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Test: Dörr Milan 3-15x50

Sa., 14.12.2019 - 06:57
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Universal-Zielfernrohre zur Jagd bei schlechtem Licht, Pirsch und gelegentlich bei Bewegungsjagden reißen schnell ein großes Loch in die Jagdkasse und übersteigen schnell den Preis der Waffe. Kann man auch erfolgreich mit Discount-Optik für gerade mal 529 € jagen? Norbert Klups hat das Zielfernrohr von Dörr unter der Lupe genommen.

Dörr ist ein deutsches Unternehmen mit 50 Mitarbeitern in Neu-Ulm. Doch Dörr produziert nicht im bayerischen Schwaben, sondern beschäftigt sich mit dem In- und Export von Outdoor & Jagd, Optik, Batterien, Speichermedien, Koffern sowie Reinigungs- und Pflegemitteln – und unterhält dazu für schnellen und reibungslosen Service eine eigene Werkstatt. Unter Jägern ist die Firma hauptsächlich für qualitativ gute Wildkameras bekannt.

Die Zielfernrohrlinie umfasst vier Mode­l­le (1 –6 x 24, 2 –12 x 42, 3 –15 x 50, 3 –18 x 56) mit 5- und 6fach Zoom. Alle verfügen über ein Leuchtabsehen, die beiden Großen auch über einen Parallaxausgleich.

Preislich liegen sie zwischen 449 € (Drückjagd) und 549 € (56er) im unteren Preisbereich für Jagdzielfernrohre – da ist schon manche Montage teurer.

Dörr Milan 3 ‒15 x 50
Auf dem Testglas fand sich ein Auf­kleber mit der Herkunftsbezeichnung made in China – was zu erwarten war, denn selbst große japanische Hersteller liegen heute in einem höheren Preisbereich.

Mit 36,3 cm ist das Milan ein noch kompaktes Zielfernrohr, das äußerlich einen durchaus soliden Eindruck macht. Das Gehäuse aus einem Stück Flugzeugaluminium ist mattschwarz hart eloxiert.

Diese Beschichtung erwies sich im Jagdpraxis-Test als sehr widerstandsfähig und kratzfest.

Das Gewicht soll laut Hersteller 704 g betragen, die Waage zeigte sogar nur 695 g.

Der Parallaxausgleich ist sehr modern links am Mittelrohr kombiniert mit dem Bedienknopf des Leuchtabsehens angeordnet und reicht von 10 m bis unendlich.

Ein Parallaxausgleich ist eine feine Sache, damit lassen sich Absehen und Zielbild auf eine Schärfeebene bringen, Zielfehler durch schrägen Einblick sind ausgeschlossen.

Dörr Milan 3-15x50 Parallaxeausgleich
Der Parallaxausgleich liegt kombiniert mit dem Drücker für das Leuchtabsehen seitlich am Mittelrohr.

 

Das Leuchtabsehen wird über einen gummierten Druckschalter bedient. Etwas länger gedrückt halten, schaltet es ein, jeder weitere Druck führt durch die sieben Leuchtstufen. Nach der höchsten Stufe kommt wieder die niedrigste, längerer Druck schaltet das Leuchtabsehen aus.

Eine Automatik schaltet den Leuchtpunkt nach zwei Stunden ab – in dieser Preisklasse sehr ungewöhnlich. Zum optischen Kontrast ist der Zoomring silbergrau gehalten, mit feiner Fischhaut.

Zwischen 6-und 9fach liegt ein Knubbel, der gesamte Vergrößerungsbereich wird über weniger als eine halbe Umdrehung abgedeckt, beim Bedienen ist ein deutliches Spiel in Längsrichtung fühlbar.

Das Mittelrohr hat den üblichen 30-mm-Durchmesser, die Absehenverstellung arbeitet mit ¼ MOA-Schritten, ändert die Treffpunktlage also um 7 mm pro Klick. Der Gesamtverstellweg beträgt 175 cm in Höhe und Seite, nach Lösen einer Schraube lassen sich die Türme nullen.

Die Dioptrien-Schnellverstellung am Okularende regelt den Bereich von + 2,0 bis – 2,0 dpt in etwas mehr als einer Umdrehung. Das Testglas hat ein feines 4A-Absehen mit rotem Leuchtpunkt in der Mitte, wahlweise gibt es auch eine Version mit beleuchtetem Mil-Dot-Absehen.

Das Absehen in der zweiten Bildebene verdeckt nicht viel vom Ziel. Das Innere des Körpers ist mit Nitrogen gefüllt, Wasserdichtigkeit war im Jagdpraxis-Test kein Problem, auch nach einigen Stunden im Tiefkühlfach stellte sich kein Innenbeschlag ein.

Das Einschießen bereitete keine Probleme, die Absehenverstellung arbeitet einwandfrei. Doch schon der erste Eindruck auf dem Schießstand war ernüchternd – das Zielbild ist flau und wenig kontrastreich.

Zielfernrohr Dörr Milan 3-15x50 Absehenverstellung
Die Absehenverstellung arbeitet mit 7mm pro Klick auf 100 m.

 

Die deutliche  Rand-Unschärfe war in dieser Preisklasse zu erwarten, auch die etwas empfindliche Austrittspupille bei hoher Vergrößerung überraschte nicht. Das Testglas wurde dann ins optische Messlabor geschickt, denn nur dort lässt sich wirklich feststellen, was man für 500 € bekommt.

Was leistet die Optik?
Die tatsächliche Vergrößerung beträgt 3,0 bis 14,7fach, liegt also gut innerhalb der Toleranzen. Das Sehfeld gibt Dörr mit 12,8 m bei kleinster und 2,8 m bei höchster Vergrößerung an. Gemessen haben wir 12,35 und 2,45 m. Damit kann man leben.

Die Auflösung beträgt fünf Winkel­sekunden – gar nicht so schlecht ist für ein Glas dieser Preisklasse. Auch bei der Austrittspupille gibt es deutliche Unterschiede zwischen Messwerten und Herstellerangabe.

Zielfernrohr Dörr Milan 3-15x50 Okular
Der griffige Zoomring ist silberfarbig und hat einen Knubbel zwischen 6- und 9fach.

 

Sollwerte waren 16,6 mm bei kleinster und 3,3 mm bei höchster Vergrößerung, gemessen haben wir 9,7 und 3,4 mm. Die mickrige Austrittspupille bei höchster Vergrößerung hatten wir ja schon auf dem Schießstand bemerkt, sie verlangt einen genau zentrischen Blick durch die Optik.

Aber auch 9,7 mm bei kleinster Vergrößerung sind für schnelle Schüsse äußerst ungünstig. Besonders wichtig und interessant zur Jagd bei schlechtem Licht ist natürlich die Transmission (Lichtdurchlässigkeit), wir waren gespannt, was für 500 € geboten wird.

Das Ergebnis war ernüchternd – 80,0 Prozent bei Tag und 77,0 bei Nacht. Top-Marken kommen locker über 90 Prozent Nacht-Transmission, selbst Mittelklasse-Modelle (Meopta, Vixen, Minox u. a.) erreichen 85 bis 87 Prozent.

Das bestätigte auch unser Reviertest. Bei einbrechender Dämmerung war mit Dörrs Milan sehr viel früher Schluss als mit Vergleichsmodellen. In der Nacht braucht man schon da schon klaren Himmel plus mindestens Halbmond oder Schnee.

Das Leuchtabsehen erwies sich selbst in der ersten Stufe als zu hell und überstrahlte deutlich, dafür ist es in Stufe 7 auch für Bewegungsjagden ausreichend hell.

Resümee
529 € für ein 3 - 15 x 50 mit Leuchtabsehen und Parallaxausgleich klingen interessant. Dafür bekommt man ein schussfestes, wasserdichtes Zielfernrohr mit brauchbarem, wenn auch nicht knackscharfen Bild bei Tageslicht, ordent­licher Absehenverstellung und Leuchtabsehen. Mehr sollte man nicht erwarten.

Die Transmission ist zur Jagd auf Sauen bei Nacht deutlich zu gering. Wer nicht nur bei Vollmond oder Schnee jagt, wird damit nicht glücklich. Klar ist aber auch, dass 10 Prozent mehr Transmission den Preis leicht verdreifachen.

Die geringe Austrittspupille verlangt eine sorgfältige Positionierung des Auges hinter dem Okular. Erfreulich ist der Lieferumfang mit praktischen FlipCaps für Objektiv und Okular.

Billig und gut geht bei Jagdoptik immer noch nicht, zumindest nicht in puncto Transmission. Dem Anspruch des Importeurs an seine Wildkameras wird dieses Zielfernrohr jedenfalls nicht gerecht.

Technische Daten Dörr Milan