Lesezeit
4 minutes
Bisher gelesen

Test: Sako 85 Carbonlight

Sa., 06.04.2019 - 06:19
Erstellt in
Kommentare

Für leichte, korrosionsgeschützte Repetierer zur harten Auslandsjagd bietet sich ein Materialmix aus Kohlefaser und Edelstahl an – wie bei Sakos 85 Carbonlight. Norbert Klups hat die feder- und pflegeleichte Waffe für uns getestet.

Die 85 Carbonlight gibt es in vier Systemgrößen, die Kaliberpalette umfasst Kurzpatronen wie .223 Rem., die meisten Standardkaliber (.308 Win., .30-06, 8x57 IS, 9,3x62), und sie reicht bis zu Magnums (7 mm RM, .300 WM).

Insgesamt sind 15 verschiedene Kaliber im Angebot. Die Lauflängen schwanken von 51,5 bis 62 cm. Die Jagdpraxis-Testwaffe in .300 WM (Systemgröße L) hatte einen 62er-Lauf, der mit Mündungsbremse noch 6 cm länger wird.

Butterweicher Schlossgang
Verriegelt wird über drei am Verschluss­kopf angefräste Warzen. Die beiden seitlichen Verriegelungswarzen sind außen hinterfräst, wodurch die rechte unter dem Hülsenauswurffenster geführt wird.

Der Verschluss hat damit während des gesamten Repetiervorgangs Führung in der Hülse, die Kammer bewegt sich damit leicht und ohne jedes seitliche Verkanten. Verschlusshülse und Verschluss werden auf CNC-Maschinen aus dem Vollen gefräst – mit minimalen Tole­ranzen.

Der Öffnungswinkel (60 Grad) erlaubt tiefe Zielfernrohrmontagen. Bei federbelasteten Ausstoßern fliegt die Hülse raus, sobald der Mund im Fenster frei ist. Wer dann den Verschluss nicht bewusst bis ganz hinten zieht, kann leer repetieren – und nimmt so keine Patrone aus dem Magazin mit!

Das kann bei einem mechanischen Ausstoßer nicht passieren, denn wenn die leere Hülse ausgeworfen wird, befindet sich der Verschluss auch in der richtigen Position, um eine Patrone aus dem Magazin mitzunehmen.  Der mechanische Ausstoßer der Sako ist nicht seitlich positioniert (wie bei 98ern), sondern greift von unten mittig in den Stoßboden.

Die Hülsenbrücken verfügen über angefräste konische Basen für die SAKO-Aufschubmontage. Diese ist sehr massiv und wird mit zwei Klemmbacken (gesichert über Torxschrauben) fixiert. Zum Abnehmen der Zieloptik wird zwar Werkzeug benötigt, dafür ist die Montage extrem robust und sehr flach. Da die 85 Carbonlight keine offene Visierung hat, ist ein schnelles Abnehmen des Zielfernrohrs auch nicht nötig.

Sako 85 Carbonlight Hülsenbrücken
Die Prismen der ZF-Montage sind aus dem vollen Material der Hülsenbrücken gefräst. Der Hebel vor der Sicherung erlaubt das Öffnen der Kammer im gesicherten Zustand.

 

Die oberen Sichtflächen sind guillochiert (graviert), und sogar das Schlösschen hat eine solche Oberseite. Die Hülsenunterseite ist vom Kopf bis zur Brücke vollkommen plan.
Der einstellbare Flintenabzug war bei der Testwaffe auf 750 g justiert – ideal zur Jagd und auch mit kalten Fingern noch händelbar.

Die Sicherung rechts hinter dem Kammerstängel blockiert im gesicherten Zustand Abzugsstange und Kammer. Sichern und Entsichern geht völlig geräuschlos. Vor dem Sicherungsschieber befindet sich ein kleinerer Drücker, mit dem sich der Verschluss bei gesichertem Abzug öffnen lässt. So kann man eine im Lager befindliche Patrone bei gesichertem Abzug entnehmen (auf Wunsch Handspannung möglich).

Das Kastenmagazin aus verzinktem Stahlblech (Bodenplatte und Zubringer aus Alu – bester Korrosionsschutz) nimmt vier Patronen auf. Der Drücker zur Entriegelung sitzt vor dem Magazin in einer Ausfräsung. Um ihn zu betätigen, muss man das Magazin vorn etwas eindrücken, sonst bewegt er sich keinen Millimeter. Die doppelte Bewegung aus Druck und Zug verhindert sehr wirksam, dass sich das Magazin selbst entriegelt.

Kannelierter Edelstahllauf mit Carbonschaft
Der 62 cm lange, kalt gehämmerte Lauf ist mit einem Mündungsgewinde M 15x1 versehen, auf das sich die mitgelieferte Mündungsbremse oder ein Schalldämpfer schrauben lässt. Zur besseren Kühlung ist der Lauf kanneliert – viel weniger Gewicht bringt das nicht, sieht aber schick aus.

Der Edelstahllauf ist wie das System matt gestrahlt und spiegelt nicht. Auch Kammer und Schlösschen bestehen aus rostträgem Stahl. Die Edelstahl-Mündungsbremse wirkt sehr schlank, fünf Lochreihen mit je fünf Bohrungen erwiesen sich als sehr effektiv. Besonders Hochschlag wird fast völlig eliminiert, problemlos waren fünf gezielte Schüsse in schneller Folge möglich.

Sako 85 Carbonlight Mündungsbremse
Die Mündungsbremse hat den Außendurchmesser des Laufs, alternativ lässt sich ein Schalldämpfer anbringen.

 

Kohlefaserschäfte gelten bei Jagdrepetierern als Nonplusultra, wenn es leicht und robust werden soll. Kohlenstofffasern und der Werkstoff Carbon zeichnen sich durch extreme Festig- und Steifig­keit bei gleich­zeitig geringem Gewicht aus.

Sako 85 Carbonlight
Die Systemunterseite ist plan, unter der vorderen Hülsenbrücke (r.) liegt die Anfräsung, die in die Bettungsplatte greift.

 

Ein solcher Schaft wiegt gegenüber Holz, Alu oder Glasfaser gerade mal die Hälfte. Darüber hinaus sind Kohlefasergewebe völlig unempfindlich gegen Witterungs- und chemische Einflüsse. Dazu kommt eine hervorragende Ermüdungsbeständigkeit und Vibrationsdämpfung.

Der Schaft der Sako bringt ganze 630 g auf die Waage. Nachteil von Carbon ist, dass es kaum möglich ist, griffige Fischhaut anzubringen, bei Regen oder mit schweißnassen Händen kann es so schnell rutschig werden.

Viele Hersteller bringen daher an Pistolengriff und Vorderschaft rutschhemmende Einlagen aus Gummi oder Leder auf. Sako geht einen anderen, sehr praxisgerechten Weg – der komplette Schaft ist mit  Softlack beschichtet und fühlt sich stumpf und sehr griffig an.

So wird die interessante Carbon-Optik nicht durch Einlagen verdeckt. Der Vorderschaft mit breiter, flacher Unterseite lässt sich sehr bequem auflegen. Abgeschlossen wird der Schaft durch eine dicke Gummikappe, die für zusätzliche Rückstoßdämpfung sorgt.

Sako 85 Carbonlight Bettungsplatte
Unter dem Hülsenkopf liegt im Schaft eine Stahlplatte als Auflage. Sie greift in den Schaft. Unter dem System ist eine Anfräsung, die in die Platte greift. Eine Schraube sorgt für eine feste Verbindung von Platte, Schaft und System.

 

Zur spannungsfreien Bettung ist unter dem Hülsenkopf eine Stahlplatte eingelegt, die über eine Anfräsung in den Schaft greift. Riemenbügelbasen aus Edelstahl wurden in Vorder- und Hinterschaft geschraubt, beim 62er-Lauf ergibt sich so leider ein sehr ungünstiger Mündungsabstand von 40 cm, der sich mit Mündungsbremse noch vergrößert.

Auf dem Schießstand
Die Büchse war mit einem Swarovski Z8i 2 - 16 x 50 ausgestattet und wurde auf 100 m aus dem Schießgestell mit RWS, Hornady und Norma getestet. Der beste 5-Schuss-Streukreis betrug nur 2,4 cm (Hornady Lite SST 150 grs.), auch die anderen Laborierungen lagen unter 3 cm.

Die 2,9 kg leichte Büchse liegt mit aufgeschraubter Mündungsbremse ruhig im Schuss und lässt sich schnell und flüssig repetieren. Leere Hülsen werden sicher ausgeworfen, die Zuführung der Patronen aus dem Magazin funktioniert reibungslos. Der Kammerstängel (griffgünstig auf Abzugshöhe) erlaubt schnelles Repetieren.

Ohne Mündungsbremse erhöht sich zwar der Rückschlag, aber auch so ist präzises Schießen sehr gut möglich, der Kohle­faserschaft spielt seine dämpfenden Eigenschaften sehr positiv aus.

Resümee
Sako baut auf Basis des 85er-Systems eine sehr leichte Jagdbüchse –hervorragend verarbeitet, mit exzellenter Schussleistung und sicherer Funktion. Der ausgezeichnete Korrosionsschutz ist ein Vorteil, den besonders Auslandsjäger schätzen.

Der Preis von 3.945 € (inkl. Mündungsbremse/Magnum/Standard 3.778 €) ist für diese Edelversion mit Kohlefaserschaft und kanneliertem Lauf absolut angemessen.

Sako 85 Carbonlight Technische Daten