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Autotest: Suzuki Jimny II AllGrip

Do., 14.02.2019 - 12:10
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Suzuki hat den im Revieralltag erprobten Jimny neu aufgelegt und ist sich und überzeugten Kunden treu geblieben. Von Andreas Graf Praschma.

Der seit Ende Oktober in den Verkaufsräumen stehende neue Jimny ist kein weichgespültes SUV, sondern ein echter Geländewagen von altem Schrot und Korn – ein echter Offroader mit zwei Starrachsen, wie sie außer dem handlichen Japaner nur der dreimal so teure Jeep Wrangler aufweisen kann.

Der ist aber wesentlich breiter und so für schmale Pfade in Wald und Flur weniger geeignet als der Jimny, der sich schon in seiner Ur-Version besonders unter Jagdaufsehern und Berufsjägern großer Beliebtheit erfreute.

Der 20 Jahre alte Jimny ist im direkten Vergleich ein wenig gewachsen. Dabei setzen die Designer aus dem fernen Osten auf markige und kantige Linien, die den Kleinen eigentlich zum Großen wachsen lassen und klar verdeutlichen, dass Suzuki dem allgemeinen Trend zu mehr Eleganz zumindest mit diesem Modell nicht huldigt:

Suzuki Jimny
Der neue Jimny zeigt mit dem AllGrip-Antrieb im Geländemodus seine Reviertauglichkeit.

 

Seiten und Heck stehen senkrecht nach oben, ganz wie früher beim inzwischen nicht mehr gebauten Land Rover Defender. Die eckige Form sorgt natürlich nicht für aerodynamische Spitzenwerte, hat dafür aber einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber Modellen mit immer kleineren Fenstern – der Jimny ist dank seiner klaren und kompromisslosen Form und großer Scheiben erfrischend übersichtlich, was auch im dunklen Tann für perfekte Rundumsicht sorgt.

Bank wegklappen
Für längere Autobahnfahrten ist er dagegen nicht gemacht – mit 145 km/h Spitze schwimmt er zwar im allgemeinen Verkehr mit, macht aber langsamer deutlich mehr Freude, zumal man allein bis Tempo 100 gut 14 Sekunden braucht.

Mit 120 auf der Autobahn ist man gut bedient, ohne angestrengt fahren zu müssen. Spaß machen hingegen engere, abgelegene Landstraßen, auf denen sich der Jagdpraxis-Test-Jimny gutmütig gab. Er neigte sich bei zügig gefahrenen Kurven nicht zur Seite und folgte artig jeder Lenkbewegung.

Fahrer und Beifahrer sitzen auf gut dimensionierten Plätzen, die beiden hinteren Sitze sind (wie schon immer) für Erwachsene schlicht ungeeignet, für Kinder reicht es allemal.
Ist die Rückbank belegt, verdient der verbleibende Kofferraum seinen Namen nicht mehr – dort bleibt weder Raum für einen Koffer noch einen Jagdhund.

Raumwunder wollte der Jimny auch nie sein – wer sich mit den Vordersitzen begnügt und mit einem Handgriff die leicht umzulegende Rückbank wegklappt, bekommt reichlich Platz für jagdliches Handwerkszeug und größere Vierbeiner.

Suzuki Jimny Kofferraum klein
Wenn die Rückbank benutzt wird, kann man nicht mehr von einem Kofferraum sprechen...
Suzuki Jimny Rückbank
...wird sie jedoch umgeklappt, bleibt genug Platz für Ausrüstung und Jagdbegleiter.

 

Im Revier
Die wahren Werte zeigt der Bursche, wenns dorthin geht, wohin es Jäger am liebsten zieht – ins Revier. Dort wird mehr als deutlich, dass der Jimny in zweiter Generation keinesfalls verweichlicht ist.

Auch wenn Breite und Spurweite um etwa vier Zentimeter gewachsen sind, bleibt der Jimny abseits befestigter Pisten ein Alleskönner. Davon überzeugten sich alte Jimny-Hasen, die den Kleinen im Eifelrevier seit Jahren einsetzen.

Wo der Vorgänger ohne Allrad nicht mehr weiter­kam, zog der Neue allein mit Heckantrieb noch munter seine Bahn. Und wo‘s wirklich nicht weiterging, ließ er mit AllGrip-Antrieb im Geländemodus keinerlei Zweifel an seiner unbedingten Reviertauglichkeit aufkommen.

Die weitere Geländestufe Allrad ist für verschneite Winterstraßen oder auf Schotter gedacht, auch diese vermochte bei mehreren Tests zu überzeugen. Damit sind die Vorzüge des kleinen Kraxlers aber noch lange nicht ausgeschöpft.

Die Japaner sind vom 1,3 l-Hubraum abgekommen und verbauen stattdessen einen 1,5 l-Motor (102 PS) – kein Rennwagen, aber Jäger und Förster können weiter bestens auf ihn setzen. Das Getriebe verfügt über fünf gut abgestimmte Gänge, der etwas längere Hebel sorgt beim Schalten für präzise Wege.

Zuschaltbarer Allradantrieb und Geländeuntersetzung sind über einen dahinterliegenden Knüppel leicht einzulegen, hier ist man vom Druckknopf des Vorgängers abgewichen.
Hinzu kommt eine elektronische Schlupfregelung und eine Bergan- und -abfahrhilfe, die den Jimny zur wahren Bergziege mutieren lassen.

Er krabbelt und klettert über Stock und Stein und gab sich selbst im unwegsamsten Gelände mit steilen An- und Abstiegen unbeeindruckt. Die im Test gefahrene Comfort+-Version ist im Gegensatz zur einfacheren Comfort-Ausgabe nicht mit Automatik lieferbar.

Dafür beinhaltet sie u. a. Klimaautomatik, ein gut funktionierendes Navi (gut sichtbar hoch installiert), beheizbare Außenspiegel, geteilte Rückbank und Lederlenkrad. Nicht zu übersehen ist die Regenrinne am Dach, bei schlechtem Wetter fließt so kein Wasser in geöffnete Türen. Und das alles zum Preis von unter 20.000 Euro.

Suzuki Jimny Cockpit
Das Cockpit ist übersichtlich und bietet mehr Komfort als beim Vorgänger.

 

Auch beim Zubehör kommt Suzuki Jägern entgegen – wie beim alten Sondermodell Ranger werden Trenngitter zum Laderaum, Laderaumauskleidung und abnehmbare Hängerkupplung geboten, die Lackierung Djungel-Green des Jagdpraxis-Testwagens ist obendrein ohne Aufpreis.

Auch wenn er kein Rennwagen ist, ein Renner für Jäger wird auch der neue Jimny sicher – und das nahezu konkurrenzlos!

Suzuki Jimny Technische Daten