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Test: Geradezugrepetierer Chapuis Rols

Sa., 23.02.2019 - 05:41
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Schnelle Geradezugrepetierer liegen voll im Trend, nach der Steel Action kommt vom französischen Hersteller Chapuis jetzt die Rols. Von Norbert Klups.

Das Angebot an Geradezug-Repetierern wächst ständig. Um an Blasers Platzhirsch R8 vorbeizukommen, gibt es zwei Wege – der Preis (Steel Action) und technische Vorteile. Preislich kann die Rols (4.000 €/schlicht, ungraviert) sicher nicht punkten, die Jagdpraxis-Testwaffe (de luxe) kostet fast einen Tausender mehr – was hat sie also technisch zu bieten?

Verriegelung direkt im Lauf
Auf den ersten Blick ist der Verschluss Blaser sehr ähnlich, funktioniert aber etwas anders. Der Verriegelungsring, der in eine Ausfräsung des hinteren Laufteiles gesetzt ist, trägt sieben Nasen, die nach hinten kippen, um den Verschlusskopf zu (ent)sperren.

Sobald der in die Kammer gesetzte Kopf den Ring passiert, löst das Vorschieben des Griffs in der Endphase der Verschlussbewegung die Verrieglung aus und die Nasen legen sich hinter den Kopf.

Die Anlagefläche der sieben Verrieglungs­elemente beträgt 260 mm² und wurde mit 8.500 bar Gasdruck getestet. Im Gegensatz zu Blaser liegen die beweglichen Teile der Verrieglung im Lauf und nicht im Verschlusskopf.

Chapuis Rols
Der Verschlussträger sieht dem der R8 verblüffend ähnlich, die Spreizelemente liegen im Laufinneren.

 

Beim Gebrauch merkt man keinen großen Unterschied, nur der Weg des Kammerstengels nach hinten  (bevor der Verschluss zurückgezogen werden kann) ist minimal größer.

Solange sich der Hebel nicht in vorderster Position befindet, verhindert eine interne Sicherung, dass der Schlagbolzen das Zündhütchen treffen kann. Für Wechselläufe muss man auch den Verschlusskopf tauschen. Das geht sehr einfach über eine Schraube an der Verschluss-Unterseite.

Der Kammerstengel ist leicht schräg nach vorn gestellt, die 25 mm-Holzkugel befindet sich in Abzugshöhe. Ein Fanghebel im System­gehäuse wird eingedrückt, wenn man die Kammer entnehmen will.

Der Handspannungs-Schieber sitzt am Ende des Verschlusses auf einer Schräge. Zum Entspannen drückt man die goldene Drucktaste am oberen Ende, dann gleitet er in die Ausgangsposition zurück. In gespannter Position sind zwei rote Punkte sichtbar.

Der unverstellbare Direktabzug löste ohne spürbaren Weg bei 1.100 g trocken aus.

Laufwechsel über eine Schraube
Der Lauf ist mit einem Mündungsgewinde 14 x 1 versehen, verdeckt durch eine 30 mm-Hülse zum Einsatz ohne Schalldämpfer oder Mündungsbremse. Das eigentliche Gewinde ist nur 12,5 mm lang, danach ist der Lauf glatt abgedreht – was bei einem Overbarrel-Schalldämpfer nicht weiter stört, bei mündungsbündigen Dämpfern oder Mündungsbremsen aber etwas merkwürdig aussieht.

Der Lauf ist hinten kantig mit rechteckiger Anfräsung, die sich in das in den Schaft geschraubte stählerne Bett legt. Mittig durch den unteren Fortsatz geht die Schaftverbindungsschraube mit Torx­kopf.

Chapuis Rols
Um den Lauf zu wechseln, muss lediglich eine Schraube gelöst werden.

 

Er liegt bündig im vorderen Teil des Systemkastens, beim Anziehen wird der Lauf ins Lager gezogen, wo die kantige Anfräsung vorn und hinten anliegt. Das ist spielfrei gearbeitet und garantiert so die immer gleiche Position des Laufes im Schaftbett.

Damit der Lauf richtig zentriert ist, sollte die Kammer verriegelt sein, bevor die Schraube ganz angezogen wird. Der Laufwechsel geht sehr schnell und unkompliziert.
Bei der Jagdpraxis-Testwaffe (Luxusausführung) fehlte eine offene Visierung, die Basisversion ist mit einem guten Fluchtvisier und farbigen Einlagen ausgestattet.

Wechselmagazin unter klappbarer Bodenplatte
Einen Geradezugrepetierer, bei dem der Abzug unter dem Verschluss liegt, mit einem Einsteckmagazin auszustatten, ist relativ aufwendig. Blaser löste das Problem bei der R 8 mit einer Abzug-Magazineinheit, die man mit einem Handgriff entnehmen kann.

In der Handhabung einfach, aber ein zweites Magazin zum schnellen Wechsel bei der Drückjagd wird teuer – und ohne Einheit lässt sich die R8 nicht mal als Einzellader nutzen – verlieren oder vergessen sollte man das Teil daher besser nicht.

Geradezugrepetierer Chapuis Rols
Um ans Magazin zu kommen, muss zunächst die Bodenplatte mit dem Abzug geöffnet werden.

 

Chapuis geht einen anderen Weg – in ein Kunststoffmagazin, das Patronen im Halbkreis aufnimmt (a la Steyr), passen vier Standard- oder drei Magnumpatronen. Der Abzugsbügel samt schmaler Bodenplatte lässt sich nach hinten abklappen, wenn man den direkt davor angebrachten Druckknopf betätigt.

In einem Schacht darüber sitzt das Kunststoff­magazin – gehalten von der gleichen Federklinke, die den Klappdeckel verriegelt. Zum Entnehmen muss man zuerst die Bodenplatte öffnen, dann kann nach erneutem Druck auf den Knopf das Magazin nach unten entnommen werden.

Brownings BAR nutzt ein ähnliches System, nur sitzt deren Magazin auf der Bodenplatte und wird mit ausgeschwenkt. Ein Wechsel kostet deutlich mehr Zeit als bei herkömmlichen Einsteckmaga­zinen, die man mit einem Handgriff entnimmt.

Die Rols kann bei geöffnetem Verschluss aber auch direkt von oben geladen werden, was wohl schneller geht, als den Magazinkörper zu tauschen, wenn die Patronen zur Hand sind.

Das Magazin liegt auf der Bodenplatte auf einer gewölbten Blattfeder und wird nach unten gedrückt, wenn man die Kammer schließt. Dadurch wird verhindert, dass der Kammerkopf in Berührung mit dem Magazin kommt. Die Pa­tronen werden mittig zugeführt – weich und geschmeidig.

Elegante Aufmachung, schnittiger Schaft
Das Design ist gelungen – der Alu-Systemkasten ist unten abgerundet, die Abschlüsse zu Vorder- und Hinterschaft bilden Kreisbögen, alles wirkt harmonisch und wenig kantig. Bei unserer Luxusausführung waren per Lasergravur auf den Systemseiten Tierstücke angebracht (r. Sauen/l. Rotwild).

Abzug, Magazinknopf und Entriegelungs­taste des Spannschiebers sind in Gold gehalten. Der schmale Vorderschaft ist 30 cm lang und erlaubt auch das Schießen mit ausgestrecktem Führarm. Er endet in einem Schnabel, der vordere Riemenbügel ist in die Stirnfläche geschraubt.

Der Mündungsabstand (28 cm) ist zum entspannten Tragen am Riemen über der Schulter beim 60 cm-Lauf gerade noch ok. Der Hinterschaft mit geradem Rücken und flacher deutscher Backe endet in einer 15 mm-Gummikappe ohne Ventilationsschlitze.

Das Pistolengriffkäppchen aus Stahl ist bei der Luxusausführung sehr edel skelettiert ausgeführt. Für den Schaft wurde gut gemasertes Nussbaumholz verwendet, gut poliert und mit glänzendem Ölschliff.

Eigene Montage
Wenn man schon ein neues Gewehr konstruiert, dann gleich auch eine neue Montage dazu, dachte man sich wohl auch bei Chapuis. Diese nicht gerade käuferfreundliche Denkweise scheint heute stark um sich zu greifen.

Bei der Rols wird das Zielfernrohr direkt auf dem Lauf angebracht, was für eine Waffe mit potenziellen Wechselläufen nur Vorteile hat. Die Laufoberseite hat links und rechts paarweise angeordnete Ausfräsun­gen (Gegen­lager der Verriegelungshebel) und mittig eine Bohrung für das Rückstoß­lager der Montage.

Chapuis Rols Montage
Chapuis-Montage – hier in der Ausführung von Henneberger.

 

Wie von der Sattelmontage bekannt, wird sie aufgesetzt und die beiden kleinen Schwenkhebel nach hinten gedreht, wodurch die Krallen sich in die Ausfräsungen legen und die Montage festlegen. Zusätzlich greift ein Stift an der Unterseite der Montage in die Laufbohrung.

Die Chapuis-Montage gibt es für Ringe verschiedener Durchmesser und gängige Innenschienen. Wir haben keine originale Chapuis-Montage benutzt, sondern eine von Henneberger, wo diese gerade ins Programm genommen wurde, optisch wirkt sie gefälliger und schlanker als die kantigere Chapuis-Montage. Damit wurde ein neues Zeiss Conquest V4 3 - 12 x 56 montiert.

Am Schießstand und im Kino
Die Testwaffe in .30-06 wurde auf 100 m aus dem Schießgestell überprüft. Als Testmunition kamen Gecos Zero (8,8 g) und Normas Eco Strike (9,7 g) zum Einsatz. Die Fünf-Schussbilder maßen 2,8 und 3,2 cm, wobei die Geco die Nase leicht vorn hatte – jagdlich völlig unerheblich.

Ein Schussbild nach Aus- und Einbau des Laufes zeigte keine Veränderung der Treffpunktlage, auch ein Setzschuss war nicht erforderlich. Das gilt auch für die Zielfernrohrmontage, die sich als widerholgenau erwies.

Für den Test im Schießkino wurde mit gleicher Montage ein Swarovski Z6i 1 - 6 x 24 montiert. Dabei zeigte sich die Rols in ihrem Element – sie lässt sich im Anschlag sehr flüssig und schnell repetieren und ist gut ausbalanciert.

Durch seine Länge bringt der dünne Lauf das nötige Gewicht mit, um gut zu schwingen. Wie vermutet, geht Nachladen von oben deutlich schneller als das Magazin aufzufüllen, zumal kein Wechselmagazin zur Verfügung stand.

Resümee
Chapuis neue Rols hat alles, was einen modernen Repetierer ausmacht: Wechsellauf, Handspannung, Wechselmagazin, prima Abzug – und sie lässt sich sehr schnell repetieren.

Natürlich drängt sich der Vergleich zu Blasers Platzhirsch R8 auf – die beiden sind sich von der Konstruktion sehr ähnlich, einige Merkmale der Rols resultieren wohl aus der Notwendigkeit, Patente zu umgehen.

Was Handspannung, Schloss­gang und Laufwechsel angeht, hat kein Modell gravierende Vorteile. Beide sind für hauseigene Montagen eingerichtet, selbst die Magazinkapazität ist gleich. Was die Schnelligkeit des Magazinwechsels angeht, hat Blaser die Nase vorn, auch der Abzug der R8 ist etwas besser.

Dafür sind Reservemagazine bei Chapuis wesentlich günstiger. Design ist Geschmacksache – und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Bleibt der Preis. Auch da sind die Allgäuer im Vorteil – eine Standard-R8 mit Holzschaft geht bei Frankonia derzeit für 3.682 € über die Theke, während die Rols 3.990 € kostet. Gegenüber dem günstigeren Preis, einer riesigen Modell- wie Kaliberauswahl und dem gut sortierten Zubehörmarkt wird der französische Newcomer hierzulande der R8 kaum Marktanteile abnehmen.

In Frankreich selbst mag das anders aussehen – da kommt Nationalstolz hinzu.

Chapuis Rols Technische Daten