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Test: BDF Sauer Apollon

Do, 23.08.2018 - 16:10
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Bockflinten fehlten im Programm von Sauer noch – jetzt kommen gleich zwei auf den Markt. Die Damenflinte heißt Artemis, wir haben das technisch identische Herrenmodell Apollon geführt. Von Norbert Klups.

Die neuen Sauer-Flinten werden bei Fausti in Gardone (Italien) gebaut – reinrassig für die Jagd. Verschluss- und Schlosstechnik stammen von einem bewährten Fausti-Modell, die Schäftung wurde in Isny entwickelt – mit der Vorgabe, blitzschnelles Anschlagen in jagdlichen Situationen zu ermöglichen.

Markant ist der französische Pistolengriff – eine flache, halbrunde Form, als Kompromiss zwischen englischen und herkömmlichen Schäften mit wesentlich steilerem Pistolengriff. Dieser Kompromiss baut etwas Handspannung auf und drückt den Schaft ans Gesicht, erlaubt aber trotzdem eine entspannte Handhaltung. Er ist damit universell für Bodenziele und auch Überkopfziele geeignet. Abgeschlossen wird er mit einer dünnen schwarzen Gummikappe, die etwas glatter ausfallen könnte.

Die Holzqualität ist auffallend gut. Die Maserung ist allerdings nicht natürlich, sondern wird nachträglich eingebrannt. Dabei wird in helles Schaftholz eine dunkle, fast schwarze Maserung gelasert. Poliert und mit Fischhaut verschnitten ist, sieht das aus wie hochwertiges Nussbaumholz und fühlt sich auch so an – ein Finish, das sich sehen lassen kann.

Sauer BDF Apollon Hinterschaft
Gelungener Kompromiss für die Jagd – Hinterschaft mit geradem Rücken und Prince of Wales-Pistolengriff.

 

Die Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft ist fein und griffig, der Vorderschaft schlank. Riemenbügel werden mitgeliefert, die Base des vorderen Bügels ist am unteren Lauf angelötet.

Als Verschlusssystem dient eine doppelte Laufhakenverriegelung mit zusätzlicher Flankenabstützung. Scharniere sind halbkreisförmige Ausfräsungen im Monoblock, die in zwei entsprechende, austauschbare Scharnierscheiben im vorderen Kastenbandenbereich greifen. Der aus dem Vollen gearbeitete Systemkasten aus Chrom-Nickel-Stahl ist einsatzgehärtet und schwarz brüniert, als einziger Schmuck dient das Sauer-Em­blem in Gold.

Sauer BDF Apollon Verschluss-Stück
Doppelte Laufhaken und Flankenabstützung sorgen für ein langes Leben des Verschlusses.

 

Einabzug mit Umschaltung
In vorderster Position des Sicherungsschiebers schiebt sich das Schwinggewicht unter eine Abzugsstange. Über den integrierten Schalter im Sicherungsschieber wählt man den unteren oder oberen Lauf an. Die anschließende Umschaltung auf den nächsten Lauf erfolgt über das Schwinggewicht, ausgelöst durch den einwirkenden Rückstoß.

Sauer BDF Apollon Schloss
Ist die Flinte entsichert, liegt das Schwinggewicht unter den Abzugsstangen. Nimmt man den Sicherungsschieber zurück, wird auch die
Verbindung zu den Abzugsstangen aufgehoben.

 

Die Abzugsgewichte lagen bei 1,75 und 1,9 kg, durch die trockenstehenden Abzüge ist flüssiges Abziehen ohne Verreißen möglich.

Sauer BDF Apollon Sicherung
Der Umschalter für den Einabzug ist im Sicherungsschieber integriert.

 

Die innen hart verchromten 76-cm-Läufe (71 cm optional) sind in den Monoblock gelötet. Die ventilierte Laufschiene ist sieben Millimeter breit und fein gerippt. Ein Messing-Perlkorn ist in die Visierschiene eingeschraubt.

Die Läufe sind mit mündungsbündigen Wechselchokes ausgestattet. Damit wird die Flinte natürlich wesentlich universeller. Mitgeliefert werden fünf Einsätze (Zylinder- bis Vollchoke) und ein Chokeschlüssel. Die Einsätze sind vorn mit Kerben gekennzeichnet (eine Kerbe: Vollchoke/2: ¾/3: ½/4: ¼).

Sauer BDF Apollon Chokes

Sauer BDF Apollon Wechselchokes
Zum Lieferumfang gehören fünf Wechselchokes (Zylinder- bis Voll), die sich mit dem passenden Schlüssel mündungsbündig einschrauben lassen.

 

Für den schnellen Auswurf der leeren Patronenhülsen sorgt ein geteilter Ejektor mit Schraubenfedern. Das System funktionierte einwandfrei, alle abgeschlagenen Hülsen wurden sicher ausgeworfen, während nicht abgefeuerte Patronen lediglich leicht angehoben werden und so bequem zu entnehmen sind.

Sauer BDF Apollon Systemkasten
Der Stahlsystemkasten ist schwarz brüniert, einziges farbliches Design-Element ist das Sauer-Logo.

 

Die 3,4 kg schwere Apollon ist leicht kopflastig – nicht ganz optimal. Mit dem 71 cm-Laufbündel dürfte die Balance günstiger ausfallen.

Gute Deckung
Zunächst wurde die Treffpunktlage überprüft. Beide Läufe schossen gut zusammen und bei auf dem Kasten aufsitzenden Korn leicht tief. Der gewünschte leichte Hochschuss stellt sich somit von selbst ein, wenn wie bei der Jagd üblich mit etwas sichtbarer Schiene geschossen wird. Geschossen wurde mit Schrotpatronen 12/70 (Schwarze Waidmannsheil von RWS/3 mm).

Auf 35 m zeigte die Flinte eine sehr gute Deckung. Auch die Regelmäßigkeit gab keinen Anlass zur Kritik. Wir haben mit ¼ und ¾ Choke geschossen und die Testwaffe zeigte eine gute Abstufung zwischen den beiden Laufverengungen, schießt aber eher eng. Richtig Spaß machte die Apollon im Parcours – durch die langen Läufe schwingt sie hervorragend und lässt sich blitzschnell in Anschlag bringen. Der Rückstoß wird geradlinig in die Schulter übertragen und der zweite Schuss kann sehr schnell folgen. Der Schaft passt für Rollhasen ebenso gut wie für Überkopftauben.

Resümee: Sauers Apollon ist eine optisch gut aufgemachte und technisch ausgereifte Bockflinte für die Jagd. Im Preis von 1.995 € ist neben den Wechselchokes auch ein robuster Kunststoffkoffer enthalten. Preislich bewegt man sich damit auf dem Niveau von Klassikern wie Berettas 686 oder Brownings B 525. Punkten kann die Sauer mit ihrem
optisch und anatomisch gelungenen Schaft.