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Test: Jagdmesser Linder-Hunter

Fr., 23.11.2018 - 15:12
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Auf der Suche nach einem jagdlichen Allrounder, der auch optisch was hermacht, haben wir das Hunter des Solinger Messerprofis Linder getestet. Neben Design und Abmessungen ist dabei besonders der ATS 34-Stahl interessant. Von Norbert Klups.

Dieser Werkstoff geht zurück auf den bekannten US-Messermacher Bob Loveless, der 154 CM (US-Bezeichnung) als nahezu idealen Messerstahl ent­deckte. Entwickelt ursprünglich zur Herstellung von Kugellagern vom US-Hersteller Crucible Steel, wurde ATS 34 schnell zum Favorit von Messer­machern und kam auch bald in der Serienfertigung zum Einsatz.

Handlage des Linder Hunter ATS 34
Ausgezeichnete Handlage durch den optimal gestalteten Griff.

 

ATS 34 gehört zur sog. 14-4-Familie der Stähle, dazu gehören Werkzeugstähle, die mit rund 14 Prozent Chrom und vier Prozent Molybdän veredelt sind. In Puncto Schnitthaltigkeit und Verschleißfestigkeit ist ATS 34 dem bekannten und meist verwendeten 440 C überlegen, kommt allerdings nicht an pulvermetallurgisch hergestellte CPM-Stähle heran.

Dafür hat er denen gegenüber den Vorteil, problemlos mit herkömmlichen Werkzeugen schärfbar zu sein – für CPM-Klingen braucht man Diamantschärfwerkzeug. Für ein Jagdmesser ist ATS 34 damit ein hervorragender Kompromiss zwischen Schnitthaltigkeit und leichtem Nachschärfen. Jede Klinge wird mal stumpf und muss geschärft werden – bei ATS 34 kein Problem.

Klassisches Jagdmesser-Design
Die 9 cm-Klinge in bewährter Drop-Point-Form ist stattliche fünf Millimeter dick und damit sehr stabil. Der Klingenrücken ist bis zur halben Länge mit Querrillen versehen, die bei präzisen Schnitten als Fingerauflage dienen.

 Jagdmesser Linder-Hunter ATS 34
Nutzt man das Messer mit der Schneide nach oben, findet der Daumen in der großen Fingermulde besten Halt.

 

Bei einer Klingenbreite von 26 mm bringt das Messer nur 150 g auf die Waage und ist nicht zu schwer. Mit 21 cm Gesamtlänge ist es handlich genug, um auch bei feinen Schneidarbeiten eingesetzt zu werden. Das Parier­element und der Knauf mit einer Bohrung für einen Fangriemen besteht aus rostfreiem Stahl.

Runder Griff aus Cocobolo
Für den Griff, der den Erl komplett umschließt, wird edles Cocobolo-Holz mit wunderschöner Maserung verwendet. Cocobolo ist sehr hart und schwer zu spalten, aber dennoch gut zu bearbeiten. Die große Härte und seine harte, dichte Oberfläche ermöglicht bei Coco­bolo die Herstellung glänzender und sehr glatt polierter Oberflächen.

Der Messergriff ist sehr gut poliert und liegt satt in der Hand, weil er mittig etwas verdickt ist. Die große Fingerille im vorderen Griffbereich unterstützt die angenehme Handlage noch zusätzlich. Die Scheide aus 2,5 mm-Rindleder umschließt auch einen Teil des Griffes.

Köcherscheide aus Leder
Die Köcherscheide umschließt einen großen Teil des Messergriffes.

 

Das Hunter im Revier
Bei der roten Arbeit zeigte sich das handliche, feine Messer von seiner besten Seite. Es ist schon ab Werk scharf und die Klinge stabil genug, um auch bei groben Arbeiten eingesetzt zu werden.

Als nach drei Sauen und zwei Rehen Nachschärfen angesagt war, dauerte es keine 10 Minuten, mit einem Lansky-Schleif-Set die Ausgangsschärfe wieder herzustellen. Der Griff liegt bei allen Arbeiten angenehm in der Hand, auch wenn die Klinge im Reversegriff gehalten wird. Der Daumen liegt dann in der großen Griffmulde und kann sich bestens abstützen. Die Größe ist optimal für alle jagdlichen Arbeiten. Mehr Messer braucht man nicht.