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Suhler Einhakmontage umrüsten

Do., 16.05.2019 - 10:15
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Ältere Waffen sind häufig mit lichtschwachen Gläsern ausgestattet, die den Ansprüchen vieler Jäger nicht mehr genügen. Oft ist die Waffe selbst noch in sehr gutem Zustand und würde locker noch ein weiteres Jägerleben lang Dienste tun – nur ein modernes Zielfernrohr müsste montiert werden … Von Norbert Klups.

Technisch kein Problem, aber mit Suhler Einhakmontagen (SEM) können die Kosten eines solchen Austausches den Marktwert der Waffe leicht übersteigen. Montage-Spezialist EAW hat für dieses häufige Problem eine geniale Lösung entwickelt.

Das Standardverfahren ist aufwändig und teuer: Die Vorderplatte muss versetzt werden oder es wird eine zweite Platte angebracht, was nicht gerade elegant aussieht. Besonders bei Drillingen ist dazu noch ein Umbau der Kimme fällig, denn oft muss die vordere Platte genau an der Stelle angebracht werden.

Häufig kommt dann auch noch eine Neubrünierung des Laufbündels dazu. Eine neue SEM, besonders bei Gläsern mit großem Objektivdurchmesser (Montage mit Objektivring nötig), kostet leicht 700 € – ohne die Kosten der neuen Oberteile und des neuen Glases versteht sich.

Ist die Waffe dann endlich einsatzbereit, wurde aus dem vermeintlichen Schnäppchen längst ein teurer Spaß. Daher sollte man vor dem Kauf genau kalkulieren, welche Kosten noch entstehen und ob sich die Sache wirklich lohnt.

Neue Waffen können oft billiger als die Umrüstung Gebrauchter sein, zumindest wenn wieder Suhler Einhakmontagen verwendet werden soll, die durch hohen Arbeitsaufwand extrem kostenintensiv sind.

Umrüsten auf moderne Schwenkmontagen ist in der Regel preisgünstiger, aber immer noch nicht gerade billig, wenn die alten SEM-Unterteile zunächst entfernt und danach herkömmliche Schwenkmontage-Unterteile angebracht werden.

Der fränkische Montagespezialist EAW stellte im Frühjahr 2009 auf der Waffenmesse IWA in Nürnberg eine Lösung vor, die durch geringen Arbeitsaufwand erheblich preisgünstiger ist. Mit dem neuen Umrüstsatz lassen sich Waffen mit Suhler-Einhak- auf Schwenkmontagen umrüsten.

Die Teile kosten ganze 68 €. Dazu kommen nur ein bis zwei Stunden Büchsenmacherarbeit. Danach lässt sich jedes beliebige Zielfernrohr mit EAW-Hebel-oder Brückenschwenkmontagen montieren.

Ein Drilling wird umgerüstet
Um zu sehen, ob das auch funktioniert, haben wir einen Drilling umgebaut. Der klassische Sauer & Sohn 3000 war zwar in fast neuwertigem Zustand, aber wegen des Anfang der 60er Jahre mit SEM montierten 1,5 - 6 x 36 Zeiss Diavari nur noch zu Pirsch oder Morgenansitz zu gebrauchen – ein ideales Objekt für den neuen EAW-Umrüstsatz.

Sauer Drilling mit alten Glas und SEM
Vorher: Der Drilling im Urzustand – montiert ist ein kleines Zeiss Diavari 1,5 - 6 x 36 ohne Leuchtpunkt mit klassischer Suhler Einhakmontage (SEM) und Prismenschienen.

 

Der Satz besteht aus zwei Teilen – einer Vorderplatte für den Zapfen der Schwenkmontage und einem Prismenstück als Gegenlager zur Verriegelung der Montage auf der Waffe hinten.

Zunächst wird die alte Vorderplatte der SEM entfernt. Sie lässt sich ohne großen Aufwand aus der Schwalbenschwanzführung des Montagesockels seitlich heraustreiben.
Vorderplatten werden kraftschlüssig eingesetzt und lassen sich mit einigen Hammerschlägen eines Messingtreibers entfernen – für Büchsenmacher eine Sache von 30 Sekunden.

EAW-Montageteile
Der Umrüstsatz aus zwei neuen Unterteilen, die man gegen die SEM-Teile austauscht.
EAW Montagesatz
Die vordere Platte ist entfernt und das Unterteil des Montagesockels bereit, die neue Platte für die Schwenkmontage aufzunehmen.
Der Schieber des Schlösschens der SEM ist ausgebaut und das Oberteil des Schlösschens flach gefeilt.

 

Die neue Vorderplatte für die Schwenkmontage kommt in den alten Sockel der SEM. Sie hat leichtes Übermaß und wird mit einigen Feilstrichen angepasst, bis sie sich mit etwas Kraft hineintreiben lässt.

Damit ist der Umbau des Vorderteils bereits abgeschlossen. Vom Schlösschen der SEM wird der Schieber ausgebaut. Er verriegelt den Hinterfuß der SEM und ist federgelagert. Nach dem Entfernen einer Schraube lässt er sich herausziehen und die Federn können aus den Führungsschächten des Schlösschens gezogen werden.

Zurück bleibt eine flache Platte mit zwei Schlitzen. Darauf wird das zweite Teil befestigt, dafür gibt es zwei Varianten: Bei Methode 1 sind am SEM-Schlösschen keine weiteren Arbeiten erforderlich. Bei Methode 2 wird das Schlösschengehäuse etwa vier mm abgefräst.

EAW
Die Prismenplatte ist aufgeklebt und das neue Unterteil für den Vorderzapfen der Schwenkmontage in die Schwalbenschwanzführung
geschoben.
EAW
Die vordere Platte ist entfernt und der alte Schieber des SEM-Schlösschens kann auch wieder eingesetzt werden, um die Schlitze
zu verdecken.

 

Ausschlaggebend ist die Höhe der  mechanischen Visierung. Bei der ersten Methode wird lediglich eine Prismenplatte aufgesetzt, die über zwei Zapfen verfügt, die in die Schlitze des SEM-Schlösschens greifen.

Diese Zapfen sind leicht übermaßig und lassen sich mit der Feile schnell so anpassen, dass sie in die Schlitze passen. Dabei ist kein kraftschlüssiger Sitz erforderlich, denn die Platte wird anschließend aufgeklebt.

Schwenkmontagen nehmen die ganze Kraft des Rückstoßes durch den großen Vorderzapfen auf, das hintere Montageteil sorgt nur für korrekten seitlichen Sitz der Montage und ist keinen Rückstoßkräften ausgesetzt. Die Montage mit modernem Zweikomponentenkleber ist völlig ausreichend.

Bei den meisten Waffen bleibt die offene Visierung erhalten. Die neue Platte hat in der Mitte eine Einfräsung, die den Blick auf das Kimmenblatt erlaubt. Ist die Kimme zu flach, wird Methode zwei gewählt. Dabei besteht das neue Unterteil aus einer flachen Prismenplatte ohne Zapfen.

Das Schlossgehäuse wird zunächst vier mm abgefräst und die Prismenplatte dann oberflächenbündig eingeklebt und dazu mit einer Schraube gesichert. Sie sitzt dann genauso flach in der Schiene wie vorher das SEM-Schlösschen.

Zapfen sind dabei nicht möglich, denn das Schlösschen der SEM sieht zwar sehr massiv aus, ist aber innen völlig hohl, um die Mechanik aufzunehmen. Fräst man
dort vier mm ab, ist oben alles offen und die Federschächte liegen frei. Die Platte lässt sich dann zwar leicht einsetzen, aber Zapfen sind überflüssig.

Beim Umbau des Drillings bot sich noch eine Zwischenlösung an. Es wurde mit der zapfenbestückten Platte gearbeitet, aber diese nicht einfach aufgeklebt, sondern das Schlösschen der SEM zunächst mit der Feile so weit abgefeilt, dass die alte Visierrille verschwand – aber nicht so viel, dass das Schlösschen oben offen liegt.

Danach wurde die Platte mit den Zapfen eingeklebt. Dadurch lässt sich die Bauhöhe ohne großen Aufwand etwas verringern. Die befeilte Fläche wird ja nach dem Aufkleben der Platte unsichtbar, so dass nicht besonders vorsichtig gearbeitet werden muss.

Der gesamte Umbau dauerte etwa 90 Minuten. Danach wurde ein modernes Zeiss Diavari 3 - 12 x 56 mit Leuchtabsehen und Innenschiene mit einer Brückenschwenkmontage angebracht – optisch ein sehr gelungener Umbau.

Drilling mit modernem Zielfernrohr
So will man es heute haben – ein modernes, kompaktes Zielfernrohr (Zeiss Diavari 3 - 12 x 56) mit Leuchtpunktabsehen, Innenschiene und Schwenkmontage.

 

Resümee
Eine tolle Idee von EAW, die es ermöglicht, gute alte Waffen mit modernen Zielfernrohren zu versehen, ohne gleich ein Vermögen allein für die neue Montage auszugeben. Sind die neuen Unterteile montiert, steht die ganze Welt moderner Schwenkmontagen offen, mit denen sich alle Arten von Zielfernrohren oder Spezialoptiken anbringen lassen – kein Problem, damit neben lichtstarken Ansitz- auch Drückjagdgläser oder kleine Rotpunkt-Visiere zu montieren.

Geschickte Heimwerker können den Wechsel der Fußplatten sicher selbst vornehmen, doch man sollte schon mit der Feile umgehen können und über gutes Werkzeug verfügen, bevor man sich ans Werk begibt. Dran-Feilen geht ja nicht …

Montagen haben als Verbindungsglied zwischen Waffe und Zieloptik ganz erhebliche Bedeutung für die Präzision. Häufigste Ursache für schlechte Schussleistung sind daher fast zwansläufig fehlerhafte Montagen. Ein bis zwei Stunden Büchsenmacherarbeit für den beschriebenen Umbau sind allemal gut investiertes Geld und können erheblichen Ärger vermeiden.

Der Testbericht erschien erstmals 2009 im Rheinisch-Westfälischen Jäger.