Messer-Test: Peltonen Knives

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Messer-Test: Peltonen Knives

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In Lappenraanta, Finnland, fertigt Peltonen Knives seit 30 Jahren Messer für Outdoor, Jagd und Militär. Bei uns ist die kleine Firma mit der interessanten Geschichte weitgehend unbekannt, denn es gibt nur drei Modelle und die sind eigentlich optisch recht schlicht und unspektakulär, haben es aber in sich. Wir haben das mittelgroße Modell M07 Ranger Puukko eingehend getestet.

Juha-Pekka Peltonen diente in der finnischen Armee und als UN-Soldat auf Zypern und im Sinai, später als UN-Militärbeobachter im Libanon und in Kaschmir. Die Idee für das M95 Ranger Puukko stammt aus seiner Zeit als Beobachter im Libanon. 1979 sah er ein US-Dienstmesser, das ihn durch sein Gewicht, die Handhabung und Balance stark beeindruckte und er beschloss, so ein Messer mit den traditionellen finnischen Messern zu kombinieren, um es an die Bedingungen des Nordens anzupassen. Bereits während seines Einsatzes im Libanon begann er mit der Arbeit an einem Entwurf für ein perfektes Militärmesser, das für die rauen klimatischen Bedingungen Finnlands geeignet ist. Nach seiner Rückkehr nach Finnland begann er mit der Fertigung des M95 Sissipuukko.

Foto: Norbert Klups

Die Klingen wurden ursprünglich von Fiskars Oyj Abp hergestellt, der bekannten finnischen Metallfabrik. Die Inschrift „Fiskars“ auf dem Griff der älteren Modelle verweist auf das Dorf Fiskars, die 10470 ist die Postleitzahl. Peltonen lebte damals unweit von Fiskars. Der Name J-P Peltonen wurde auf dem Griff eingraviert. In der aktuellen Version werden die Klingen von Laurin Metalli in Kauhava, Finnland, hergestellt. Während Peltonen in Fiskars lebte, kam ein Oberstleutnant aus Sodankylä, der nördlichsten Einheit Finnlands, zu ihm und beklagte die nicht optimalen Militärmesser seines Bataillons. Er war unter den harten Bedingungen Nordfinnlands stationiert und betonte den dringenden Bedarf an einem geeigneten Messer. Niemand hatte je ein Puukko produziert, das mit moderner militärischer Ausrüstung übereinstimmte, da es speziell für diese Ausrüstung entwickelt werden musste. Ein Messer, das eine robuste Struktur mit militärischer Praktikabilität kombiniert und alle Eigenschaften aufweist, die man von einem Wildnis Messer unter nordischen Bedingungen erwarten kann. Peltonen konstruierte daraufhin seine Messerscheide und das sogenannte EasyLock-System. Diese Erfindung gewährleistet eine zuverlässige Befestigung in allen Positionen sowie ein sicheres und schnelles Ziehen des Messers mit nur einer Hand. Spezialeinheiten der Armee und der Grenzpolizei aus verschiedenen Ländern wurden seine Kunden. Noch bevor es von finnischen oder estnischen Spezialkräften eingesetzt wurde, kam es allerdings erstmals bei schwedischen Spezialkräften zum Einsatz, die auch auf Peltonen Messer aufmerksam geworden waren. Heute hat das M95 Ranger Puukko eine offizielle NATO-Bestellnummer – 1095-58-001-7860 und wird von Spezialeinheiten der Armee, der Grenzpolizei und militärische Einheiten aus verschiedenen Ländern geführt.

Die drei Modelle

Im Prinzip unterscheiden sich die drei Peltonen-Messer hauptsächlich durch die Klingenlänge. Das M95 Ranger Puukko (finnisch: Sissipuukko) hat eine 15 cm lange Klinge, das M07 Ranger Puukko ist die kürzere Version mit einer 11,9 cm langen Klinge, das 2007 herauskam. Die Griffe sind identisch. Das M23 Ranger Cub (finnisch: Pikkusissi) ist die letzte Entwicklung und anders gestaltet. Das kleine M23 ist für präzisere Aufgaben wie Schnitzen oder Schneidarbeiten wie sie beim Wandern oder Angeln anfallen, ausgelegt. Es hat eine nur 6,5 cm lange Klinge und wiegt lediglich 80 g. Auch der Griff ist 2,5 cm kürzer als bei den beiden großen Modellen.

Unser Testmesser

Für unseren Praxistest haben wir das mittelgroße M07 ausgewählt. Eine 11,9 cm lange Klinge ist mehr als ausreichend für den jagdlichen Einsatz oder für ein Survival-Messer.

Peltonen bietet verschiedene Grifffarben und Klingenbeschichtungen an. Wir haben den orangen Griff und die mattschwarze Teflonbeschichtung gewählt. Dazu die schwarze Komposit Scheide mit Easy Lock.

Foto: Norbert Klups

 

Die Klinge

Der Rücken der Klinge ist mit 4,25 mm sehr stark, während die Spitze fein ausgearbeitet ist. Am Übergang zur Schneide ist sie aber dünn, was eine hervorragende Schneidfähigkeit ergibt. Als Stahl wird Kohlenstoffstahl 1.2235 (80CrV2) verwendet und auf 59 HRC induktionsgehärtet. Dieser Stahl ist sehr gut für Messerklingen geeignet, die nicht rostfrei sein müssen. Optimal für robuste Klingen, die Schockbelastungen ausgesetzt sind. Trotz seiner robusten Eigenschaften weist er aber eine gute Schnitthaltigkeit auf. Zum Korrosionsschutz beschichtet Peltonen-Knives die Klingen wahlweise mit PTFE (Teflon) oder Cerakote. Man kann das Messer aber auch mit unbeschichteter Klinge bekommen. Unbeschichtet stellt das klassische finnische Klingenfinish dar, das für seine Authentizität geschätzt wird. Die Klinge hat schwarze Seiten und benötigt natürlich mehr Pflege, um Rost zu vermeiden. Das kleine M23 gibt es nur unbeschichtet. Beim Schliff geht Peltonen bei beschichteten und unbeschichteten Klingen verschiedene Wege.

Beschichtete Klingen beim M95 und M07 Ranger Puukko haben einen Sabre-Schliff mit einem Schleifwinkel von 23 Grad. Dieser besteht aus einem flachen Bereich und einer sekundären Fase (scharfer Teil ohne Beschichtung). Zunächst eine einzelne hohe Fase, ähnlich wie bei einem Scandi, jedoch näher zur Schneide hin gibt es eine schärfere zweite Fase. Die höhere Fase sollte niemals geschärft werden und hat einen flacheren Winkel als der Scandi. Das Schärfen beeinträchtigt die Beschichtung nicht. Unbeschichtete Klingen beim M95 und M07 Ranger Puukko haben technisch gesehen auch einen Sabre-Schliff, jedoch mit einer Mikro-Fase. Er kann als hoher Scandi-Schliff bezeichnet werden. Bei unbeschichteten Klingen eher als hochgeschliffener Scandi. Das unbeschichtete M23 Ranger Cub hat einen Scandi-Schliff mit 20° Winkel.

Der Griff

Die beiden großen Modelle haben den gleichen Griff aus TPV, eine Art gummiähnliches Kunststoffmaterial, das gegen Stöße, Chemikalien und Temperaturschwankungen unempfindlich ist. Der Erl, der bis zum Griffende reicht, ist vollständig vom Griff umschlossen. Der Griff hat ein komfortables Volumen und weist auf der Unterseite eine rutschfeste Textur auf. Wahlweise in Orange, Coyote, schwarz oder grün zu haben. Das kleine M23 hat ebenfalls einen Griff aus TPF, aber kürzer und balliger gestaltet.

Foto: Norbert Klups

 

Die Scheide

Auch hier gibt es wieder drei Optionen und verschiedene Farben. Einmal eine klassischen Lederscheide aus 3 mm dickem Leder, die in Finnland aus hochwertig gegerbtem Leder handgefertigt wird und eine traditionelle Optik bietet, wie viele Jäger sie bevorzugen. Sie beinhaltet eine innere Kunststoffhülse, um ein Durchstechen des Leders zu verhindern. Auch für Linkshänder erhältlich. Dann eine Komposit-Scheide aus Polypropylen, gemischt mit anderen Materialien, um die Flexibilität zu erhöhen. Die flache Scheide hält das Messer sicher und kann vielseitig befestigt werden. Sie verfügt über ein Ablaufloch für Wasserabfluss, Löcher für Lanyards und eine Daumenauflage für das Herausziehen des Messers. Die Scheide ist feuchtigkeits- und temperaturbeständig. Sie kommt mit einem Klettgurt, der sie MOLLE-kompatibel macht, oder es ermöglicht, das Messer am Gürtel zu befestigen. Sowohl für Rechts- als auch Linkshänder geeignet ist. Sie kann auch vertikal oder horizontal befestigt und getragen werden. Farboptionen passend zu den Griffen: Schwarz, Coyote, Grün und Orange. 

Die Kydex-Scheide ist TekLok-kompatibel, ebenfalls in verschiedenen Farben erhältlich und bietet einen sicheren Tragekomfort und eine einfache Entnahme.

Das besondere an den Peltonen-Scheiden ist das Easy-Lock-System, das bei den M95 und M07 Modellen in den Leder- und Komposit Scheiden verbaut ist. Zuvor wurde kein Puukko entwickelt, das moderne militärische Ausrüstungen ergänzt. Da das Ranger Puukko von J-P Peltonen für das Militär entworfen wurde, war es entscheidend, dass das Messer in allen gängigen militärischen Tragepositionen zuverlässig in der Scheide gehalten wird, beispielsweise mit dem Griff nach unten im Brustbereich. Herzstück des Easy-Lock-Systems ist die "Rubber Roll", eine kleine, flexible Gummiwalze im Inneren der Scheide. Diese hält das Messer auch in der umgekehrten Position sicher und stabil in der Scheide. Beim Einführen des Messers in die Scheide gleitet der Fingerschutz des Griffs über die Walze, wodurch das Messer sicher arretiert wird. Bei Bedarf kann das Messer leicht mit einer Hand gezogen werden, indem der Daumen gegen die Scheide gedrückt wird. Die Klettschlaufe der Komposit Scheide ist MOLLE- und PALS-System kompatibel und bietet dadurch eine Vielzahl von Trageoptionen, an Gürtel, Weste oder an den Riemen eines Rucksacks, auch in horizontaler oder auf den Kopf gestellter Trageweise. Die Schlaufe für den Gürtel ist mit einem im Lieferumfang enthaltenem Klettband ausgestattet, das vielseitige Befestigungsoptionen an Gürteln, Tragegeschirren, Riemen von Rucksäcken und Westen bietet. Die Scheide ist für Rechts- und für Linkshänder geeignet, da beide Seiten gleich geformt sind. Die Scheide verfügt auch über ein Loch zur Befestigung eines Riemens, um sie am Oberschenkel zu sichern.

Foto: Norbert Klups

 

Das M07 in der Praxis

Schon wenn man das Messer in die Hand nimmt, merkt man, dass hier ein Praktiker am Werk war. Der Griff ist ideal für mittelgroße und große Hände und das Messer gut ausbalanciert. Damit kann man komfortabel arbeiten. Es entstehen keine „Hot Spots“, die zu Blasenbildung führen. Auch mit feuchten Händen ist der Griff sehr rutschfest. Die Klinge ist ab Werk gut geschärft, aber nicht haarscharf. Für ein Gebrauchsmesser dieser Preisklasse geht das in Ordnung. Die Schneidleistung ist durch den dünnen unteren Klingenteil sehr gut. Aufbrechen von Schwarzwild ging damit flott von der Hand und nachgeschärft werden musste erst nach dem dritten Stück. Dazu reicht normales Schärfwerkzeug, wir haben einen Lansky-Schleifset benutzt. Die Scheide ist hervorragend, sie hält das Messer absolut sicher fest und trotzdem ist einhändiges Ziehen kein Problem. Dazu kann man die Scheide genau nach eigenem Geschmack befestigen. Auch die Sticheigenschaften sind sehr gut, Abfangen von Wild sollte auch kein Problem sein, was wir im Testzeitraum allerdings zum Glück nicht testen mussten. 

Resümee

Die Sissipukkos von Peltonen-Knives sind hochwertige Profi-Werkzeuge zu einem erschwinglichen Preis. Alle drei Peltonen-Modelle sind zum gleichen Preis zu haben: 95€ mit den Kunststoffscheiden. Wenn die Lederscheide gewählt wird, sind sie 10 € teurer. Dazu gibt es noch eine Garantie von 10 Jahren auf die Messer. Ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Norbert Klups