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Test: Minox 3 - 15 x 56

Fr., 06.03.2020 - 13:22
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Die neuen Minox Zielfernrohre mit 5-fach Zoom werden in Wetzlar gebaut. Dabei legt man großen Wert auf lichtstarke Optik und bestes Einblickverhalten. Norbert Klups hat das größte Modell des Nachtjagd-Spezialisten getestet.

Der Wetzlarer Hersteller Minox ist im Zielfernrohrmarkt bestens etabliert und bekannt für Mittelklasse zu günstigen Preisen aus Japan. Dass man auch in der Oberklasse agieren kann, zeigt die Tactical-ZP-Serie – produziert in Wetzlar, für über 2.000 €

Die neue Jäger-Serie umfasst drei Modelle – 1-5 x 24, 2-10 x 50 und 3-15x 56. Damit ist der gesamte Anwendungsbereich vom Drückjagdspezialisten über den Allrounder bis zum Nachtjagd-Profi abgedeckt. Alle Modelle - wahlweise auch mit Innenschiene - verfügen über ein Leuchtabsehen.

Wuchtig und wertig
Vom Design macht das neue Modell einen wuchtigen und sehr wertigen Eindruck – Kunststoff findet man daran nicht. Selbst die Abdeckkappen der Verstelltürme sind aus Aluminium gefräst und schwarz eloxiert. Der breite Zoomring hat markante, grobe Rillen und einen Knubbel bei sechsfach.

Mit 760 g bei 37,2 cm Länge ist es kein Leichtgewicht (zum Vergleich: Swarovski Z6i 2,5-15 x 56: 36,7 cm / 675 g).

Das Gehäuse ist aus einem in der Luftfahrt gebräuchlichen anodisierten Spezial-Aluminium gefertigt. Die Oberfläche erwies sich im Jagdbetrieb als äußerst kratzfest. Argon im Innern des Gehäuses verhindert das Beschlagen der Linsen und Korrosion im Inneren.

Bei der Ausstattung hat man aus dem Vollen geschöpft – stufenlos dimmbares Leuchtabsehen, automatische Abschaltung durch 900-Lagesensor und Auto-Abschaltung nach 3 Stunden.

Um Energie zu sparen, registriert ein Neigungssensor, wenn sich das Zielglas in nicht schussgerechter Lage befindet und schaltet das Leuchtabsehen ab. Bewegt man die Waffe, wird es sofort wieder eingeschaltet.

Minox 3-15x56 Parallaxeausgleich
Das Leuchtabsehen liegt kombiniert mit dem Parallax-Ausgleich als dritter Turm links am Mittelrohr.

 

Diese Technik verlängert die Batterie-Lebensdauer und verlangt keine zusätzlichen Manipulationen – sobald man das Leuchtabsehen braucht, steht es zur Verfügung. Verbaut wird ein Glasfaser-Leuchtabsehen, das einen scharf abgegrenzten und kreisrunden Leuchtpunkt liefert.

Hervorragende Transmission
Minox gibt die Transmission mit 94 Prozent an, was im High-End-Bereich bei Zieloptik liegt. Für den Jagdpraxis-Test wurde das in einem Optik-Labor überprüft – das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Gemessen wurde über einen Wellenbereich von 380 bis 780 nm (DIN ISO 14490-5). Die Tagtransmission lag tatsäch­lich bei 94 und nachts bei 91,8 Prozent – beachtliche Werte. Von 580 bis 620 nm lag die Transmission sogar über 95 Prozent!

Der Augenabstand wurde auf 10 cm verlängert. Das klassische Absehen 4 mit Leuchtpunkt in der zweiten Bildebene vergrößert sich nicht mit. Der Dioptrieverstellbereich reicht von -2,0 bis + 2,0 dpt (Schnellverstellung am Okular-Ende).

Die Absehenverstellung mit Klickrastung verändert die Treffpunktlage pro Klick um 1 cm auf 100 m. Der Vergrößerungswechsel erfolgt mit lediglich einer halben Umdrehung des griffig gerillten Zoomrings, das Sehfeld liegt bei 11,9 m auf 100 m bei kleinster Vergrößerung und 2,3 m bei 15-fach.

Minox 3-15x56 Absehenverstellung
Die Absehenverstellung (ohne Werkzeug bedienbar) ändert die Treffpunktlage um 1 cm auf 100 m.

 

Das 56er verfügt als einziges Modell der neuen Serie über einen Parallax-Ausgleich – sehr formschön im Turm auf der linken Rohrseite gemeinsam mit dem Regler für das Leuchtabsehen. Er reicht von 50 m bis unendlich.

In der Praxis
Das Testglas kam mit einer Sattel­montage auf eine Baser R 8. Die Waffe war mit wenigen Patronen eingeschossen, die Mechanik der Absehenverstellung arbeitet sehr sauber, mechanisch gibt es da nichts zu meckern.

Der rote Zielpunkt lässt sich stufenlos dimmen und erreicht voll aufgedreht eine beeindruckende Helligkeit, auch bei Sonne und Schnee ist er kaum zu übersehen. Bei Dunkelheit überstrahlt er in kleinster Stufe nicht.

Auf Augenhöhe
Das Testglas zeigte ein helles Bild mit guter Randschärfe und sehr gutem Kontrast. Für ein komfortables Einblickverhalten (Eyebox) wurde ein vergrößertes Okular verbaut – auch wenn das Auge nicht genau zentrisch hinter dem Okular platziert wird, liefert die Optik ein kreisrundes Bild ohne sichtbare Abschattung.

Damit liegt man jetzt auf dem Niveau von Swarovski, Zeiss oder Leica.

Auch mit Gegenlichtsituationen wurde das Minox im Revier sehr gut fertig. Der Parallax-Ausgleich und das Drehrad des Leuchtabsehens sind im Anschlag gut bedienbar, der Zoomring läuft angenehm weich.

Resümee
Das neue Minox 3 - 15 x 56 ist ein sehr lichtstarkes Ansitzzielfernrohr mit beeindruckender Transmission und sehr guter Ausstattung – ein Parallax-Ausgleich ist ebenso vorhanden wie eine Abschaltautomatik für den Leuchtpunkt nach Zeit und mit Lage-Sensor.

Preislich verabschiedet man sich damit natürlich von der Mittelklasse, was bei der Leistung aber auch völlig gerechtfertigt ist – ohne Schiene kostet es 1.499 €, mit 1.699 €.

Im Lieferumfang enthalten sind sehr hochwertige, klappbare Objektiv- und Okular-Schutzkappen des Markenherstel­lers Tenebraex – allein ein (Mehr)Wert von 130 €.

Preislich bleibt man also auf dem Teppich – wie sehr man vom Ergebnis überzeugt ist, zeigt die Garantiefrist von 30 Jahren, die heute bei Jagdoptik eher selten ist.