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Ein neuer Mitspieler

Mi., 16.02.2022 - 08:03
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Seit einigen Monaten bietet Professor Optiken Zielfernrohre, Ferngläser und Wärmebildkameras im mittleren Preisbereich an – hergestellt in Fernost und auf den ersten Blick modern und wertig. Wir haben das Zielfernrohr Ammersee 2,5-15 x 50 getestet.

Der Neuling kam mit einer Dentler TAC-Montage auf eine Merkel Helix in .300 Win. Mag. Die ebenfalls neue Montage für Zielfernrohre mit 25,4, 30 oder 34 mm-Mittelrohr passt auf alle Dentler-Grundschienen Basis und Vario. Wahlweise ist sie auch mit 20 MOA vorgeneigt erhältlich (Bauhöhe: 8 mm). Der Grundkörper ist mit einer Hälfte der beiden Montageringe aus
einem Alu-Stück gefertigt. Die andere Ringhälfte wird mit je acht Schrauben befestigt und fällt mit 35 mm Breite groß aus, was einen sehr starken Halt ergibt. Die Seitenflächen wurden so flach wie möglich gehalten, um freie Sicht auf die seitlichen Türme zu gewährleisten. An der Oberseite fallen die Ringe bedingt durch die Verschraubung massiver aus, aber durch eine mittige Nut behält man auch im Anschlag freien Blick auf die Skala der Höhenverstellung.
An sechs Schnittstellen an den Ringen lassen sich Grundplatten für Anbauteile wie Mini-Rotpunktvisiere anbringen.
Die beiden Ringschalen sind durch die Fertigung aus einem Stück mit dem Grundkörper perfekt zueinander ausgerichtet und ermöglichen eine spannungsfreie Montage.
Wir haben nach dem Einschießen die Montage mehrmals abgenommen und wieder aufgesetzt. Die Treffpunktlage blieb absolut identisch, ein Setzschutz ist nicht erforderlich – eine Montage, die erstklassig funktioniert und dazu noch stylisch aussieht (335 €).

Der flache Höhenturm

ZF Ammersee 2,5 –15 x 50

Das Ammersee macht einen ordentlich verarbeiteten Eindruck und ist mit 637 g auch nicht zu schwer. Die Gesamtlänge  beträgt 37,5 cm. Bei der Ausstattung griff man tief in den Optikbaukasten – Sechsfach-Zoom, Parallaxausgleich als dritter Turm links am Mittelrohr und Leuchtabsehen mit Drehregler im Turm des Parallaxausgleichs (10 m bis unendlich).
Zur Höhenverstellung wird ein zusätzlicher hoher Ballistikturm mitgeliefert, der sich gegen den flachen Turm tauschen lässt. Dieser Turm lässt sich auch ohne Werkzeug nullen – nur anheben und drehen, ohne die Verstellung zu betätigen.
Beim Seitenverstellturm wird zum Nullen Werkzeug benötigt. Der Ballistikturm hat jedoch keine Skala, sondern lediglich eine 0 – jeder Nutzer soll sich individuelle Verstellmarkierungen wohl selbst anbringen ...
Macht auf den ersten Blick alles einen sehr soliden Eindruck, wobei auch die Proportionen im Rahmen bleiben und das Zielfernrohr nicht wuchtig wirkt.
Der Körper aus Flugzeug-Alu ist mattschwarz eloxiert, der Mittelrohrdurchmesser beträgt 30 mm, das Innere ist gegen Innenbeschlag stickstoffgefüllt.
Das Absehen in der zweiten Bildebene verstellt man pro Klick um 1 cm. Der Gesamtbereich der Höhenverstellung liegt bei etwa 160 cm – für ein Jagdzielfernrohr völlig ausreichend. Das 4er-Absehen mit rotem Leuchtpunkt lässt sich in sechs Stufen dimmen. Der Zoomring vor dem Okular deckt den gesamten Vergrößerungs­bereich über eine halbe Umdrehung ab.
Der Dioptrieausgleich (Schnellverstellung) hinten am Okular reicht von -3 bis +2 dpt. Die Absehenverstellung (Klickmodus) verändert die Treffpunktlage um 0,7 cm auf 100 m. Der Augenabstand (9,7 cm) ist großzügig bemessen.

Der Zoomring

Mechanisch alles in Ordnung

Das Testglas erwies sich nach drei Stunden unter Wasser in 50 cm Tiefe als wasserdicht, auch einige Stunden bei –18 °C in der Tiefkühltruhe waren kein Problem. Innenbeschlag stellte sich nach dem Auftauen auf Raumtemperatur nicht ein, die Bedienelemente ließen sich noch bewegen, auch wenn sie eiskalt deutlich strammer liefen. Das Sehfeld auf 100 m beträgt 16,6 m bei kleinster und 2,8 m bei höchster Vergrößerung. Das Einschießen lief problemlos, die Absehenverstellung arbeitet präzise.

Gemessene Werte

Das menschliche Auge lässt sich leicht irreführen – was dem einen als milchig erscheint, ist beim anderen noch durchaus klar. Um über die Leistungsfähigkeit des Ammersee genaue Daten zu erlangen, wurde die Transmission in einem Optiklabor gemessen. Dabei unterscheidet man zwischen Tag- und Nachttransmission, für Jäger ist der Nachtwert wichtiger. Beim Testglas wurde eine Transmission am Tag von 89,1 und bei Nacht von 87,4 % gemessen. Das bestätigt den Eindruck im Revier und bestätigt Werte auf dem Niveau japanischer Mittelklasseoptiken.
Der maximale Falschlichtanteil liegt bei 3,5 % – auch das ein guter Wert. Bei der Auflösung (9,8) schwächelt das Ammersee, das sieht man auch in der Dämmerung im Revier, der Kontrast ist nicht sehr ausgeprägt. Auch bei der Randschärfe (bes. bei höherer Vergrößerung) ist eine deutliche Unschärfe sichtbar.
Dabei muss aber auch der Preis (739 €) beachtet werden. Dafür ist das Gesamtpaket in Ordnung, mehr ist dafür sicher nicht drin.

Resümee

Das Ammersee ist mit Sechsfach-Zoom, moderner Ausstattung, Parallaxeausgleich und Leuchtab­sehen ein durchaus interessantes, ordent­liches Mittelklasse-Modell. Es ist schussfest, wasserdicht, gut ausgestattet und steht bei Tageslicht und beginnender Dämmerung wesentlich teureren Zielfernrohren kaum nach. Erst bei zunehmender Dunkelheit und Nacht werden die Unterschiede zu den Topmarken sichtbar, das Bild ist nicht so brillant und die Auflösung geringer. Wer auf High-End verzichten kann, sollte diesen Neuling im Auge behalten.

Norbert Klups