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1. US-Geradezug-Repetierer

Fr., 06.08.2021 - 08:00
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Jagdbüchsen mit Geradezugverschluss gab's bisher ausschließlich aus good old Europe. Jetzt mischt auch der größte US-Langwaffenhersteller Savage mit der Impulse mit. Wir haben eins der ersten verfügbaren Modelle ausgiebig getestet.

Geradezugrepetierer erfreuen sich nicht nur für Bewegungsjagden steigender Beliebtheit. Sie unterliegen keiner gesetzlichen Beschränkung der Magazinkapazität und haben eine sehr schnelle Schussfolge, wenn man damit umgehen kann. Die Auswahl ist mit Modellen von Blaser, Heym, Rössler, Strasser, Merkel, Browning, Steel Action und Lynx schon sehr gut – alles euro­­­pä­ische Marken und preislich eher in den oberen Reihen angesiedelt, abgesehen von Rösslers Titan, bei der es schon bei knapp über 1500 € los geht. Die Savage Impulse (1899€) liegt also in einem sehr günstigen Preissegment.

Geradezugrepetierer spielten bisher in den USA keine große Rolle, dortige Jäger mussten wohl oder übel ein teures europäisches Modell kaufen, wenn sie blitzschnell repetieren wollten. Savage war es wohl leid, den riesigen US-Markt in diesem Segment den Europäern zu überlassen.

Vor über zwei Jahren begann man in Massachusetts mit der Konstruktion einer völlig neuen Büchse – zumindest was den Verschluss angeht. Bei vielen anderen Teilen wurde bewährte Technik eingesetzt, die sich auch an anderen Savage Büchsen findet. Dass man sich die Sache nicht leicht gemacht hat, zeigen 13(!) patentierte Konstruktionsmerkmale der neuen Impulse.

Der Hexlock-Verschluss

Savage nennt den neuen Geradezugverschluss Hexlock. Verriegelt wird über sechs symmetrisch am Verschlusskopf angeordnete Stahlkugeln, die zwangs­gesteuert agieren. Der Lauf ist in eine Stahlhülse geschraubt, der Verschluss­abstand wird wie bei der Savage 110 über eine Laufmutter eingestellt, die Kugeln greifen in diese Stahlhülse.

Das Rad hat man damit freilich nicht neu erfunden, auch Heyms SR 30 verriegelt über sechs Stahlkugeln – nur die greifen in den Hülsenkopf. Dieses Heym- Patent ist eine Weiterentwicklung des Verschlusses für Biathlongewehre von Peter Fortner von 1984.

Nicht neu, aber robust und sicher: Der Verschluss über sechs Stahlkugeln.

 

Verschlüsse mit Stahlkugeln sind sehr robust und sicher, so dass es keine schlechte Wahl war, darauf zu setzen. Bei Druckanstieg werden die Stahlkugeln weiter in die Verrie-gelungsnuten gepresst, damit hält ein solcher Verschluss auch sehr hohen Gasdrücken stand. Der Verschluss wird in einem Systemkasten aus Leichtmetall geführt, der zur sauberen Verschlussführung noch über eine Stahl­einlage verfügt. Die Oberseite des Verschlusskastens ist eine integral gefertigte Picatinny-Schiene mit einer Vorneigung von 20MOA, mit dem man den Höhenverstellbereich eines Zielfernrohrs optimal ausnutzen kann. Damit steht einer schnellen und preisgünstigen Montage nichts mehr im Wege – passende Oberteile hat jeder große Montagehersteller in verschiedenen Varianten im Programm.

Beim Kammerstengel ganz am Ende der Verschlusskammer hat man sich was wirklich Innovatives einfallen lassen – er lässt sich nicht nur ohne Werkzeug entfernen, sondern kann auch in verschiedenen Winkeln angebracht werden, so dass man den Kopf ganz nach seinem Geschmack weiter vorn oder hinten posi­tionieren kann.

Der Kopf ist aufgeschraubt und kann leicht ausgetauscht werden, die Aufnahme für den Stengel ist sogar auf beiden Seiten vorhanden, so dass der Kammerstengel auch auf der linken Seite angebracht werden kann. Da der Kunststoffschaft gerade ist (ohne Backe), wird die Impulse damit zur vollwertigen Linkshänderwaffe.

Automatisch verriegelnd und mit verstellbarem Kammerstengel: Der Savage-Verschluss.

 

Schiebt man den Verschluss nach vorn, verriegelt er automatisch – wenn man feuert, wird diese Verriegelung aufgehoben. Um die Verriegelung beim Laden und Entladen manuell aufzuheben, liegt an der Rückseite der Verschlusskammer eine Drucktaste.

Beim Abzug verwendet Savage seinen justierbaren AccuTrigger. Bei der Impulse ist er sogar von außen einstellbar, ohne den Schaft zu demontieren. Dazu hat der Abzugsbügel hinten einen kleinen Schlitz durch den man die Stellschraube erreicht. Der Abzug der RWJ-Testwaffe war ab Werk auf 1320g eingestellt – den US-Produkthaftungsgesetzen geschuldet, nach einigen Umdrehungen am Schräubchen löste er bei 970g trocken ohne spürbaren Vorweg aus. Die Fangraste für den Verschluss links an der hinteren Hülsenbrücke hat noch eine zusätzliche Sicherung. Sie lässt sich zur Entnahme des Verschlusses erst eindrücken, wenn man vorher einen kleinen davor liegenden Schieber betätigt.

Der Verschlusskopf lässt sich werkzeug­los wechseln, wenn ein Lauf in einem Kaliber eingelegt wird, das einen anderen Stoßbodendurchmesser benötigt. Die Sperr­raste für den Verschlusskopf ist so konzipiert, dass man sie nur im verriegelten Zustand betätigen kann.

Gleich drei Sicherungen

Was man vergeblich sucht, ist eine Handspannung. Dieses hierzulande sehr beliebte Ausstattungsmerkmal spielt in den USA keine Rolle, dafür verfügt die Impulse gleich über drei unabhängig voneinander arbeitende Sicherungen:

- eine mechanische Scherung verriegelt den Schlagbolzen automatisch, bis der           Verschluss vollständig geschlossen ist,

- das kleine Züngel im AccuTrigger wirkt auf den Abzugsstollen und lässt eine           Schussabgabe nur bei völlig  durchgezogenem Abzug zu,

- eine mittig hinterm Schloss platzierte Zweistellungs-Sicherung legt im gesicherten           Zustand den Abzug fest.

Damit dürfte die Impulse sogar im ungesicherten Zustand fallsicher sein. Die Kammer lässt sich auch durch Druck auf die Entriegelungstaste öffnen, wenn die Schiebsicherung in hinterer Stellung ist. Laden und Entladen ist damit in vollständig gesichertem Zustand möglich.

Einsteck-Magazin und Wechsellauf

Die Impulse hat ein Einsteck-Magazin aus Stahlblech mit Schulterstopp für vier Patronen (10  Schuss-Magazin optional). Der Auslöser sitzt vertieft direkt vor dem Magazin in der massiven Leichtmetall-Bodenplatte. Unser Test-Modell Predator hatte einen 51cm-Lauf mit 19mm-Mündungsdurchmesser. Der Lauf mit 1-8 Drall verfügt über ein 5/8“-24 UNEF- Mündungsgewinde, abgedeckt mit einer Schutzmutter. Der Lauf aus hauseigener Produktion ist im Systemkasten mit einer Gewindehülse fixiert.

Zum Laufwechsel muss man den Schaft demontieren und vier Arretierungsschrau­ben lösen, die Vordere muss samt Gewin­dehülse entfernt werden. Dieser Einsatz greift in eine Lauf-Ausfräsung und sorgt für gleichbleibenden Sitz in der Längsachse. Der Lauf ist damit gleichzeitig gegen Verdrehen gesichert. Der Laufwechsel geht sehr schnell, das Klemmsystem ist sehr spielarm und macht einen guten Eindruck in Sachen hoher Wiederkehrgenauigkeit.

Schwachpunkt ist sicher, dass man den Schaft entfernen muss und das Lösen und Anziehen von Systemschrauben sehr oft zur Verlagerung der Treffpunktlage führt. Dieser Sorge wurde beim Schießtest besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

AccuFit-Kunststoffschaft

Der AccuFit-Schaft mit Alu-Chassis-Systembett ist in Länge und Höhe des Hinterschaftes individuell anpassbar. Dazu werden drei Distanzstücke (6, 12, 18mm) und vier unterschiedlich hohe Rücken-Einsätze mitgeliefert. Die Original-Schaftlänge beträgt 35cm. Um einen anderen Rücken zu montieren, entfernt man zunächst die Schaftkappe – dann lässt sich das Rückenteil nach hinten ab- und ein anderes aufschieben. Repetieren ist auch mit hohem Rücken kein Problem, die Kammer kommt nur bis zur Schaftnase.

Auch der Verschluss lässt sich mit montiertem hohen Rücken entnehmen, da er vorn flach genug ist. Auch zum Reinigen muss ein höherer Rücken nicht jedes Mal abgenommen werden.

Auf dem Schießstand

Zur Präzisionsprüfung kam mit einer Schnellspannmontage ein Leupold VX  5 HD 4-20x52 auf die Impulse. Es liefert ein glasklares Bild mit Parallaxverstellung und sehr feinem Absehen. Mit dieser hochvergrößernden Zieloptik lässt sich vom Schießgestell feststellen, was die Büchse wirklich kann. Zum Handlings- und Funktionstest im Schießkino wurde ein Bushnell 1-6x24 Drückjagdglas montiert: Im Kino konnte die Impulse überzeugen, sie lässt sich leicht und schnell repetieren, der Verschluss wird sauber geführt, die Patronen­zufuhr und das Auswerfen der leeren Hülsen erfolgt störungsfrei. Die Büchse ist durch den Semi-Weight-Lauf etwas kopflastig und schwingt gut. Nach einigen Versuchen stellte sich heraus, dass sich die beste Position des verstellbaren Kammerstengels ergibt, wenn die Kugel etwa auf Abzugshöhe liegt – nicht ohne Grund wählen die Konstrukteure der meisten modernen Büchsen diese Position. Dabei kann man aber experimentieren und die individuell günstigste Stellung suchen. Der Kammerstengel lässt sich sehr schnell verstellen.

Schwingt gut und ist leicht individuell anpassbar: Die Savage Impulse.

 

Auf der 100m-Bahn zeigte die RWJ-Testwaffe eine sehr gute Präzision mit Hornadys 120 grs. GMX, die von Importeur Helmut Hofmann mitgeliefert wurde und mit der die Testwaffe eingeschossen war (Fünf-Schuss-Streukreis: 19mm). Doch auch Hornadys schwerere 143grs. ELD-X schoss sehr konstant und präzise.

Dann wurde der Schaft entfernt, der Lauf aus- und wieder eingebaut und der Schaft wieder angebracht. Der Streukreis veränderte sich nicht, aber die Treffpunktlage verschob sich leicht – 4cm nach links und 4cm tiefer. Trotz dreidimensionalem Alu-Schaftbett verändert sich die Treffpunktlage nach Laufwechsel damit leicht.

Um das Problem eventuell zu beheben, wurde das System noch einmal ausgebaut und die Schrauben mit einem Drehmoment-­Schlüssel bei 5nm angezogen. Danach die Waffe wieder Fleck eingeschossen, Schaft und Lauf demontiert, wieder zusammengebaut und die Systemschrauben wieder mit 5nm angezogen. Diesmal blieb die Treffpunktlage konstant!

Wir haben das sicherheitshalber drei Mal wiederholt. Wer sich also eine Impulse mit Wechsellauf zulegen will, sollte zusätzlich ein paar Euro in einen guten Drehmoment-Schlüssel investieren, mit dem man sich den Probeschuss nach Laufwechsel sparen kann.

Resümee: Die handliche Büchse funktioniert problemlos, lässt sich sehr schnell repetieren und schießt hervorragend. Mit Wechsellauf und Einsteckmagazin ist sie zeitgemäß ausgestattet und bietet zudem interessante Extras wie den umsteck­baren, im Winkel verstellbaren Kammer­stengel und die individuelle Anpassung des Schaftes in Höhe und Länge. Mit der Picatinny-Schiene sind preisgünstige Montagen möglich und am Abzug gibt's auch nichts zu meckern. Die Predator gibt es in den typischen US-Präzisionskalibern .22-250 Rem.,  .243 Win., 6,5mm Creedmoor und .308. In den anderen Modellen Big Game und Hog Hunter stehen auch stärkere Kaliber wie .30-06 und .300 Win. Mag. zur Verfügung. Die Savage hat das Potential zu einem festen Platz in deutschen Revieren, auch wenn sie eine typische US-Büchse ist. Punkten wird sie durch ihren Preis deutlich unter der Konkurrenz aus Deutschland und Österreich, besonders junge Jäger werden sich angesprochen fühlen. Zudem ist zu erwarten, dass Savage die Modellpalette schnell ausbauen wird.

Norbert Klups