige Rudelbildung möglich.

Ein gezielter Abschuss der Wölfin wäre aus Gründen des Muttertierschutzes nicht mehr vertretbar, sobald sie Welpen bekommt. Darüber hinaus besteht die ganz konkrete Gefahr, dass sie ihre speziellen Fähig­keiten zum Überspringen von Schutzzäunen an ihre Jungen weitergibt – ein Phänomen, das auch anderswo in Deutschland schon beobachtet wurde.

BUND ist erfreut
Die örtlichen Tierhalter sind alarmiert, der Weseler BUND-Vorsitzende Günther Rinke freut sich hingegen: „Ein zweiter Wolf muss nichts Schlechtes sein“, erklärte er dem WDR, Erfahrungen hätten nämlich gezeigt, dass sich Wölfe in Rudeln eher zutrauen, Wild anzugreifen und dafür dann weniger Weidetiere reißen.

Dass sich ein zukünftiges Wolfsrudel rund um Schermbeck in Zukunft vermehrt dem örtlichen Schalenwild zuwendet, bleibt indes wohl ein frommer Wunsch. Eingezäunte Schafe, Rinder oder Pferde sind einfache Opfer.

Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass die Wölfin ihr Erfolgsrezept daher vollständig aufgibt und im Rudel nur noch Wildtiere jagt.

Lesen Sie auch unseren Kommentar.